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09.03.1979 - 

Die EDV-Zyklen bei der Carl Edelmann GmbH:

Unter dem Benchmark-Druck wankte auch die Preisfront

HEIDENHEIM (ee) - Die Firma Carl Edelmann GmbH (Heidenheim/Brenz) Produziert und vertreibt auftragsbezogen hochwertige Verpackungen. Hauptauftraggeber sind die pharmazeutische und kosmetische Industrie. Das Unternehmen hat eine führende Position im europäischen Markt inne und beschäftigt rund 950 Mitarbeiter in drei Produktionsbetrieben.

Die Geschichte der Datenverarbeitung begann bei Edelmann mit der automatisierten Lohnabrechnung, die über Jahre hinweg entwickelt und verbessert wurde. Die vielen Hoffnungen und Erwartungen, die sich daran knüpften, wurden jedoch nicht erfüllt. Andere Bereiche, die ebenfalls der dringenden Unterstützung durch die EDV bedurften, waren die Materialwirtschaft, das Bestellwesen und die Betriebsabrechnung. Mit der auf Lochkartenbasis arbeitenden IBM-Anlage /3 Modell 10 gelang es nie, rechtzeitig Informationen zu beschaffen. Die Kosten beliefen sich auf jährlich rund 750 000 bis eine Million Mark, ohne daß zu diesem Preis befriedigende Ergebnisse erzielt werden konnten. Lohn- und Betriebsabrechnungen waren selten pünktlich oder fehlerfrei erhältlich Wegen der ständigen Unzufriedenheit wurde der Mietvertrag mit IBM schließlich Mitte 1975 gekündigt.

Ein spürbarer Informationsmangel in der folgenden Zeit ließ allerdings erkennen, daß die Entscheidung nicht unbedingt ganz richtig gewesen war. Deshalb wurde auf die Hilfe externer Rechenzentren zurückgegriffen.

Mit diesen Erkenntnissen parallel ging ein betriebswirtschaftlicher Umdenkungsprozeß, der seine Ursache zum Teil in den allgemeinen wirtschaftlichen Veränderungen hatte. Hiervon leiteten sich die Forderungen ab, ein neues Rechnungswesen betriebswirtschaftlich zu integrieren und Marktdaten schnell in den Betrieb zu bringen und dem Management zur Verfügung zu stellen. Letzten Endes sollte das innerbetriebliche Verrechnungswesen es erlauben, so schnell wie möglich und äußerst zuverlässig die Wirtschaftlichkeit des Betriebs - gemessen an den Marktdaten - zu ermitteln.

Wesentliche und voneinander abhängige Details sind Kapazitäts-Planung, Kostenrechnung und Preisbildung. Da in der Branche eine saisonabhängige Überkapazität von 10 bis 30 Prozent vorhanden ist, sollte ein neu zu installierendes DV-System es erlauben, Veränderungen am Markt schnellstmöglich zu erkennen, um darauf prompt reagieren zu können und angesichts der 50 bis 100 Anfragen beziehungsweise Angebote pro Tag eine gleichmäßige Auslastung des Betriebes Sicherzustellen.

Die finanzielle Situation des Betriebes wird nach dem Prinzip der Deckungsbeitragsrechnung überwacht, dadurch bieten sich bei konsequenter Handhabung sehr interessante Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit Kostenstellen zu vergleichen und den Einfluß von Fabrikationsprozeßänderungen aufgrund geänderter Marktdaten festzustellen. Die interne Verrechnung erfolgt auf der Basis des erzielbaren Marktpreises. Bei Edelmann ist man von davon überzeugt, daß dieses Modell funktioniert und als Grundlage für Entscheidungen verwendbar ist.

In der Zeit, in der diese Überlegungen stattfanden, wurde ein Teil der anfallenden EDV-Arbeiten mit einem Tischcomputer HP 9830A zufriedenstellend ausgeführt. Nachdem intern weitgehend Klarheit über die Forderungen und Ansprüche bestand, war eigentlich sicher, daß nur ein EDV-System in die engere Wahl kommen könnte, das erlaubt, möglichst vielen Stellen gleichrangige Benutzung zu gewährleisten. Eine sehr wesentliche Forderung war also, über den Betrieb verteilt, Bildschirmterminals installieren zu können, um praktisch vor Ort und zu jeder Zeit Daten eingeben oder abrufen zu können, sei es für die Kalkulation, für die Buchhaltung, für den Vertrieb und last not least für die Geschäftsleitung.

Ziel war eine arbeitsplatzbezogene Dialogverarbeitung unter Einsatz eines anwenderfreundlichen Datenbanksystems. Das bedingt die Erfüllung folgender Hauptanforderungen:

- ein leicht zu handhabendes, benutzerfreundliches Datenbanksystem (CODASYL-Norm),

- das Vorhandensein von höheren, problemorientierten Programmsprachen,

- eine leistungsstarke Hardware, die Direkt- und Stapelverarbeitung ebenso zuläßt wie die simultane Verarbeitung mehrerer Programmkomplexe.

