Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.07.1999 - 

HP-Openview und die Zukunft

"Unsere Stärken liegen in der Unix- und NT-Verwaltung"

Mit Olivier Helleboid, General Manager der Openview Software Business Division von Hewlett-Packard (HP), sprach Joachim Hackmann, über System-Management.

CW: Der System-Management-Markt wurde in den letzten Monaten durch große Akquisitionen erschüttert. HP hat sich daran nicht beteiligt. Warum?

Helleboid: Unsere strategischen Akquisitionen liegen schon eine Weile zurück. Wir kauften in der Vergangenheit vor allem Know-how ein, um den Schwenk vom Netz- zum System- und später zum Service-Management zu vollziehen. Diese Entwicklung ist abgeschlossen. Nun haben wir eine neue Ebene des Managements erreicht, die die IT als eine Sammlung von Diensten definiert.

CW: Der Markt versteht Ihre Strategie offenbar nicht. Als BMC kürzlich Boole & Babbage übernahm, jubelten die Analysten, neben Computer Associates und Tivoli entstehe nun ein dritter ernstzunehmender System-Management-Anbieter. HP spielt offenbar nur eine Nebenrolle.

Helleboid: Ich weiß nicht, wer diese Einschätzung geäußert hat und worauf sie beruht. Die Gartner Group spricht in ihren Analysen von drei großen Anbietern: CA, Tivoli und HP. BMC macht sich jetzt erst auf, in diese Gruppe vorzustoßen.

CW: Gängige Marktzahlen stützen die Einschätzung der Gartner Group. Dennoch wird HP in der Öffentlichkeit nicht als gewichtiger Player im System-Management-Markt wahrgenommen. Woran liegt das?

Helleboid: Die Openview-Division ist ja nur ein kleiner Teil des großen HP-Konzerns. Wir verlieren uns manchmal in diesem riesigen Gebilde. HP steht in der Öffentlichkeit nicht so sehr für Software...

CW: ...sondern für Drucker, Unix-Server und Meßgeräte.

Helleboid: Wir müssen die Werbung verstärken und Openview als Markennamen etablieren.

CW: Vielleicht liegt es aber auch am Produkt. Dadurch, daß sie kein Management-Werkzeug für Mainframes haben, ist Ihre Lösung für Großunternehmen doch uninteressant.

Helleboid: Das stimmt so nicht. Auch in Deutschland nutzen Großunternehmen wie Porsche Openview. Weltweit setzen sechzig Prozent der Fortune-500-Unternehmen unser Produkt ein.

CW: Kann das sein?

Helleboid: Ja, sechzig Prozent. In diesen Unternehmen läuft natürlich nicht ausschließlich Openview. Unsere Stärken liegen in der Unix- und NT-Verwaltung. Im Großrechnerumfeld sind Management-Tools dagegen schon weitgehend etabliert. Diese Werkzeuge gilt es in das Client-Server-Management einzubinden.

CW: Das macht man überlicherweise mit Frameworks. Warum meidet HP diesen Terminus konsequent?

Helleboid: Openview ist eine Enterprise-Management-Lösung. Framework-Lösungen sind zeitaufwendiger in der Umsetzung, unflexibel und teuer. Die Alternative ist, Management-Probleme im Unternehmen zu isolieren, sie mit speziellen Lösungen zu beheben und später die Verwaltung Schritt für Schritt auszuweiten.

CW: Auf der anderen Seite haben Frameworks unbestritten einige Vorteile, weil sie mit einheitlichen Daten, Zugriffs- und Verwaltungsregeln arbeiten.

Helleboid: Diese Funktionen lassen sich auch ohne Framework umsetzen.

Natürlich ist Integration sehr wichtig - allerdings von einer übergeordneten Sicht aus. Wenn Sie etwa sehr große weltweite SAP-Installationen verwalten wollen, müssen beispielsweise Großrechner, Unix- und NT-Systeme, Netzwerke, Oracle-Datenbanken und natürlich die SAP-Standardsoftware unter einen Hut gebracht werden. Die Zusammenführung auf Service-Ebene - im genannten Beispiel ein SAP-Dienst - bringt den Mehrwert; nicht die technische Integration.

CW: Die Konkurrenz hat in technischer Hinsicht zugelegt. Sie beschäftigt sich mit 3D-Darstellungen, künstlicher Intelligenz und Agententechnik. Was macht HP?

Helleboid: Wir haben Agenten, vermarkten sie aber nicht so stark wie andere Anbieter. Unsere Technik beherrscht die Event-Korrelation in verteilten Systemen, und beansprucht wenig Speicher sowie CPU-Ressourcen auf dem Client.Eine andere Sache, mit der wir uns schon seit einiger Zeit befassen, ist das Messen von Antwortzeiten, und zwar aus Sicht des Anwenders und ohne Eingriff in die Applikation. Eine ganz besondere Herausforderung stellt sich in diesem Bereich durch das Internet. Dort muß gemessen werden, ohne daß man den Client kontrollieren, konfigurieren oder mit Agenten bestücken kann.

CW: Eine völlig neue Rolle könnten die System-Management-Werkzeuge einnehmen, indem sie mit Hilfe von Agenten Non-IT-Devices verwalten. Glauben Sie an den Erfolg solcher Vorhaben?

