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21.01.2000 - 

Home Networking/Hemmnisse für Home Networks:

Unklarheit bei den Standards behindert die Entwicklung von Produkten

Neue Trends und Spezifikationen sollen die Hersteller von Hausgerätschaften auf Trab bringen: In diesem Jahr zeichnen sich die ersten Standards für Home Networks ab. Das Ziel: von der Türverriegelung über den Eierkocher bis hin zum PC alle Ausrüstungsgegenstände im privaten Umfeld zu vernetzen. Andreas Weber* hat den Versprechungen der Marketiers auf den Zahn gefühlt und nach konkreten Lösungen Ausschau gehalten.

Eine Vision soll Wirklichkeit werden. Das vernetzte Haus, in dem der Kühlschrank die Einkaufsliste erstellt und die defekte Waschmaschine dem Monteur automatisch eine E-Mail schickt, feiert Richtfest. Zahlreiche Hersteller von Haushaltsgeräten stehen kurz vor der Einführung einer ersten Generation von netzwerkfähigen Produkten. Neben US-amerikanischen Anbietern wie Maytag, Honeywell, Frigidaire und General Electric planen deutsche Haushaltsausstatter wie Miele, Bosch und Siemens vernetzte Automaten.

Derzeit hemmt allerdings die noch unklare Situation hinsichtlich der Vernetzungstechniken einerseits sowie der Softwarekonzepte zur Vereinfachung der Kommunikation zwischen miteinander gekoppelten Geräten andererseits die Entwicklung (vgl. die Beiträge "Funkt''s im intelligenten Haus?" und "Der IQ im Netz steigt nur langsam" auf den Seiten 55 und 51). Dennoch sind bereits einige Produkte für die Vernetzung des privaten Umfelds zu haben.

Unter anderem tut sich etwas im Sektor der so genannten weißen Ware, also bei Küchen- und Haushaltsmaschinen. Mit der "Margherita 2000" stellte etwa das italienische Unternehmen Ariston am 1. Dezember vergangenen Jahres ein fertiges Produkt vor: eine Waschmaschine mit Internet-Anschluss, die in einigen europäischen Ländern, so in Frankreich und Großbritannien, schon bald auf den Markt kommen soll. Sie lässt sich unter anderem mit einem Web-Browser steuern und überwachen und ist via Telefon mit einem Datencenter verbunden, das sich bei einer Funktionsstörung des Geräts meldet. Der Anwender hat die Möglichkeit, per Internet oder Handy mit Margherita zu kommunizieren, wobei ein eingebautes GSM-Modem (GSM = Global System for Mobile Communications) für das Verschicken und Empfangen von Nachrichten und E-Mails zuständig ist.

In Verbindung mit weiteren Geräten, die der Hersteller in nächster Zeit auf den Mark bringen will, soll sich ein zusätzlicher Nutzen solcher Haushaltsgeräte zeigen: Sämtliche Apparate im Haushalt lassen sich so einstellen, dass sie zusammen nicht mehr als eine bestimmte Strommenge verbrauchen. Hierzu kommunizieren die Geräte über das hausinterne Stromnetz miteinander und mit einer Zentraleinheit (Current Meter). Für Produkte von Fremdherstellern bietet Ariston eigenen Angaben zufolge einen Adapter an.

Zur Steuerung seiner neuen Hausgeräte-Generation setzt das italienische Unternehmen auf ein eigenes Protokoll, das Web Ready Appliances Protocol (Wrap). Jedes externe Gerät, das entweder direkt (via asynchrone serielle Verbindung) oder indirekt (via Hausnetz) mit einem Automaten kommuniziert, ist in der Lage, Statistiken abzurufen, Diagnosen zu starten und Funktionen auszuführen.

Der amerikanische Hersteller Honeywell will über die Vernetzung von Waschmaschinen und Küchengeräten hinausgehen. Das in Kürze unter der Bezeichnung "Honeywell Home Controller" auf den Markt kommende Produkt soll beispielsweise Sicherheitssysteme, Heizungen, Klimaanlagen und elektronische Geräte steuern können. Eingabe und Steuerung erfolgen dabei entweder über einen Web-Browser, via Telefon, Thermostat oder den mitgelieferten Home Controller, der sich an einem Standard der Home API Working Group orientiert.