Edelmann wollte die Aufgaben, die für den Bereich Qualitätskontrolle auf einem Hewlett-Packard-Tischcomputer HP 9830A mit 16 KB Hauptspeicher, einem 5 MB Plattenkassettenlaufwerk und einem kombinierten Plotter/Drucker HP 9871A liefen, entweder von dem neuen DV-System bewältigen lassen, beziehungsweise sollte der HP 9830A als selbständiges Terminal "lokal" angeschlossen werden.

Zur Datenerfassung im Personalbereich ist das Zeiterfassungsgerät "Interflex" installiert. Grundsätzlich sollen alle erfaßten Werte (Kommen/Gehen, Fehlzeiten) erfaßt und "online" zum DV-System übertragen werden. Dieser Geräteanschluß ist vorzusehen. Im Falle der Systemwartung oder sonstiger Hauptrechnerausfälle geschieht der Datenaustausch "off-line" per Magnetband.

Für die Bedarfsanalyse und die daraus folgende Ausschreibung holte sich Edelmann den Unternehmensberater Peter J. Worsch, Schweitenkirchen. Worsch faßte das Angebotsprofil in standardisierte Forderungen, um

- die formelle Vergleichbarkeit aller Informationsblöcke wie

- Hardwareangebot und -beschreibung,

- Softwareangebot,

- Lösungsvorschlag des Anbieters,

- Konditionen und sonstige Information zu erreichen und

- materielle Vergleichsmöglichkeit zur Feststellung der effektiven Leistung der Anbieter untereinander zu gewinnen sowie

- Verbindlichkeit und Dauer der Angebotskonditionen festzustellen.

Dies gab einen 60 Seiten starken Katalog, der an 15 Computerhersteller und Vertriebsfirmen geschickt wurde. Das Ergebnis war recht aufschlußreich: Einige Anbieter paßten gleich zu Beginn, da Heidenheim für sie außerhalb des Wartungsbereiches liegt; andere mußten zweimal an die Ausschreibungsfrist erinnert werden.

Die Vorauswahl geschah nach dem Prinzip der Nutzwertanalyse, insbesondere nach der Gewichtsfaktorenmethode. Voraussetzungen dafür waren im wesentlichen:

- die Festlegung von Zielspektren, gegeben durch die Anforderungen aus den Fachabteilungen,

- die Entscheidung für eine einheitliche Bewertungsskala, die intern mit den Beteiligten abgesprochen wurde,

- die Durchführung von Einzelbeurteilungen von Lösungsalternativen.

Nach dieser Vorauswahl schieden sehr bekannte Anbieter aus dem Rennen um den Auftrag aus. In die engere Wahl und damit in den "Benchmark-Test" gelangten die Firmen CDC, Hewlett-Packard, Krantz (mittlerweile UNIVAC), NCR und UNIVAC.

Die zum Test verwendeten Programme waren sorgfältig ausgesucht und auf die zu erwartenden Belastungsspitzen im Hause Edelmann abgestimmt.

Einen Zusatz-Effekt hatte der Benchmark-Test: Die scheinbar unverrückbare Preismauer kam bei allen in die Endrunde gelangten Firmen zum Schluß mehr oder minder kräftig ins Wanken. Die Entscheidung fiel schließlich für Hewlett-Packard, die die besten Ergebnisse in beiden Testreihen erzielte.

Die Anlage, ein Modell 3000-II mit 196 KB Hauptspeicher, 2 Plattenlaufwerken Ó 50 MB, 1 Schnelldrucker mit 200 Z./Min., 1 Magnetbandeinheit mit 1600 bpi und 10 Bildschirmen, steht in einem teilklimatisierten Kellerraum und arbeitet ohne Bedienungspersonal. Die Anlage wird nur manchmal am Wochenende abgeschaltet und steht im Normalfall rund um die Uhr zur Verfügung.

Auch die Mitarbeitervorbereitung und -schulung ging bei Edelmann klaglos, über die Bühne. Worsch holte aus allen Betriebsabteilungen, die von der Wiedereinführung der DV betroffen waren, zwei Mitarbeiter in ein vier Tage dauerndes Seminar. Vielen dieser Teilnehmer wurde damit auch die unterschwellig vorhandene Angst vor dem Computer genommen und Vorbehalte gegen die EDV ab gebaut, die noch aus der Vergangenheit herrührten. Aus diesem Kreis bildete sich dann ein "DV-Ausschuß", der nun eine Art Relaisstation zwischen den Fachabteilungen und der kleinen, aus einer Dame und drei Herren bestehenden DV-Abteilung darstellt.

Worschs, Resümee für das (Edelmann-) Management, welche Voraussetzungen ein Mann am dispositiven Hebel besitzen muß, um EDV einzufahren "Grundsätzlich die Bereitschaft, etwas dazulernen zu wollen und die Einsicht, nicht alles selber erledigen, zu können. Die fachlichen DV-Entscheidungen soll den DV-Fachleuten - wenn vorhanden - oder externen Beratern überlassen bleiben. Jedenfalls aber sollte das Management die Kostenseite sehr genau im Auge behalten und mit einer strengen Erfolgskontrolle überwachen, ob die gesteckten Ziele auch erreicht werden!"