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Geplantes IBM-LAN hinkt bereits heutigen Standards hinterher:


05.02.1988 - 

Unsichere Zukunft für neuen Token-Ring

LOS ALTOS/MÜNCHEN (ab) - Als die IBM im Herbst 1985 Ihren Token-Ring mit vier Megabit pro Sekunde vorstellte, versprach sie, eine 16-Megabit/s-Version nachzuschreiben. Bis heute hat dieses schnellere System auf sich warten lassen, und Branchenbeobachter sehen darin längst keine Alternative mehr zu anderen Hochgeschwindigkeits-Medien.

Bis November vergangenen Jahres hatte Big Blue das Stillschweigen um das optimierte Übertragungskonzept gewahrt. Dann erklärte Ellen Hancock, President der IBM-Sparte Communication Product Division, der 16Megabit/s-Token-Ring werde binnen zwei Jahren Auslieferungsreife erlangen. Eignen soll sich das System zum einen als Backbone-Netz, an das dann herkömmliche Token-Ring-LANs mit vier Megabit pro Sekunde angekoppelt werden können; zum anderen ließe sich das leistungsfähigere Netz für Channel-to-Channel-Verbindungen zwischen Mainframes oder bei Großanwendern installieren, deren Anwendungen schnellen Datendurchsatz voraussetzen.

Könnte Big Blue den Einsatz des bis dato noch nicht näher definierten Übertragungssystems tatsächlich in diesen drei Sektoren realisieren, so wäre der 16-Megabit/s-Ring jedenfalls keine Nachfolgeversion des etablierten IBM-Produkts. Von den klassischen LAN-Funktionen abweichend, übernähme das stärkere Modell eher die Aufgaben eines Wide-Area-Network (WAN).

Doch gerade als System für schnelle und weite Informationsübertragung ist der "neue" Token-Ring heftiger Kritik ausgesetzt. Insbesondere als Backbone dürfte das IBM-Netz einem Glasfasersystem kaum standhalten. Kommentiert Professor Gerhard Krüger vom Institut für Informatik an der Universität Karlsruhe: "Große Institutionen und Unternehmen werden sich mit Sicherheit in den FDDI- oder Breitband-Nebenstellentechnik-Bereich entwickeln." Der Glasfaserstandard FDDI (Fiber Distributed Data Interface) definiert eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde.

Um mit am Markt bereits vertretenen Glasfaser-Anbietern wie Proteon und Fibercom gleichzuziehen, engagiert sich auch IBM mit Produkten auf Basis von Lichtwellenleitern. So spezifizierte der Multi die Glasfaser als Cabling System Type 9 - allerdings lediglich für den 4-Megabit/s-Token-Ring. Beim Network mit 16 Megabit pro Sekunde wird Big Blue wieder auf geschützte Zweidraht-Leitungen setzen.

Daß sich IBM mit dieser Entscheidung den Weg in die Hochgeschwindigkeitsübertragung selber verbaut, liegt für amerikanische Telekom-Experten nahe. Und Gerhard Krüger, der Karlsruher Informatik-Professor, meint: "Für Anwender, die jetzt mit 1200 Bit pro Sekunde arbeiten, sind Übertragungsraten von 10 bis 20 Megabit pro Sekunde ein echter Fortschritt." Die deutsche Dependance der IBM mochte sich bis Redaktionsschluß nicht zum Entwicklungsstand des 16-Megabit/s-Vernetzungskonzeptes äußem.