Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.06.1992 - 

PCs, 36-Systeme und Unix in einer DV-Umgebung

Unix-Welt in Ethernet und Token-Ring-Netz integriert

Unix kaufen ist nicht schwer, es einzusetzen um so mehr. Diese Erfahrung muß jeder DV- Leiter machen, der nicht das Glück hat, auf der "grünen Wiese" anfangen zu dürfen. Gert Söbbing* schildert den Normalfall. Dort besteht die Aufgabe darin, die neue Lösung in die bestehende, meist proprietäre Umgebung einzubinden.

Im Jahre 1989 stellte sich bei der MB Data GmbH in Bottrop die Frage nach einer neuen EDV-Lösung für den betriebswirtschaftlichen Bereich, da die alte /36 Lösung von der Soft- und Hardware her den Anforderungen des schnell wachsenden EDV-Systemhauses nicht mehr gewachsen war. Von 1989 bis 1992 stieg unsere Mitarbeiterzahl von etwa 70 derzeit 200.

Die neue Lösung sollte eine ausbaufähige Gesamtlösung sein um die mittlerweile in einigen Abteilungen entstandenen PC-Netzwerke einbeziehen. Auch wollten wir die einzelnen Netzwerke zu einem Gesamtsystem zusammenfassen, um eine bessere Ausnutzung und Administration der Systeme zu gewährleisten.

Gleichzeitig wurde über eine neue Hausverkabelung nachgedacht. Das neue Verkabelungssystem sollte alle, auch die zukünftigen Anforderungen der Fachabteilungen, abdecken können. Man hatte noch die schlechte Erfahrung mit der Twinax-Verkabelung in Erinnerung.

Kriterien für das Verkabelungssystem

Es wurden daher folgende Kriterien für das Verkabelungssystem aufgestellt:

- Ausfallsicherheit der Verkabelung,

- getrennte Segmente je Etage,

- Einbindung der vorhandenen Server-Systeme und

- in Zukunft keine weitere Verkabelung, sprich: ein Kabel sollte für alle Protokolle ausreichen

Aufgrund dieser Anforderungen entschied sich das Unternehmen für eine Token-Ring-Verkabelung (STP, Typ 1). Die entsprechenden Kabel wurden in sämtlichen Büros verlegt und jeweils für eine Etage in einem Verteilerraum zusammengeführt.

Schon bei der Installation erwies sich die Sicherheit des Tokenring-Protokolls: Es konnten während des normalen Betriebes neue Verteiler, Ringe und neue Brücken zugeschaltet werden, ohne daß der laufende Betrieb gefährdet war.

Bei dem Aspekt der betriebswirtschaftlichen Anwendung entschieden wir uns für eine Unix-Lösung. Der Zugriff der einzelnen Anwender sollte über das Tokenring-System erfolgen da alle Anwender über einen PC verfügten. Gleichzeitig wurde ein Mail- und Termin-System eingeführt.

Da die Unix-Anlage zu diesem Zeitpunkt keinen Token-Ring-Adapter unterstützte, wurde im Rechenzentrum eine IBM 8209-Brücke installiert. Diese Brücke wandelt Token-Ring-Protokolle in Ethernet-Protokolle um und umgekehrt. Die einzelnen PCs wurden mit TCP/IP ausgestattet. Nun war es möglich, auf PCs im LAN eine VT220-Terminalemulation und für einige Anwender einen Filetransfer durchzuführen (vergleiche Abbildung 1).

Da die bisherige DV-Umgebung auf Basis der IBM-Midrangesysteme /36 für den Übergang auch weiter in Betrieb bleiben mußte, wurden mehrere Gateway-PCs eingerichtet, die jeweils bis zu sieben Terminalsessions emulieren können. Dadurch wurde es möglich, daß die Anwender gleichzeitig auf das Unix- und das /36-System zugreifen konnten. Auch das Novell-Netzwerk blieb weiterhin erreichbar.

Ein weiteres Problem mußte mit der Einführung der Terminalemulation in das TCP/IP-Protokoll gelöst werden: Lieferscheine, Rechnungen etc. sollten nicht zentral, sondern bei den jeweiligen Anwendern gedruckt werden. Da die Emulationssoftware aber keine lokalen Drucker als Unix-Drucker unterstützte und eine Standardlösung nicht auf dem Markt war mußte wir dieses Problem mit einer Eigenentwicklung lösen die auch die Unix-Drucker einband.

Nachdem nun die Datenkommunikation zwischen Unix-, Novell- und /36-Systemen geregelt war, mußte nun noch die IBM-Steuereinheit 3174 mit Hilfe des IBM-LAN-Servers integriert werden. Auch hier wurde die Konfiguration so gestaltet, daß der Zugriff parallel erfolgen konnte.

Es erschien nicht nötig, daß alle Benutzer auf alle Systeme zugreifen können. Aber es zeigte sich bei der Konzeption und Installation, daß bestimmte Benutzer des LAN auf alle Ressourcen von Server und Host zugreifen müssen. Da das Token-Ring-Protokoll verschiedene Übertragungsschnittstellen parallel zuläßt, konnten die Anwender auf verschiedene Hostsysteme zugreifen. Gewährleistet werden mußte nur, daß alle Emulationstreiber auf der IEEE-802.2-Schnittstelle des Token-Ring Adapters aufsetzten. Die weiteren für dieses Projekt verwendeten Protokolle lassen sich dem OSI-Modell von Abbildung 2 entnehmen.

Der nächste Schritt für die Erweiterung des LANs war der Unix-Zugriff von Außenstellen der MB Data GmbH. Hierfür wählten wir eine X.25-Verbindung über Datex-P. Die einzelnen Außenstellen wurden mit einem Novell-LAN sowie einem TCP/IP-Gateway und einer X.25-Karte ausgestattet. Da in den Außenstellen auch Token-Ring installiert war, bot sich hier die gleiche Lösung wie in der Hauptverwaltung an. Die X.25-Verbindung kam nur für das Unix-System zum Einsatz, um eine maximale Performance für die Terminalemulation zu erhalten.

Gleichzeitig ließ MB-Data ein unternehmensweites Mail-System einrichten. Damit auch alle Mitarbeiter in den Außenstellen erreichbar waren, wurde hierfür eine Wählverbindung zu den einzelnen Mail-Hubs in den Außenstellen installiert.

Ein schöner Nebeneffekt war, daß über das IPX-Tunnel-Protokoll von Novell bei Bedarf die Systemadministration der Außenstellen von der Hauptverwaltung aus erfolgen konnte. Dort wurde in der Zwischenzeit die eben erst eingebaute IBM-8209-Brücke aus dem Netz entfernt, da mittlerweile Tokenring-Treiber für SCO Unix und die entsprechende TCP/IP-Implementation erhältlich waren. Diese Maßnahme bewirkte eine Performancesteigerung, da nun auf das Routing-Verfahren vom Tokenring ins Ethernet verzichtet werden konnte.

Mit der Einführung von Windows 3.0 und OS/2 2.0 wurden auch alle Terminalemulationen auf Windows oder OS/2 umgestellt.

Insgesamt ist dieses Projekt, bei dem die Unix-Welt in eine DV-Landschaft mit proprietären IBM-Systemen und Novell-Netzen eingepaßt wurde, abgeschlossen. Allerdings laufen momentan Versuche, die X.25-Verbindung durch eine schnellere und kostengünstigere ISDN Verbindung abzulösen.

_AU: