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05.09.1980 - 

Entscheidungskriterien für eine Dialogverarbeitung in PPS-Systemen

Unsicherheit und Funktionserfüllung gewichten

Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil von kleinen und mittleren Unternehmungen liegt in einer höheren Flexibilität bei der Auftragsabwicklung gegenüber Großunternehmungen. Dieser Vorteil verringert sich drastisch, wenn Großunternehmungen zur Planung und Steuerung betrieblicher Prozesse dialogorientierte Systeme statt Systeme mit Stapelverarbeitung einsetzen.

Ein höherer Zielerreichungsgrad bei der Funktionserfüllung durch Dialogiesierung wird durch

- ein verändertes Zeitverhalten der Systeme,

- die Berücksichtigung von Interdependenzen und

- die Möglichkeit zur Befriedigung der Informationsnachfrage für zielgerichtetes Handeln möglich.

Unter einer dialogorientierten Planung und Steuerung betrieblicher Prozesse wird eine Arbeitsteilung und unmittelbare Kommunikation zwischen Menschen und EDV-Anlagen verstanden.

Führt der Mensch den Prozeß und delegiert Aufgaben (z.B. Berechnungen und Datensammlung) an die DV-Anlage, spricht man von einem "Herrensystem", führt dagegen die DV-Anlage den Prozeß und konsultiert den Menschen wenn z.B. Ausnahmesituationen und nicht programmierte Fälle eintreten oder menschliches Erfahrungswissen erforderlich wird, dann spricht man von einem "Sklavensystem".

Die Arbeitsteilung erfolgt in unmittelbarer Kommunikation zwischen Menschen und DV-Anlage, das heißt zur Planung und Steuerung betrieblicher Prozesse können jederzeit Auskünfte eingeholt werden, Daten eingegeben und verändert bzw. neue Prozesse eingeleitet werden. Dies setzt eine Online-Verbindung zwischen Mensch und Maschine sowie eine Echtzeitverarbeitung der Informationen voraus.

Bei der Gestaltung eines solchen Systems ergibt sich die Aufgabe, die Arbeitsteilung so zu gestalten, daß jeder Partner bei der Dialogisierung die Aufgaben übernimmt, für die er relativ besser geeignet ist und die er wirtschaftlicher ausführen kann. Die Beurteilung der besseren Eignung der Partner muß bei der Analyse der Entscheidungen zur Planung und Steuerung betrieblicher Prozesse ansetzen.

Generell ist dazu im Vergleich der menschlichen Fähigkeiten (z.B. zum kreativen Denken, Assoziationen herzustellen und die Tragweite und Interdependenz von Entscheidungen abzuschätzen) mit den Fähigkeiten des Computers (z.B. Daten fehlerfrei zu verarbeiten, Auskünfte bereitzustellen und Vergleichs- und Simulationsrechnungen auszuführen) erforderlich.

Bezogen auf die Planung und Steuerung betrieblicher Prozesse hat der Konstrukteur, Arbeitsvorbereiter, Fertigungssteuerer und Materialdisponent verstärkt sein Fachwissen und Improvisationsvermögen einzubringen. Die EDV dagegen stellt die Informationen für Entscheidungen zur Verfügung und zeigt die Auswirkungen der Entscheidungen auf.

Die Wirtschaftlichkeit der Aufgabenverteilung ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Kosten-und Nutzengrößen. Die Basis hierfür liefert eine Analyse der alternativen EDV-technischen Lösungsmöglichkeiten der Dialogisierung. Nur die zweistufige - entscheidungsorientierte und wirtschaftliche Analyse betrieblicher Planungs- und Steuerungsprozesse kann zur Klärung der Bedingungen führen, die Dialogisierung als eine für die betriebliche Zielerreichung zweckmäßige Verarbeitungsalternative von

Informationen anzusehen.

Planungs- und Steuerungsfunktionen

Zur Erreichung eines wirtschaftlichen Produktionsvollzuges ist eine Ordnung in den zeitlichen und mengenmäßigen Ablauf der Produktion zu bringen. Hierzu sind Planungs- und Steuerungsfunktionen durchzuführen. Die Funktionen lassen sich unabhängig von Unternehmungsstrukturen, organisatorischen Aufgabenverteilungen und den eingesetzten Systemen zu repräsentativen vier Funktionsgruppen zusammenfassen:

- Mengenplanung,

- Terminplanung,

- Auftragssteuerung und

- Datenverwaltung.

Zur Ermittlung der Zweckmäßigkeit einer dialogunterstützten Entscheidungsfindung in den aufgeführten Funktionen ist eine Abschätzung der Zielwirkungen der Entscheidungen erforderlich. Bei dieser Wirkungsanalyse sind die betrieblichen und benutzerorientierten Einflußgrößen, die bei der Funktionserfüllung von Bedeutung sind, einzubeziehen.

