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26.08.1977

Unter 20 000 Monatsbuchungen ist Dialog nicht rentabel

26.08.1977

Mit Dr. Claus Wellenreuther und Dietmar Hopp, Geschäftsführer der SAP GmbH (Walldorf), sprachen CW-Redakteure Dieter Eckbauer und Elmar Elmauer

CW: SAP hat sich auf Finanzbuchhaltungs-Systeme spezialisiert. Wie kam es dazu?

Wellenreuther: Wir sind zusammen vor fünf Jahren von der IBM fortgegangen, um eine eigene Softwarefirma zu gründen. Damals wurde die Integrierte Finanzbuchhaltung (IFB) so langsam entwickelt. Ich selbst habe bei IBM nichts anderes gemacht, als Finanzbuchhaltungs-Systeme zu entwerfen.

Hopp: Man spricht heute noch von der Wellenreuther-Buchhaltung. Buchhaltung und Wellenreuther ist bei der IBM ein Begriff gewesen und ist es jetzt im Markt eigentlich auch.

CW: Haben Sie davon bei Ihrem Debüt als unabhängiger Software-Anbieter profitiert?

Wellenreuther: Wir waren 1972 praktisch die allerersten auf dem Markt, die eine Realtime-Finanzbuchhaltung hatten. Diesen Vorsprung konnten wir bis heute halten.

CW: Beim Weggang von IBM haben Sie eine Menge "kopfbezogenes" Know-how mitgehen lassen. Kann man das ungestraft tun?

Wellenreuther: In der Vergangenheit führte das natürlich zu einigen Auseinandersetzungen mit der IBM wir haben ja direkt gegen die konkurriert und insbesondere die Anwender von dem Druck befreit, Produkte einsetzen zu müssen, die sie an IBM binden.

CW: Vor fünf Jahren mochte da Argument vielleicht zutreffen, IBM habe "nur" eine Batch-Buchhaltung. Inzwischen wurden die "Interaktiven Finanz-Systeme IFS" angekündigt. Wie können Sie da noch von Vorsprung reden?

Wellenreuther: Gehen wir gleich einmal auf die IFS-Buchhaltung los. Wir wissen doch heute konkret noch gar nicht, was das Ding mal bringen wird. Auf dem Papier: ja. Aber wie das in der Realität ausfällt? Wir wissen aber beispielsweise, daß die IFS-Buchhaltung dem 370/115-Anwender angeboten wird; ich muß schon sagen, angedreht. Obwohl sie darauf nicht laufen kann. Von, der Größe her ist das ein Unding. Die IFS-Buchhaltung wird auf jeden Fall mehr Maschine beanspruchen als die IFB.

CW: IBM verweist mit Recht darauf, daß die Kunden DL1 im Einsatz haben und eine einheitliche Datenbank fordern.

Wellenreuther: Wir argumentieren nicht gegen DL1. Aber wir sind nicht überzeugt von diesem softwaretechnischen Instrumentarium...

Hopp:.. . weil teilweise noch in PL/1 programmiert wurde, und da gibt es sicherlich viele Beispiele, wo PL/1 und DL1 als unselige Kombination zum Zusammenbruch geführt haben.

CW: Können Sie welche nennen?

Wellenreuther: Sie werden verstehen, daß für uns hier Zurückhaltung geboten ist. Aber IBM macht heute schon die 115er-Anwender mit DL1 verrückt. Obwohl das gar nicht praktikabel ist für die.

CW: Jetzt macht IBM - wie Sie sagen - die Leute mit der 370/115 verrückt, aber vielleicht ist es dann eine 118, auf der das laufen wird?

Wellenreuther: Das kann richtig sein, aber eines sollte man dabei nicht vergessen. In der Vergangenheit wurde stets davon gesprochen, daß die Maschinen immer größer und immer billiger werden. Gereicht haben sie jedoch nie.

CW: Unterstellt, sie kommt - wie wird die 118 aussehen?

Hopp: Die wird vielleicht 1, 5mal so schnell sein wie die 370/115. Aber auch darauf kann man DL1 noch nicht richtig verarbeiten. Wohlgemerkt, wir argumentieren nicht gegen DL1. Wir wissen aber, soviel Fachleute sind wir, daß die DC-IMS-Version eine wahre Katastrophe ist. Man muß den Anwendern Maßgeschneidertes bieten. . .

CW:... das sind doch Allgemeinplätze.. .

Wellenreuther:... Lösungen, mit denen der kleine Anwender auf anständige Weise auf seiner 370/115 auch noch Batch nebenbei machen kann; was ihn nicht zwingt, zur 125 überzugehen.

CW: Wir können an der IBM-Policy nichts "Anrüchiges" finden.

Wellenreuther: Die IBM ist im Moment auch relativ schlau in ihrer Strategie; die gehen nämlich her und machen zur Zeit so ein bißchen Ausverkauf mit der IFB, man kann schon fast sagen, zu Dumpingpreisen. Zu bedenken ist doch, daß der Anwender, der heute die IFB installiert, übermorgen vielleicht keine Wartung mehr bekommt für das Paket. Das bedeutet zwangsläufig, IFS machen zu müssen.

CW: Ein ganz anderer Punkt. Es war von Batchverarbeitung die Rede, von "Realtime und von "Dialog im Zusammenhang mit diesen Finanzbuchhaltungs-Systemen. Können Sie das präzisieren?