Helleboid: Das ist ein großer, wenn auch kein wirklich neuer Markt. Ansätze gibt es etwa mit der Verwaltung von Geldautomaten. Grundsätzlich ist es möglich, alles, was mit Chip und Software arbeitet, in das Management einzubinden. Das gilt mittlerweile für viele Massenartikel und sogar für Smartcards. Damit tun sich aber ganz neue Probleme auf, denn die Agenten liefern Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Es muß noch eine Menge Arbeit geleistet werden, um die Privatsphäre zu schützen und Informationen nicht jedermann zugänglich zu machen.

CW: Ein anderer Trend ist der E-Commerce. Welche Herausforderungen stellen sich dem System-Management in diesem Umfeld?

Helleboid: Eine wichtige Aufgabe ist es, die Umgebung zu kontrollieren und die Verfügbarkeit zu sichern, und zwar über die gesamte Installation hinweg. Das ist viel wichtiger als in traditionellen Umgebungen, denn die Unternehmen öffnen mit E-Commerce der ganzen Welt ihr Datenzentrum. Ein langsames oder ausgefallenes System bekommt der Kunde unmittelbar zu spüren. Daher sind Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit in diesem Umfeld immens wichtig.

CW: Das sind aber doch klassische System-Management-Aufgaben, nur in verschärfter Form. Ist das alles, was beim E-Commerce an Verwaltung anfällt?

Helleboid: Nein, kaum minder wichtig ist es, das Kundenverhalten zu erforschen. Bislang war das IT-Management sehr darauf aus, technisches Equipment also Server, Systeme, Software, zu verwalten. E-Commerce fordert neue Ansätze, um Messungen über das Anwenderverhalten zu liefern: Wie lange braucht ein Kunde, bis er eine Bestellung aufgibt? Wie klickt er sich durch das Angebot? Was und wieviel kauft er? Das sind Informationen, die das Kerngeschäft betreffen. Hier sind neue Verfahren für das Reporting und die Ergebnis-Präsentation gefragt.

Hinzu kommt, die schnelle Umsetzung von Web-basierten Verkaufswegen zu unterstützen. Bei E-Commerce-Vorhaben müssen unterschiedliche Unternehmensbereiche und Niederlassungen neue Vertriebswege etablieren. Die Integration der E-Commerce-Lösung in die Unternehmensstruktur kommt häufig zu kurz. Meistens wird nach dem Motto verfahren: erst einmal umsetzen und später integrieren.

CW: Was ist dabei die Aufgabe des System-Managements?

Helleboid: Wenn das Management bereits in E-Commerce-Equipment eingebaut ist, fällt die Einbindung leichter. Mit dem Erwerb einer Web-Applikation ließe sich beispielsweise ein Tool ausliefern, das Antwortzeiten mißt.

CW: Gibt es außer E-Commerce weitere Felder, in denen die IT-Verwaltung künftig eine wichtige Rolle spielt?

Helleboid: Im Bereich der Business-to-Business-Kommunikation ist noch viel zu erledigen. Das ist ein heikles Umfeld und wird vor allem die System-Management-Anbieter beschäftigen, weil dort sehr kritische Verbindungen unterhalten werden. In diesem Umfeld spielt die Sicherheit eine herausragende Rolle.

Großen Bedarf wird es zudem an Speicher-Management-Lösungen geben. Die Datenhaltung ist durch das Internet explodiert. Die Informationen müssen verwaltet werden und jederzeit zur Verfügung stehen. Das ist auch für uns eine neue Herausforderung.

CW: Die Arbeit geht Ihnen also nicht aus.

Helleboid: Das ist das Gute daran, wenn man im Management-Bereich aktiv ist. Manchmal hat es den Anschein, daß sich IT-Installationen durch die Weiterentwicklung vereinfachen und kein Management mehr benötigen - das ist mein Alptraum. Die IT-Industrie beruhigt mich dann aber wieder, weil sie ständig mit etwas Neuem aufwartet.

Wir registrieren aber durchaus eine Verschiebung unserer Aufgaben. In der Vergangenheit haben wir viel Arbeit investiert, um Windows NT, Router oder andere Komponenten mit Agenten auszustatten. Das erübrigt sich, weil in den meisten Systemen bereits Agenten eingebaut sind.

CW: Die sind aber immer noch recht unterschiedlich. Im Netzwerk-Management haben sich schon seit langem Standards durchgesetzt. Warum gibt es so etwas nicht beim System-Management?

Helleboid: Das kommt, und zwar mit dem Common Information Model (CIM). Der Grund für die Komplexität im System- Management ist das Fehlen einer einheitlichen Basis. Um unterschiedliche Management-Daten aus Applikationen, Betriebssystemen und Datenbanken zu konvertieren dauert lange. Ein Standard würde Abhilfe schaffen, und CIM hat einen breiten Rückhalt der Industrie.

CW: CIM wird allerdings immer nachgesagt, für Windows-Umgebungen optimiert zu sein.

Helleboid: Microsoft ist eine der treibenden Kräfte und wird CIM in Windows integrieren. Das muß aber nicht schlecht sein, denn so etabliert sich ein funktionierendes Verfahren. Das Problem der offziellen Standardisierunsgremien ist, daß deren Vorschläge von vielen Herstellern torpediert werden und in der Praxis keine Bedeutung erlangen.