Einflußgrößen

Unter dem Gesichtspunkt der erforderlichen Eingriffe in den Planungs- und Steuerungsprozeß zur Lösung des zeitlichen, räumlichen und mengenmäßigen Zuordnungsproblems sind im wesentlichen fünf Einflußgrößen für die Dialogisierung betrieblicher Planungs- und Steuerungsfunktionen von Bedeutung: (vgl. Ellinger/Wildemann 1978)

- Unsicherheit der Planungsdaten,

- Interdependenzen Produkt- und Produktionsbeziehungen,

- interne und externe Störgrößen,

- der Informationsbedarf der Entscheidungsträger für zielgerichtetes und zeitpunktgerechtes Handeln und

- die Bedeutung der Funktionserfüllung für die Erreichung der Unternehmensziele.

Aus diesen Einflußgrößen lassen sich die entscheidungsorientierten Ursachen für eine Dialogisierung der Funktion ableiten. (vgl. hierzu auch die Vorschläge von Mertens/Kress 1968, Brengler/Nührich/Schmidt l974, Heß-Kinser/Nagel l977,Wedekind 1979, Scheer 1980).

Entscheidungsorientierte Ursachen für eine Dialogisierung

1. Die Unsicherheit der Planungsdaten bewirkt einen exogenen Abbau der Planungsgenauigkeit. Je unsicherer die Datenbasis um so häufiger muß eine Neuplanung erfolgen. Der Genauigkeitsgrad kann also durch eine variable Anpassung des Planungszykluses an die Datenunsicherheit gesteigert werden. Die geförderte "Aktualität der Planungsdaten" in den einzelnen Funktionen ist somit eine wesentliche Voraussetzung zu Entscheidung der Unternehmensziele.

2. Die Interdependenzen der Produkt- und Produktionsbeziehungen und der daraus resultierende Informationsbedarf der Entscheidungsträger macht einen "direkten Zugriff auf mehrere Informationsquellen" (beim Menschen und der EDV) sowie deren Verknüpfung durch den Menschen erforderlich.

3. Das Fehlen eines geschlossenen Algorithmus zur Lösung der zeitlichen-, mengen und räumlichen Zuordnungsprobleme erfordert eine "interaktive Abwandlung einer zulässigen Ausgangslösung".

4. Die zeitlich kurzfristige Bereitstellung und Verknüpfung von Daten für ein zielgerichtetes Handeln macht einen "interaktiven Verfahrensablauf und die Eingabe subjektiver Daten" erforderlich.

5. Die Kontrolle und Beseitigung interner und externer Störungen trägt nur dann positiv zur Unternehmenszielerreichung bei, wenn eine "zulässige Erledigungszeit" eingehalten wird. Je kürzer diese Zeitspanne bemessen ist, um so dringender wird eine direkte Mensch - Maschine - Kommunikation bei Ausnahmesituationen.

6. Aus der Interdependenz und den Störgrößen resultiert die Notwendigkeit Rückkopplungsinformationen ohne Zeitverlust in dispositive Entscheidungen umzusetzen.

7. Aus der Bedeutung der Datenverwaltung und des Entscheidungsanteils in den Funktionsgruppen Terminplanung und Auftragssteuerung für die Erreichung der Unternehmensziele ergibt sich die Forderung eines gezielten Zugriffs auf Daten für die Durchrechnung von Entscheidungsalternativen.

8. Als zusätzliches Kriterium für die Dialogisierung ist der "Umfang des Datenvolumens" für die Funktionserfüllung in einer Unternehmung heranzuziehen. Bei großen Datenvolumina stößt die Dialogverarbeitung auf eine Grenze, die aus der zulässigen Antwortzeit des Menschen beziehungsweise der EDV resultiert.

Zur Ermittlung der Dialogbedürftigkeit betrieblicher Planungs- und Steuerungsfunktionen sind die entscheidungsorientierten Ursachen für eine Dialogisierung in der Abbildung summarisch angeführt. Da die Dialogverarbeitung den gesamten Ablauf der Funktionserfüllung beeinflußt und die Mensch-Maschine-Kommunikation mit unterschiedlichen Hard-und Softwarekombinationen erfolgen kann, sind die entscheidungsorientierten Ursachen für die Dialogbedürftigkeit lediglich ein Indiz für eine wirtschaftliche Arbeitsteilung.

Zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit der Dialogverarbeitung fehlen bisher geeignete Ansätze, die die vielfältigen Wirkungen berücksichtigen. Um dennoch Anhaltspunkte für die wirtschaftliche Dialogeignung der Funktionen zu erhalten, wurden Experten zu einer summarischen Bewertung befragt.

*Industrieseminar der Universität zu Köln