Wellenreuther: Wir machen einen Unterschied zwischen Dialog und Realtime. Wir haben selbst auch eine Dialog-Finanzbuchhaltung und meinen damit, daß wir den gesamten Bildschirmbetrieb abwickeln bis zu einem verbuchungsreifen Beleg, der eigentliche Verbuchungsakt aber nach wie vor ein abendlicher Batchlauf ist. Dialog ist also eingeschränkter als Realtime IFS-Buchhaltung ist auch eine Dialogbuchhaltung. Sie bucht nämlich nebendran und abends kommt der Batchlauf. Warum, ist uns noch nicht klargeworden; aber es ist auch nur eine Dialog-Buchhaltung.

CW: Konzentrieren wir uns also auf die Dialog-Buchhaltung, denn damit ist ja der Bildschirm konfrontiert. Doch vorweg: Warum überhaupt Dialog?

Wellenreuther: Ganz einfach. Weil ich 50 Prozent mehr Zahlungseingänge pro Mann am Tag verbuche. Da kann man sich ausrechnen, wann sich das wirtschaftlich rentiert. Wenn Sie beispielsweise nur 15 Buchungen am Tag haben, brauchen Sie keine Dialog. Finanzbuchhaltung, da brauchen Sie eine Batchbuchhaltung, da brauchen Sie. . .

Hopp:.. . ein amerikanisches Journal, dann ist die Sache totgeschlagen.

Wellenreuther: Deshalb haben auch Kleincomputer-Versionen bei entsprechenden Mengenvolumen eine Wirtschaftlichkeit, die vielleicht mit der Bildschirmversion in der Großanlage nicht erreicht werden kann. Das ist alles eine Frage des Mengenvolumens.

Ab einem bestimmten Mengenvolumen liegen Sie halt mit den Dialog-Versionen wieder günstiger.

CW: Können Sie das Konkretisieren?

Wellenreuther: Ja. Ich gebe Ihnen da Schätzungen von uns. Ich mache zwei Bedingungen von dem Einsatz abhängig. Die erste ist die Anzahl der Buchungen, die pro Tag oder pro Monat durchzufahren sind. Zweite Komponente: Wieviel Personen arbeiten daran? Indes: Buchhaltung ist nicht gleich Buchhaltung.

CW: Wir wollten eigentlich Zahlen hören.

Wellenreuther: Darauf komme ich noch. Dazu muß ich weiter ausholen. Es kann einer eine einfache Debitorenbuchhaltung haben, nehmen Sie Ihren Verlag her, ein Posten pro Kunde im Vierteljahr, wenn der ausgeglichen ist, das ist kein Buchhaltungsproblem. Vielleicht haben Sie auch Bankeinzug dabei, da haben Sie auch wieder kein Buchhaltungsproblem. Das läßt sich alles im Batch mechanisieren. Also Buchhaltung ist nicht gleich Buchhaltung...

CW:...klar, aber...

Wellenreuther:... unter 20000 Monatsbuchungen ist es nicht rentabel, im Dialog zu arbeiten. Wer drunter ist, kann von vornherein beim Batch bleiben.

CW: Jetzt die Personenzahl.

Wellenreuther: Wer auf diesem Gebiet etwas machen will, muß mindestens fünf Mitarbeiter in der Finanzbuchhaltung haben, um dann noch einen davon freisetzen zu können, Anders können die Verhältnisse sein, wenn das gesamte technische Equipment, das Sie brauchen um so etwas auszufahren, sowieso vorhanden ist. Wenn ich also mit den 280 Mark, die so ein Bildschirmgerät kostet, auskomme, dann ist es Abfallprodukt.

CW: Wir sprachen bisher über die Dialog-Buchhaltung. Wie sieht es aus, wenn Realtime-Versionen eingesetzt werden sollen?

Wellenreuther: Bei den Realtime-Versionen sind meiner Meinung nach 60 000 Monatsbuchungen die untere Grenze. Je größer der Buchungsanfall, das ist ganz klar, um so toller ist der Erfolg, den ich mit der Realtime-Geschichte heraushole.

CW: Gibt es Vergleichswerte?

Hopp: Wir haben gerade eine IFB-Buchhaltung abgelöst und können phantastische Zahlen nennen. . .

Wellenreuther:... es begann damit, daß der Anwender über die IFB-Buchhaltung ziemlich verärgert war.

CW: Welche IFB-Schwächen wurden bemängelt?

Wellenreuther: Daß das System mit einem Riesenaufwand installiert werden mußte, daß das Anwendungsvolumen nicht ausreichend war und daß kein Bankeinzug und keine Kostenrechnungserfassung drin waren.

Hopp: Wenn Sie das alles selber codieren müssen, dann haben Sie wahnsinnige Vorlaufzeiten, bis Sie Oberhaupt einmal mit der IFB-Buchhaltung anfangen können. Und mit der Spezialprogrammierung kommen Anfangsfehler. . .

CW:... die jede Software enthält. Also auch Ihre.

Wellenreuther: Zugegeben. Aber wenn - wie in diesem Fall - noch abendliche Verbuchungs- und Batch-Abwicklungszeiten von sechs bis sieben Stunden hinzukommen, dann ist das eben nicht mehr tragbar. Dann sind Sie nämlich im Schichtbetrieb. Die Krankheit der IFB ist ja insbesondere, daß sie kein großes Mengenvolumen verdaut. Bei kleinen Mengen läuft das recht ordentlich. Da merken Sie die Durchlaufzeiten noch nicht; das ist der ganze Dreh.