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01.08.1986

Unkonventionelles Vorgehen an Schweizer Hochschule Iegt nahe:Deutsche Unis sollten PC-Shops andenken

KONSTANZ (lo) - Der Mikro-Einsatz bringt die Universitäten hierzulande in ein Dilemma. Zwar kann der Rechner die Arbeit von Forschern und Studenten optimieren, wenn dazu auch die nötige technische und personelle Infrastruktur vorhanden ist. Doch gerade hier hapert es bisher an gültigen Konzepten, stellt Wolfgang Finke vom Lehrstuhl für Informationswissenschaften an der Uni Konstanz fest.

Die Dichte der Kleinstrechner in der bundesdeutschen Lehr- und Forschungsszene sei sehr unterschiedlich. Vorreiter wären die Informatikdisziplinen, deren Beispiel bislang allerdings nicht genügend Schule mache. In der Gesamthochschule Paderborn etwa, wo Finke bisher im DV-Segment tätig war, arbeite man seit 1979 mit Rechnerzwergen. Für den Informationswissenschaftler steht deshalb aus Erfahrung fest: Kaum eine Disziplin, vor allem im naturwissenschaftlichen Sektor, wird um das elektronische Werkzeug herumkommen, will sie im Wissenschaftsbetrieb, etwa bei Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen, mithalten.

Finke empfiehlt, langjährig erprobte Konzepte aus den USA oder jüngste Modelle aus der Schweiz zu übernehmen. Dort böten Computershops Studenten zu günstigen Preisen Rechner an. Die Universität selbst stelle nur eine geringe Anzahl hochausgerüsteter Kleinstrechner für Tutorien und Arbeiten in der Forschung bereit. Zugleich schaffe sie aber eine leistungsfähige PC-Infrastruktur durch Vernetzungen und Serviceknoten.

Auch an den deutschen Hochschulen seien dafür endlich entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn die bisherige Praxis, Übungsräume mit - nicht selten unterschiedlichen - Rechnertypen vollzupropfen, wäre kaum der richtige Weg. Einerseits fehlen für Lehrkonzepte, Unterweisung und Wartung ausreichende personelle Kapazitäten. Zum anderen sieht der Wissenschaftler vor allem durch die Technikentwicklung das Problem der raschen Veralterung des Equipments. Eine Modernisierung des Gerätebestandes mindestens alle vier Jahre brächte allerdings erhebliche Kosten mit sich. Finke verweist dabei auf das Schicksal der kaum noch genutzten CP/M-80-Systeme, die weder über den nötigen Speicherplatz noch die erforderliche Peripherie verfügten. Aktuelle Softwaresysteme wie Textverarbeitung benötigten Jedoch eine umfangreichere Ausstattung.

Auch der Ausbau der zentralen Großrechenanlagen ist für Finke keine Alternative. Diese Systeme seien nicht vielseitig genug, um den unterschiedlichen Anforderungen aus den verschiedenen Wissenschaftsbereichen gerecht werden zu können.

Als Hemmschuh hierzulande für den Schritt nach vorn sieht Finke vor allem die "unflexible Universitätsbürokratie". Dabei hätten die deutschen Universitäten ein "Anwendungsbeispiel" vor der Nase. In der Schweiz bestünde nämlich bereits ein Modell, bei dem man mit PC-Händlern am Ort und internationalen Hard- und Softwareherstellern günstige Kaufbedingungen geschaffen habe. Im kommenden Wintersemester würden in Sankt Gallen die rund 800 Anfangssemester mit Mikros ausgerüstet sein, die über einen Uni-Laden verkauft werden.

Auch die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung ist für Finke durch eine Kooperation mit Händlern und Herstellern nicht in Frage gestellt: Denn es könne sich ja jeder Anbieter an diesem Vorhaben beteiligen.