Das Windows-CE-basierte Kontrollsystem enthält unter anderem Hardware, die CE-Bus, Ethernet, Telefonleitungen und X.10-Verbindungen unterstützt. Damit ist es möglich, alle elektrischen Geräte eines Haushalts - egal ob Alarmanlage auf RF-Basis oder Stehlampe mit Stromanschluss - per Web-Browser ein- und auszuschalten. Bis auf Honeywells Home Controller gibt es derzeit keine weiteren Home-API-kompatiblen Produkte. Unklar ist, ob die anderen Hersteller diesen Standard überhaupt unterstützen werden.

Unternehmen wie Sony und Hewlett-Packard (HP) versuchen, eigene Netzwerktechnologien für den Heimbereich durchzusetzen. An vorderster Front kämpfen jedoch die Erzrivalen Sun und Microsoft um die Vorherrschaft im Home-Networking-Markt (vgl. "Der IQ im Netz steigt nur langsam", S. 51).

Mit Suns Anfang 1999 vorgestellter Java Intelligent Network Infrastructure (Jini) befassen sich mehrere Konzerne der Unterhaltungsbranche, darunter Fujitsu, Sony, Toshiba und Seiko. Sun hat mit NTT Docomo, dem größten Mobilfunk-Carrier Japans, eine Kooperation vereinbart, um Java und Jini in Handys zu integrieren. Sun-Ingenieur Jim Waldo ist sich sicher, dass Kunden in absehbarer Zeit beim Betreten eines Kaufhauses über ihr Mobiltelefon direkt auf das dort vorhandene Netz zugreifen können, um etwa Preise, Lagerort oder Verfügbarkeit bestimmter Produkte abzufragen. Wann solche Projekte hierzulande realisiert werden, steht allerdings noch in den Sternen.

Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH vereinbarten im Oktober vergangenen Jahres mit Sun Microsystems, bei der Entwicklung vernetzter Hausgeräte auf der Basis von Suns Jini-Technologie zusammenzuarbeiten. Auch hier steht noch nicht fest, wann erste Produkte verfügbar sein werden.

Der Speicherspezialist Seagate Technology zählte sich bei der Ankündigung von Jini in New York ebenfalls zu den Unterstützern und versprach damals vollmundig, Jini-taugliche Festplatten herauszubringen, auf die beliebige Teilnehmer in einem Netzwerk direkt nach Anschluss zugreifen können. Bislang jedoch haben solche Lösungen die Labors von Seagate noch nicht verlassen.

Auf der Consumer Electronics Show (CES) Anfang Januar verkündeten Sun, Cisco und GTE gemeinsam mit Whirlpool die Vision des vernetzten Heims. Cisco wird dazu einige Produkte unter dem Label Internet Home Gateway beisteuern, die im Herbst 2000 verfügbar sein sollen. Hausintern unterstützt der Hersteller die Datenübertragung via Telefonleitung auf Basis der Spezifikation 2.0 der Home Phone Networking Alliance (Home PNA).

Diese Art des Datentransfers bieten mittlerweile mehr als 120 Unternehmen an, entsprechende Produkte sind in den USA schon seit dem letzten Quartal 1999 zu haben. Auch hier sitzt mit Whirlpool ein Hersteller weißer Ware mit im Boot: Der Konzern arbeitet an netzfähigen Kühlschränken und Herden auf Basis von Ciscos Technologie.

Ebenfalls auf der CES präsentierte sich Microsoft. Die Redmonder wollen das vielversprechende Geschäft mit der Vernetzung der privaten Haushalte mit Universal Plug and Play (UPNP) angehen. Dieses Verfahren soll Ähnliches leisten wie Jini. Auch die Gates-Company kann auf konkrete Resultate verweisen: Der Hersteller Axis Communications hat eigenen Angaben zufolge einen Print-Server, einen CD-Server und eine Web-Kamera entwickelt, in die Microsofts neue Technologie integriert ist. Wie man sich die vernetzte Zukunft vorstellt, demonstriert das "Microsoft Concept Home", das die Company der Öffentlichkeit im Rahmen der CES präsentierte (Details unter http://www.microsoft.com/presspass/press/2000/jan00/HomeDebutCES.asp).

An Microsofts Seite steht auch 3Com: In Kooperation haben die Unternehmen das Paket "Home Connect" entworfen, das Rechner und Peripheriegeräte wie Drucker über die Telefonleitung miteinander verbindet. Die Konfiguration soll die "Homeclick"-Software von Microsoft bedienungsfreundlicher machen. 3Com will in absehbarer Zeit Versionen nachreichen, die Funktechniken beziehungsweise Übertragungen via Stromkabel unterstützen.

