Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.11.2000 - 

Interview

"Uns kann keiner das Wasser reichen"

Mit Thomas Metz, President und Chief Operating Officer von March First, Chikago, sprach CW-Redakteurin Riem Sarsam

CW: March First konnte mit seinem gerade vorgelegten Quartalsergebnis statt eines erwarteten Gewinns von 20 Cent je Aktie gerade mal einen Profit von einem Cent je Anteilschein ausweisen. Wie erklären Sie das entäuschende Ergebnis?

Metz: Wir waren auch erstaunt. Wir haben unsere Expansion in Asien nicht so vorantreiben können wie geplant. Ursprünglich dachten wir, das Geschäft noch in diesem Quartal zu Ende bringen zu können, doch das ist nicht gelungen - unglücklicherweise. Im Grunde war es ein schlechtes Timing. Es gab einige Außenstände, die sich nicht so schnell eintreiben ließen, und da uns bewusst war, dass der Markt die Firma abstrafen wird, beschlossen wir, sie im nächsten Quartal zu verbuchen. Aber wir haben mit unserem Ergebnis die Erwartungen der Analysten, was die Umsatzsteigerung betrifft, gerade mal um drei Prozent verfehlt. Das mag absolut gesehen viel Geld sein, macht aber nur einen sehr geringen Anteil aus.

CW: Dennoch wurde Ihr Unternehmen von den Finanzmärkten gedrückt, der Aktienkurs rutschte am Tag der Bekanntgabe um 50 Prozent in den Keller auf nunmehr rund vier Dollar, das sind 76 Dollar weniger als das Jahreshoch. Ist da die Gefahr einer feindlichen Übernahme nicht sehr groß?

Metz: Nun, alles ist möglich. Doch ich bin zuversichtlich, und verglichen mit unserer Konkurrrenz kann uns keiner das Wasser reichen. So sehr ich den Kurs gerne höher sehen möchte, es ist, wie es ist. Ich weiß, dass die Fundamente meiner Firma sehr stark sind, und ich glaube, der Markt wartet darauf, dass wir die vielen Akquisitionen noch innerhalb dieses Jahres integrieren. Weil das noch nicht ganz getan ist, liegt die Bewertung so niedrig. Aber wir sind fast fertig, was noch zu tun bleibt, sind Kleinigkeiten.

CW: Wo genau liegen die Kernkompetenzen von March First?

Metz: Für uns gehören Strategie, Technik und Marketing beziehungsweise Markenaufbau dazu. Ein Berater muss in der Lage sein, diese drei Hauptkategorien zu adressieren.

CW: Wie organisiert March First die unterschiedlichen Projekte, die sich mit den drei verschiedenen Kategorien Beratung, Technik und Marketing befassen, intern?

Metz: Unser Unternehmen setzt sich aus sehr unterschiedlichen, ursprünglich unabhängigen Unternehmen zusammen. Dabei organisieren wir uns um den Kunden herum, denn es geht darum, auf seine Bedürfnisse einzugehen. Deshalb haben wir uns nicht den formalen Fragen der Organisation wie Sitz und Standort gewidmet, sondern wir stellen die Teams je nach Kundenbedarf zusammen. Diese Teams bilden wir entweder aus lokal ansässigen Mitarbeitern oder bedienen uns der weltweit vorhandenen Ressourcen. Mit insgesamt 10000 Leuten ist so etwas durchaus machbar.

CW: Sie sagten, der Schwerpunkt des Geschäftes liegt in der Backend-Anbindung. Spiegelt sich dieser Anspruch auch in der Zusammensetzung Ihrer Mitarbeiter wider? Wie hoch ist der Anteil der Techniker in Ihrem Unternehmen?

Metz: Er liegt bei rund 60 Prozent, das heißt knapp 6000 Leute. Davon arbeiten rund 1000 Mitarbeiter im Frontend-, 5000 im Backend-Sektor. Im Unterschied zu vielen Beratern realisieren wir unsere Projekte auch. Das erweitert den Horizont unserer Mitarbeiter, und den Kunden können wir eine viel größere Spannweite anbieten als Consultants beispielsweise, die sich nur auf Strategie, Technik oder Markenberatung konzentrieren.

CW: Derzeit befindet sich nicht nur Ihr Unternehmen, sondern die gesamte Branche der Internet-Dienstleister in einer schwierigen Situation. Deuten die sinkenden Aktienkurse auf das Ende einer verfrüht in den Himmel gelobten Szene, oder sehen Sie einen Ausweg aus dieser Situation?

Metz: Bestimmt werden wir eine Konsolidierung am Markt beobachten, und einige Firmen werden den Bach hinuntergehen. Aber ich glaube an eine sehr wichtige Grundregel. Zum einen gilt es, als Unternehmen die kritische Masse zu erreichen. Des Weiteren sind Erfahrungen in den drei genannten Dimensionen strategische Beratung, Markenaufbau und Technik wichtig. Und die geografische Ausrichtung ist ebenfalls nötig, weil viele unsere Kunden international aufgestellt sind. Außerdem haben wir beschlossen, mit großen Unternehmen zusammenzuarbeiten und weniger mit Dotcom-Startups. Aus der Zusammenarbeit mit Großunternehmen ergeben sich langfristigere Beziehungen sowie mehr Gelegenheiten für Nachfolgeprojekte.