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24.02.1978

"Unsere Mitglieder wissen, was wir über sie speichern"

Dieter Langer, Datenschutzbeauftragter des ADAC, sprach CW-Redakteur Elmar Elmauer.

- Herr Langer, Sie sind der Datenschutzbeauftragte des ADAC. Welche Qualifikationen waren maßgeblich, daß Sie DSB des größten deutschen Vereins werden konnten?

Innerhalb des ADAC habe ich als EDV-Organisator einige wichtige Projekte durchgeführt und herbei etwas Einblick in die ADAC-Geschicke und die Arbeitsweise des Clubs bekommen. Das waren vor allem Projekte, die sich mit der Pflege der Mitgliedschaft befassen, was im ADAC eine hohen Stellenwert hat. Zudem habe ich von der EDV -Organisation her einige ausschlaggebende Erfahrungen mitgebracht.

- Wo haben Sie eigentlich Ihr spezifisches Datenschutzwissen erworben?

Anfang des Jahres 1977 habe ich auf Wunsch meines Vorgesetzten ein Seminar, in Frankfurt besucht in dem innerhalb von fünf Tagen die Datenschutzgrundrisse dargelegt wurden. Ich sollte das machen, um den Vorgesetzten in unserem Arbeitskreis Datenschutz zu unterstützen, den wir damals im ADAC schon eingesetzt hatten.

- Was bezweckte der Arbeitskreis?

Eine seiner Aufgaben war es, eben das Aufforderungsprofil für einen Datenschutz-beauftragten zu bestimmen.

-Also innerhalb dieses Arbeitskreises war noch nicht sicher, wer es werden würde. Ist denn auch beim ADAC angeklungen, der Job des Datenschutzbeauftragten biete für einen qualifizierten Mann ein neues Einsatzgebiet.

Man kann es viellecht to sagen . . ., ich weiß das aber nicht.

- ... doch nun sind Sie immerhin Fulltime-DSB?

Ja, und zwar auch für sämtliche Töchter des ADAC und seiner 17 Gaue.

Wieviel Tochtergesellschaften?

Also von denen, für die man wirklich was tun muß, sind es vier: Das sind die Reise, der Verlag, der Rechtschutz und die Versicherung. Dafür-und natürlich für den Club-bin ich zunächst einmal hauptsächlich Datenschutzbeauftragter. Aber meine zweite Aufgabe, die EDV-Organisation, werde ich nicht ganz lassen. Wenn die DSB-Anlaufphase vorbei ist, werde ich ganz bestimmt wieder stärker in der EDV-Organisation und da wahrscheinlich in der Beratung für unsere Gaue tatig werden.

- Hat denn eigentlich das, was Sie auf diesen fünftägigen Seminar eingetrichtert bekamen, übereingestimmt mit dem, was Sie nun als Datenschutzbeauftragter praktisch vorfinden?

Es war ein guter Anfang, aber zunächst auch nicht mehr. Für mich war es eigentlich eine Einstimmung in diesem ganzen Prozeß. Die Hauptkenntnisse über den Datenschutz sind dann durch viel Literaturstudium und durch Gespräche mit unseren Juristen gekommen. Außerdem habe ich im Laufe des zweiten Halbjahres, nachdem ich Datenschutzbeauftragter geworden bin, noch einmal ein Seminar bei IBM besucht.

-Sind denn die Hausjuristen des ADAC so besonders DSB-minded, daß die mit Ihnen solche Gespräche führen können?

Auch Juristen haben dieses Seminar besucht und Vorträge mit angehört, so daß diese sich das Wissen um das BDSG aneignen konnten.

- Nun hat der Aufstieg zum DSB ja noch einen weiteren Vorteil: Der DSB ist in der Anwendung der Fachkunde nicht weisungsgebunden. Haben Sie hier beim ADAC alle Freiheiten?

