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08.12.1995

Unstimmigkeit ueber Strategie und Kosten Apple und HP treten Taligent an die IBM ab

MUENCHEN (gfh) - Taligent, das Gemeinschaftsunternehmen von IBM, Apple und Hewlett-Packard, wird aufgeloest. Nach der Entlassung von mehr als der Haelfte der Mitarbeiter sollen die verbliebenen Entwickler objektorientierter Systemsoftware als "Taligent Object Technology Center" in die IBM-Organisation eingegliedert werden. Apple und HP behalten allerdings Rechte an den Taligent-Techniken.

Mit dem Aus fuer Taligent endet eine 1991 ueberraschend vereinbarte Allianz, die den Siegeszug des PC-Duos Microsoft und Intel mit Hilfe eines objektorientierten Betriebssystems auf einem schnellen und preisguenstigen RISC-Rechner stoppen sollte.

Als zentrale Gruende fuer das Taligent-Aus nennen ehemalige Fuehrungskraefte Unstimmigkeiten zwischen den Sponsoren ueber eine einheitliche Strategie und die Kosten. Die Mitarbeiter fuehlen sich als Opfer unterschiedlicher Produkt- und Zeitplaene der Sponsoren. Da von den Protagonisten des Joint-ventures kaum mehr jemand an Bord ist, fehlte es Taligent vor allem bei HP und Apple an einflussreichen Fuersprechern.

Die geplante Eingliederung der Entwickler in die IBM erscheint auf den ersten Blick vernuenftig. Von den Sponsoren hat Big Blue das groesste Interesse an den Taligent-Techniken gezeigt. Das Unternehmen liefert bisher als einziges die Anwendungsumgebung "Commonpoint" fuer AIX und in Kuerze auch fuer OS/2 aus. Ausserdem sind die entwickelten Objekte und Verfahren fuer IBMs Vorhaben unabdingbar, die verschiedenen Betriebssysteme vom Laptop bis zum Mainframe zu vereinheitlichen.

Hinzu kommt, dass Taligent als IBM-Abteilung auf teures Verwaltungs- und Marketing-Personal verzichten kann. Tatsaechlich sollen etwa 200 der rund 350 Mitarbeiter entlassen werden.

Doch die IBM muss mit Schwierigkeiten rechnen. Die meisten Taligent-Entwickler kommen von Apple und duerften aufgrund der gaenzlich anderen Firmenkultur Vorbehalte haben, zum ehemaligen Konkurrenten zu wechseln. Diesem psychologischen Hemmnis versucht die IBM zu begegnen, indem sie die Entwicklungsstaette in Cupertino belaesst. Die Integration von Taligent in die IBM-Organisation koennte aber auch die Akzeptanz der eigentlich herstelleruebergreifend konzipierten Techniken gefaehrden.

Beim Kampf gegen die Wintel-Konkurrenz (Windows und Intel) konnte bislang lediglich Apple auf der Hardwareseite mit seinem Power-Mac einige Erfolge verbuchen. Die mit IBM betriebenen Softwareprojekte erwiesen sich dagegen als Flop. So wurde kuerzlich bereits das Joint-venture Kaleida eingestellt.

Vor allem aber war es Taligent, das seiner Rolle als Betriebssystem-Lieferant nicht gerecht werden konnte. Mit den Jahren veraenderte sich das urspruenglich von Apple stammende "Pink"-Konzept grundlegend. So wurde zuletzt kein Betriebssystem mehr angestrebt, sondern ein Microkernel, auf dem eine Ansammlung von Objekten die Funktionen bieten sollte, die der jeweilige Benutzer von seinem Betriebssystem erwartet.

Bislang existiert davon jedoch nur Commonpoint mit ueber 100 als Frameworks bezeichneten rudimentaeren Systemdiensten. Ausgeliefert wird das Produkt bisher lediglich von der IBM