Telefonkabel als Datenautobahn nutzen auch die Produkte beispielsweise von Intel, 3Com, Diamond Multimedia und Netgear. Diese Firmen verwenden inihren Lösungen die "Iline-10"-Chipsätze von Broadcom. OEM-Anbieter Diamond setzt sie etwa in Produkten wie "Home Free Phoneline" ein, die auch Windows NT 4.0 unterstützen. Die Nortel-Tochter Netgear hält seit November unter der Bezeichnung "Phoneline 10X" eine Produktfamilie feil, die in den USA für knapp 100 US-Dollar erhältlich ist.

Einen Home-PNA-2.0-kompatiblen Chipsatz, der die Kosten für Home Networking um 50 Prozent reduzieren soll, stellte Lucent Technologies im Dezember 1999 vor. Der "HW3130"-Chip integriert Verbindungen für Telefonnetze (10 Mbit/s), Modem (56 Kbit/s) und Ethernet (10/100 Mbit/s) und benötigt deshalb keinen digitalen Signalprozessor (DSP). Ferner bietet Lucent unter der Bezeichnung "HW3000" einen Chip an, der Kabel- und DSL-Modems sowie Settop-Boxen und andere Hausgeräte mit dem häuslichen Telefonnetz verbindet.

Während Telefonnetzwerke vor allem in den USA populär sind, suchen die Anwender in Deutschland nach anderen Lösungen. Als Alternativen kommen hierzulande vor allem Strom-, Funk- und Infrarotnetzwerke in Frage. Für die Yankee Group zeichnet sich ab Mitte 2000 ein Boom im Bereich der Funknetzwerke ab: Dann soll der Markt für drahtlose Kommunikation seine kritische Masse erreicht haben, und es sollen genügend Produkte serienreif sein.

Einen De-facto-Standard stellen in diesem Bereich etwa die Bluetooth-Lösungen dar. Nachdem zu den Gründungsunternehmen Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba im Dezember auch 3Com, Lucent, Microsoft und Motorola hinzukamen, ist die Bluetooth-Gruppe schlagkräftig geworden. Im Bereich Home Networking, der sich nicht nur auf reine PC-Netzwerke beschränkt, hat Bluetooth gute Karten, sich zu einem Standard zu entwickeln. Mittlerweile gibt es Handys sowie Computer- und Hi-Fi-Produkte, die Bluetooth-kompatibel sind. Der Hersteller Digianswer etwa hat Lösungen für PC-Cards entwickelt, die ab 1. März dieses Jahres an Hersteller von Laptops und anderen mobilen Computern ausgeliefert werden sollen, um diese für die drahtlose mobile Kommunikation tauglich zu machen.

Intel hat anlässlich der Bluetooth Designers Conference im Dezember Notebooks vorgestellt, die mittels der Bluetooth-Technologie Daten übermitteln können. Die Technik wird ab Mitte 2000 auf dem Markt zu haben sein, glaubt Intel-Director Frank Spindler.

Handy-Spezialist Ericsson hat seinerseits eine Reihe entsprechender Komponenten und Module entwickelt. Diese sollen bis 2002 in mehr als 100 Millionen Mobiltelefonen sowie in unzähligen Laptops, PDAs und anderen Geräten Verwendung finden. Vergangenen November stellten die Schweden bereits ein eigenes Bluetooth-Produkt vor: einen Kopfhörer, der via Bluetooth mit dem dazugehörigen Handy kommuniziert.

Als Konkurrenzverfahren zu Bluetooth sieht der deutsche Hersteller Dosch & Amand die Technologie Digital Enhanced Cordless Telephony (Dect), die sich längst als Standard für kabelfreie Telefone im Heimbereich durchgesetzt hat. Basierend darauf hat das Unternehmen die Erweiterung Dect Multimedia Access Profile (DMAP) entwickelt, die nun zur mobilen Übertragung von Multimedia- und Sprachdaten genutzt werden soll.

Konkrete Umsetzungen gibt es bereits. So hat der Hersteller Ascom mit "Voodoo" eine Lösung für mobile Heimvernetzung mit DMAP präsentiert, die seit Anfang des Jahres zum Preis von etwa 1000 Mark verfügbar ist. Das Paket enthält eine Dect-Basisstation, ein schnurloses ISDN-Telefon sowie eine PC-Card, um Laptops den kabellosen Internet-Zugang zu ermöglichen.

Der Anbieter Screendesign hat auf Basis von DMAP sein "Freepad" entwickelt. Damit erhalten Käufer ein etwa DIN A4 großes, tragbares Kommunikationsgerät, das zum Surfen im Internet und zum Telefonieren geeignet ist. Die Bedienung erfolgt direkt über den Touchscreen. Der norwegische Hersteller rechnet mit der Serienreife für Mitte dieses Jahres.

