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16.10.1998 - 

Interview

"Unsere härteste Konkurrenz sind die Spreadsheets"

16.10.1998

CW: Geoffrey Moore hat in seinem Buch "Crossing the Chasm" die vier Entwicklungsphasen eines Marktes beschrieben. Befindet sich Supply-Chain-Management derzeit noch auf der Stufe der "Early Adopters" oder schon auf der des "Mainstreams"?

Sidhu: Zu einem Modell wie diesem gibt es immer Ausnahmen. Wenn Sie die Planung von Lieferketten betrachten, so haben die Unternehmen dafür in der Vergangenheit die MRP-II-Technik (Weiterentwicklung von Materials and Resource Planning = MRP, Anm. d. Red.) eingesetzt. Die deckte ihre Anforderungen aber nicht ab, und weil die Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware darauf nicht reagierten, begannen die Anwender, eigene Systeme zu entwickeln. Texas Instruments hat ein sehr ausgefeiltes internes System - ebenso einige Unternehmen der deutschen Automobilindustrie, namentlich BMW, so berichten meine Mitarbeiter. Der Markt ist also bereits ziemlich gut vorbereitet und deshalb nicht vergleichbar mit Märkten wie dem für Palmtop-Computer.

CW: Management-Produkte unterscheiden sich von der MRP-II-Technik, so Ihr Partner und i2-Mitbegründer Ken Sharma, durch ihren Fokus: Sie betrachten das Lieferketten-Management weniger aus der Sicht der Produktion als vielmehr aus der Sicht des Kunden. Das klingt so einleuchtend, daß ich mich frage ...

Sidhu: ...warum die Software-Industrie dafür so lange brauchte?

CW: Genau.

Sidhu: Ich verstehe, was Sie meinen. Als ich i2 vor zehn Jahren gründete, konnte ich kaum glauben, daß die Leute einfach nicht taten, was getan werden mußte. Einige der ERP-Unternehmen (ERP = Enterprise Resource Planning, vulgo: betriebswirtschaftliche Standardsoftware, Anm. d. Red.) sind mehr als 20 Jahre alt, und jetzt verkünden sie plötzlich, daß sie sich für die Verbesserung von Lieferketten interessieren. Am liebsten würde ich sie fragen: Wo seid ihr eigentlich all die Jahre gewesen?

CW: Können Sie sich vorstellen, wie die Antwort auf diese Frage lautet?

Sidhu: Viele dieser Unternehmen werden von Technologen geführt, die einfach nicht nahe genug an den Problemen ihrer Kunden sind. Wenn Sie vor drei Jahren die Präsentation eines ERP-Anbieters verfolgt haben, dann ging es da um die Frage, ob die Client-Server-Architektur zwei- oder vierstufig sein soll. Für den Vice-President of Operations in einem Kundenunternehmen macht das keinen Unterschied. Wir nutzen objektorientierte Technik und die Prinzipien der künstlichen Intelligenz in unserer Software, aber wir reden nicht darüber. Statt dessen versprechen wir unseren Kunden: Wir helfen euch, eure Service-Levels von 77 auf 99 Prozent zu verbessern.

CW: Es ist doch eigenartig, daß die Kunden selbst nicht eher danach verlangt haben.

Sidhu: Die Kunden kaufen, was sie bekommen können, und den Rest machen sie selbst. Wir fanden bei einigen Anwendern unglaublich ausgefeilte Systeme auf der Basis von Tabellenkalkulationen. Auch wenn diese Systeme der zunehmenden Komplexität kaum mehr gewachsen sind - die Spreadsheet-Anbieter sind unsere härtesten Mitbewerber, nicht die Hersteller von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware.

CW: Ihre Produkte helfen den Kunden unter anderem, ihre Läger zu verkleinern. Das klingt gut, birgt aber eine Gefahr: Je weniger Lagerbestand, desto erpreßbarer der Hersteller. In Deutschland konnte der Automobilhersteller Ford zwei seiner Modelle tagelang nicht ausliefern, weil die Türschlösser nicht geliefert wurden. Von der Möglichkeit eines Streiks ganz zu schweigen!

Sidhu: Uns geht es darum, das Verhältnis von Umsatz und eingesetztem Kapital zu optimieren. Wenn ein Hersteller vier Wochen benötigt, um einen erhöhten Kundenbedarf festzustellen und diese Information an seine Zulieferer weiterzugeben, brauchen alle Beteiligten viel größere Lagerbestände, als wenn die Reaktionszeit nur ein paar Stunden beträgt.

CW: In Ordnung, aber wir sind uns doch darin einig, daß die Hersteller immer noch eine gewisse Abfederung benötigen.

Sidhu: Ja, einige Lagerbestände sind notwendig. Beispielsweise brauchen die Hersteller "Stoßdämpfer" für Produkte, von denen die Kunden erwarten, daß sie bei Anruf lieferbar sind. Was wir streichen wollen, ist lediglich die unnötige Lagerkapazität.