Ich habe hier die nötige freie Hand. Natürlich muß ich mich in allen Aktionen mit dem Generalsekretariat abstimmen. Im ADAC, einem Verein, ist der Datenschutzbeauftragte dem Präsidium unterstellt. Das Präsidium hat zur Leitung der Verwaltung diesen General -sekretär bestellt, und ihm gegenüber bin ich in der Praxis verantwortlich. Und ich muß sagen, daß ich hier keinerlei Restriktionen von oben bekommen habe.

- Mit welchen Aktionen, wie oft und wie schwerwiegend sind Sie als DSB schon tätig geworden?

Nun, ich habe die Tätigkeiten durchgeführt, die bis zum 1. Januar 1978 notwendig waren, wie z. B. die Dateierhebung, notwendige Schulung, Mitarbeiterverpflichtung usw. - Wie viele Dateien haben Sie erfaßt?

Zirka 7O Dateien, die voll dem BDSG unterliegen und zirka 60 Dateien, die dem Paragraph 6 unterliegen. Diese Zahlen betreffen nur die ADAC-Zentrale; in etwa die gleiche Menge ist noch mal in den 17 Gauen angefallen, weil natürlich dort jeweils die gleichen Dateien anfallen.

- Wie vielen Daten verarbeitet der ADAC oder die ADAC-EDV-Abteilung eigentlich pro Jahr?

Unsere größte Sammlung ist die Mitgliederdatei mit rund 6 Millionen Stammsätzen, die im Dialogverkehr über Bildschirm verändert werden. Daneben führen wir Dateien für Reisebuchungen, Warenverkauf, Personal etc. Insgesamt haben wir täglich ca. 2,4 Mrd. Bytes im Zugrff, z. T. über das Datenbanksystem ADABAS.

- Wie ist es eigentlich mit den persönlichen Daten der Mitglieder? Wie viele personenbezogene Daten, die nicht zum Begriff der freien Daten zählen, erfassen Sie pro Mitglied?

Berufsbezeichnungen und Telefonnummern speichern wir nicht ab. Zu den gespeicherten personenbezogenen Daten - es ist schwer zu sagen auf die Schnelle - gehören etwa 30 Begriffe bzw. Schlüssel, die wir zu internen Verwaltungszwecken brauchen. Beispielsweise wann wer bezahlt hat, ob er die Rechnung, ob er eine Mitgliedskarte erhalten hat und ähnliche Schlüssel, ansonsten eben die Angaben zu seiner Person, wie Anschrift, Geburtsdatum, zu welchem Gau er gehört usw.

- Nun entsteht über jedes ADAC-Mitglied ein sehr dichtes und sehr genaues Datenbild: Da ware es doch denkbar, daß irgend jemand aus der Industrie zum ADAC kommt und sagt, ich möchte das Bild des beim ADAC erfaßten Autofahrers. Und da bekäme er ja wohl fast 60 Prozent der bundesdeutschen Autofahrer, vielleicht sogar einschließlich der Fahrzeugtypen.

Nein, das stimmt nicht. Letzteres ist nicht gespeichert, auch nicht Kfz -Typ oder ob Zweitfahrzeuge vorhanden sind. Zur Weitergabe von Daten kann ich nur sagen: Es gibt dazu seit Mai 1962, also 16 Jahre vor Inkrafttreten des BDSG einen Verwaltungsratbeschluß, nach dem der ADAC keine Daten nach außen gibt-weder von Mitgliedern noch irgendwelche Motorboot-oder Sportfahrerdaten und dergleichen.

- Und wie steht es um den Datenverkehr mit den Tochtergesellschaften? Die Adressen werden nur den Tochtergesellschaften, vor aIlen Dingen dem Verlag, zur Verfügung gestellt, damit er den Mitgliedern qualifizierte Angebote machen kann, was auch im Sinne unserer Satzung ist. Hierbei werden unter Umständen im Auftrag des ADAC -Verlages andere Institutionen eingeschaltet die das durchführen. So entsteht vieileicht der falsche Eindruck, als würden wir die Adressen nach draußen geben.