Funk-LANs verbinden Rechner

Modernere drahtlose LANs, etwa mit Apples Airport-Technologie, übermitteln Daten mit bis zu 11 Mbit/s. Lucent bietet diese Technik im PC-Bereich unter der Bezeichnung "Wave LAN" an. Allerdings beschränkt sich das Verfahren derzeit ausschließlich auf die Vernetzung von Computern. Dennoch zeichnet sich eine Trendwende ab: Neben Apple und Lucent wollen auch Nokia und 3Com den zugrunde liegenden IEEE-802.11b-Standard unterstützen.

Der Marktführer im Bereich der drahtlosen LANs, Proxim, konzentriert sich ebenfalls auf PC-Netzwerke und stellt unter der Bezeichnung "Range LAN 5" eine Lösung mit einer maximalen Bandbreite von 24 Mbit/s vor. Gegenüber dem IEEE-802.11b-Standard auf einer 2,4-Gigahertz-Basis nutzt Proxims Range LAN 5 den 5-Gigahertz-Frequenzbereich des europäischen Hiper LAN-Standards. Bis wann eine IEEE-Zertifizierung für 5-Gigahertz-Netze vorliegen wird, ist derzeit noch ebenso unklar wie deren weltweite Funktionsfähigkeit. Hiper LAN wurde dagegen vom European Telecommunication Standards Institute (ETSI) zertifiziert, und Proxim erwartet erste Produkte für diesen Standard noch in diesem Quartal.

Auch Hi-Fi und TV gehen ins Netz

Die Vision vernetzter Haushalte teilen auch die Elektronikhersteller. Unternehmen wie Sony, Grundig und Philips wollen Video-, TV- und Hi-Fi-Geräte miteinander verbinden. Ein Multimedia-TV-Gerät könnte etwa das Hausnetz nach Film- oder Musikdaten durchsuchen und sie abspielen. Mit einem Home Controller ließen sich zentral sämtliche TV-Geräte steuern. Ein Benutzer könnte so einen Videofilm im Wohnzimmer betrachten, das TV-Gerät ausschalten und fünf Minuten später im Schlafzimmer weiterschauen. Alle Videodaten würden vom Home Controller automatisch via Hausnetz ins Schlafzimmer übertragen. Derartige Home Networks stellen jedoch enorme Anforderungen an Datenverfügbarkeit und Bandbreite. Beim Übertragen von Multimedia-Daten reichen Bandbreiten von 10 Mbit/s nicht mehr aus.

Mack Araki, Director of Corporate Communictions bei Sony USA, erklärte gegenüber der Computerwoche, dass das Unternehmen derzeit eine vollständige Produktfamilie für den Bereich Home Networking entwickle. Er könne sich vorstellen, dass Sony in Zukunft sämtliche Geräte mit Netzanschluss anbieten wird. Grundlage der Architektur bilden das Sony-Protokoll HAVi und IEEE-1394. Die HAVi-Arbeitsgruppe (www.havi.org) wurde 1998 gegründet; ihr gehören mittlerweile Elektronikhersteller wie Grundig und Philips an. Sony und Apple haben gemeinsam den IEEE-1394-Standard kreiert, den die Unternehmen als "i.Link" oder "Firewire" bezeichnen. Firewire ist bis zu 400 Mbit/s schnell und ist inzwischen bei digitalen Kameras zum De-facto-Standard geworden. HAVi-Produkte lassen sich jedoch derzeit nicht mit Jini- oder UPnP-Geräten verbinden. Laut Araki will Sony HAVi kompatibel zu Jini und UPnP machen. Im November haben Sony und Sun dazu ein Abkommen unterzeichnet, das garantieren soll, dass sich etwa Netzwerk-Server mit Consumer-Geräten verbinden lassen. Damit ist es dann beispielsweise möglich, Elektronikgeräte über das Internet zu warten und Musik gesichert über das Internet zu übertragen. Erste Produkte sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

ANGEKLICKT

Bei der Ankündigung neuer Technologien präsentieren Hersteller wie Sun oder Microsoft ganze Batterien von intelligenten Geräten, die über ein Netz miteinander kommunizieren können. Dabei ist die Waschmaschine oder der Mikrowellenherd mit Internet-Anschluss recht werbewirksam - doch handelt es sich dabei meist nur um Prototypen aus den Labors der Industrie. Wer intensiv genug sucht, findet jedoch auch schon verfügbare Produkte für die intelligente Heimvernetzung.

*Andreas Weber ist freier Journalist in München.