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SW-Profi bricht den Stab über Programmiersprachen der vierten Generation:

Unter dem Etikett "4GL" wird oft nur Kosmetik vermarktet

13.06.1986

HAMM (mer) - Viele Produkte, die mittlerweile als Sprachen der vierten Generation angeboten werden, sind lediglich eine Weiterentwicklung von Datenbanksprachen. Beim Einsatz solcher Software ist deshalb zwar mit Zeiteinsparungen bei der Programmerstellung zu rechnen, nicht jedoch mit einer Kostenreduzierung. Diese Ansicht vertrat der Geschäftsführer der Lattwein GmbH. Günter Lattwein. auf der jüngsten Anwendertagung des Softwarehauses in Hamm.

Bis Anfang der 60er Jahre habe eine relativ schnelle und kontinuierliche Entwicklung hin zu den Programmiersprachen der dritten Generation stattgefunden, erläuterte der DV-Profi vor rund 120 Teilnehmern der Benutzervereinigung "Course" (Club of User recommended Software Engineering). Er vermisse bis heute jedoch den konsequenten Ausbau der prozeduralen Sprachen und damit den "logischen Fortschritt" von der dritten zur vierten Generation, wie er zwischen der ersten und zweiten Sprachengeneration stattgefunden habe. Lattwein: "Im Zeitraum 1965 bis 1980 erfolgten lediglich kosmetische Erweiterungen, um externe Speicher und Bildschirme vermarkten zu können. Gleichwohl gebe es am Markt inzwischen viele Programmiersprachen, die unter dem Etikett "4GL" vermarktet würden.

So gesteht Lattwein denn auch nur wenigen Sprachen den Anspruch zu, tatsächlich, und darüber hinaus noch eine effektive Programmiersprache der vierten Generation zu sein. Seiner Auffassung nach hat das, was mittlerweile vielfach unter der Bezeichnung "fourth Generation" angeboten wird, seinen Ursprung in den Datenbanksprachen. Lattwein: "Es handelt sich hier um die zweite Generation von DB-Sprachen."

Zuvor habe nämlich die fehlende Einbindung der vorhandenen Datenbestände in die neuen Sprachen die Programmierer überfordert. Sie waren seiner Meinung nach gezwungen, bei der Festlegung der Datenbestände die künftige Entwicklung des Unternehmens weitgehend vorherzusehen. Dies führte normalerweise zu einer Überdimensionierung der erforderlichen Datenstrukturen.

Daraufhin entwickelten . die Software-Hersteller einen völlig neuen Sprachtyp, die Datenbanksprache. Sie sollte die etablierten Programmiersprachen ergänzen und war für den Zugriff auf die Datenbestände gedacht. Lattwein: "Frei von prozeduralen Elementen befreite sie zwar den Programmierer von der festen Adressierung externer Datenfelder, brachte aber den Nachteil einer starren Schnittstelle zu anderen Sprachen mit sich."

Im nächsten Schritt seien die Abfragesprachen um einfache prozedurale Elemente erweitert worden. Diese Query-Sprachen für den Endbenutzer versprechen volle Unabhängigkeit von der konventionellen DV und würden heute unter dem Begriff "Sprachen der vierten Generation" zusammengefaßt.

Die einfache Bedienerführung verführe den Endanwender aber dazu, auch Aufgaben zu lösen, die durch die konventionelle DV bereits teilweise oder gar voll abgedeckt beziehungsweise aus Performance-Überlegungen vorerst zurückgestellt würden. "Der Begriff Performance ist dem Endbenutzer völlig fremd", erklärte der Geschäftsführer des Dürener Softwarehauses. Für ihn zählt das Ergebnis seines Programms."

So sieht Lattwein denn auch nur in komplexen Programmiersystemen oder Programmentwicklungssystemen die logische und konsequente Weiterentwicklung der Programmiersprachen: "Das ist die wirkliche vierte Generation." Wichtig für den Anwender hält er die Tatsache, daß beim Einsatz der sogenannten 4GL-Sprachen allein zwar Zeiteinsparungen zu erwarten seien, Kosteneinsparungen dagegen nicht, da "diese mit dem Maschinenraum wachsen" .

Bei der Einbindung in ein Programmentwicklungssystem sähe das allerdings anders aus, meinte der DV-Manager. Der Endbenutzer setze auf einer vorgefertigten Schnittstelle auf, die durch einen DV-Experten vorgegeben wurde. Der Vorteil der vierten Generation liege nunmehr darin, daß der Anwender innerhalb des ihm vorgegebenen Rahmens seine Aufgabe individuell gestalten könne.

Zudem hätten die sogenannten reinen Programmiersprachen der vierten Generation normalerweise keine Verbindung zur vorhandenen Software. Sie müsse vom Programmierer hergestellt werden. Sei das Programmsystem dagegen integriert, sei auch der Anschluß an vorhandene Strukturen ohne zusätzliche Programmierung möglich.

Eine wesentliche Komponente bei den 4GL-Systemen sieht Lattwein in der Schnittstelle zur Hardware: "Dem

Anwender ist mit dem Angebot einer neuen Programmiersprache normalerweise nur dann geholfen, wenn er damit auf seine vorhandenen Datenbestände zugreifen kann. Diese Möglichkeit habe er aber nur bei einer integrierten Sprache der vierten Generationen.

Günter Lattwein zur generellen Philosophie von Systemen der vierten Generation:

"Die Systemsteuerung muß von jemanden gemacht werden ,der DV-Erfahrung hat. Die Aufgabe des Programmierers ist es, ein Rahmenprogramm zu erstellen. Die Bildschirmdarstellung dagegen bestimmt der Sachbearbeiter. Er hat dabei vollkommen freie Hand. Das Programm kann der Sachbearbeiter aber nicht beeinflussen, vor allem auch nicht die Zugriffe auf die Massenspeicher."