- Nun kann die Information über neue Straßenatlanten dem Vereinszweck durchaus durchaus dienlich sein. Wie aber sieht das aus mit der Weitergabe von Adressen, beispielsweise an das ADAC-Reisebüro? Wenn ich dem ADAC beitrete, ist es zunächst nicht unbedingt meine Absicht, eine ADAC-Reise zu buchen. Wie regeln Sie das? Wie sehen Sie hier die Rechtsstellung der Tochter?

Wir haben in den letzten Jahren keine direkten Bewerbungen von Mitgliedern gemacht. Man muß auch wissen, daß die ADAC-Reise-GmbH nicht nur den Mitgliedern die Reise vermittelt, sondern auch Nichtmitgliedern.

- Würden Sie als DSB Ihr Veto einlegen, wenn es zu einer solchen Werbeaktion käme?

Auch hier muß ich auf unsere Satzung hinweisen: Wir haben uns u.a.Förderung des Tourismus zum Ziel gesetzt. Und ich halte es für durchaus legal, wenn wir hier Mitglieder -Adressen auch unserer ADAS-Reise-GmbH zur Verfügung stellen, darmit unsere Mitglieder mit qualitativ guten Angeboten beworben werden.

-Nach dem Vereinsrecht ist jedes Mitglied berechtigt, von seinem Verein die Mit-gliederliste zur Einsicht zu verlangen. Wie können Sie sich dagegen verwahren, daß nur ein Mitglied die Mitgliederliste fordert und für sich ausnützt?

Dies ist mir neu und nach meiner Kenntnis nicht möglich, zumal dies dem BDSG zuwider laufen würde. Ich glaube auch, daß das ein bißchen an der Praxis vorbeiginge, wenn wir jedem Mitglied auf Antrag 5,3 Millionen Adressen zur Verfügung stellen würden.

-Nun könnte ein Unternehmen als Mitglied über genügend Ressourcen verfügen, um diese 5,3 Millionen Adressen nach seinem Gusto auszuwerten?

Ich glaube, wir belassen es bei der Tatsache, daß wir kein Adressenmaterial außer Haus geben.

- Diese Abstinenz erscheint mir für den sonst so geschäftstüchtigen ADAC un -ökonomisch. Das BDSG gibt Ihnen ja immerhin die Möglichkeit, Daten zu anonymisieren.

Hier muß man sehen, daß natürlich bei uns jedes Daturm, was wir jetzt zusätzlich speichern, bei den Millionen Mitgliedern sehr viel Platz in Anspruch nimmt und wir hier vielleicht Aufwand betreiben, der u. U. in Teilbereichen übertrieben wäre.

-Haben Sie denn nach außen gegenüber Ihren Mitgliedern schon irgendwelche Maßnahmen ergriffen? Mußten Sie irgendwelche Formulare verändern?

Nein. Wir sind der Meinung, daß die aufgrund der Anträge unserer Mitgliedern gespeicherten Daten aus einem Vertragsverhältnis stammen. Nach gängiger Auffassung haben hier die Mitglieder beziehungsweise.die Betroffenen "auf andere Art und Weise Kenntnis bekommen".

-Haben Mitglieder angefragt?

Also da muß ich ganz überrascht feststellen: Bis jetzt haben wir praktisch null Anfragen. Ich nehme an, das dies damit zu tun hat, daß unsere Mitglieder auch Vertrauen zum ADAC haben und ziemlich genau wissen, was über sie gespeichert ist.

- Wenn eine Anfrage käme, wieviel würde deren Beantwortung kosten?

Wir haben beschlossen, daß der ADAC nichts verlangt. Wenn natürlich eine Flut von Anträgen auf uns zukäme, könnte ich mir durchaus vorstellen, daß wir dann einen Unkostenbeitrag erheben müßten.

AU: