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27.07.1990 - 

Ein Aus für das PC-Betriebssystem Nummer eins ist nicht in Sicht

Unter dem Mantel von Unix lebt MS-DOS munter weiter

Bedrängt von OS/2 und Unix, muß MS-DOS um sein Überleben als wichtigstes PC-Betriebssystem bangen ( so das geläufige Szenario. Zwar drängt Unix dank der ständig wachsenden Rechnerleistungen immer mehr in die klassische DOS-Domäne hinein. Günter Krauss* belegt jedoch, daß sich die beiden Systeme keineswegs ausschließen. Vielmehr liege die Zukunft von MS-DOS in einer Integration mit Unix.

Die Personal Computer der jüngsten Generation mit 80386- und 80486-Prozessoren verlangen nach einem Betriebssystem, das die Leistungsgrenzen von MS-DOS sprengt. Unix auf PC-Basis wird daher immer beliebter. Ein Hauptkriterium für die Migrationsüberlegungen der Anwender stellt der Investitionsschutz dar: Die populären DOS-Applikationen werden auch in der Unix-Welt gefordert. Hierzu gibt es mittlerweile eine Reihe praxisnaher Lösungsansätze.

Weltweit arbeiten nach Schätzungen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC rund 25 Millionen PCs unter

dem Betriebssystem MS-DOS. Die Anzahl der verfügbaren Applikationen wird auf über 10 000 beziffert. Zum Vergleich: Den weltweiten Bestand an Unix-Rechnern schätzen die Auguren unter zwei Millionen Einheiten.

Wichtiger als jede Zahlenarithmetik ist jedoch, daß die populärsten Anwendungen unter MS-DOS vorliegen. Die Palette reicht von horizontalen Standardanwendungen wie Microsoft Word über Lotus 1-2-3 und Dbase bis hin zu Spezialprogrammen wie beispielsweise Autocad.

Für Anwender, die den Schritt von MS-DOS zu Unix auf PC-Basis gehen, stellt die Verfügbarkeit ihrer bekannten Anwendungen in der neuen Umgebung zu Recht ein Hauptkriterium dar. Investitionsschutz heißt das Thema. Die Anforderungen reichen vom Zugriff auf die vorhandenen Datenbestände über die weitere Nutzung von Tabellenkalkulations- und Textverarbeitungs-Makros oder Datenbankprogrammen bis hin zur Mitarbeiterausbildung.

Um die Anwender zufrieden zu stellen, gibt es zwei Möglichkeiten: Emulation der DOS-Umgebung unter Unix oder aber Portierung der DOS-Programme nach Unix. Für beide Wege stehen mittlerweile ausgereifte Lösungen zur Verfügung, die sich sogar kombinieren lassen.

Unix emuliert das DOS-Betriebssystem

Hilfsprogramme, die die friedliche Koexistenz von DOS und Unix auf einem PC erlauben, gibt es seit langem. Dabei werden voneinander unabhängige Partitions auf der Festplatte eingerichtet. Dadurch kann der Rechner wahlweise als DOS- oder Unix-System genutzt werden; der Austausch von Daten oder Anwendungen ist aber nicht möglich.

Für den technisch versierten Entwickler dürfte diese Lösung im Einzelfall sicherlich von Interesse sein. Für den kommerziellen Anwender bleibt sie hingegen völlig inakzeptabel. Dort benötigt man eine möglichst transparente Systemintegration von MS-DOS und Unix, so daß sich Daten und Applikationen mühelos austauschen lassen. Zu diesem Zweck werden sogenannte "Compatibility-Boxes" angeboten.

Diese Technik arbeitet mit virtuellen Bereichen (Boxen), in denen sich eine DOS-Umgebung innerhalb des Unix-Betriebssystems einrichten läßt. Dort wird MS-DOS wie auf einem 8086-Prozessor emuliert. Im Prinzip legt man dabei eine Schale um das in die Unix-Umgebung eingebettete DOS-System.

Die Einbettung erlaubt darüber hinaus den Informationstransfer von und nach Unix. Der Datenzugriff erfolgt in den Betriebssystem-Umgebungen mit den jeweiligen DOS- beziehungsweise Unix-Befehlen. Die

in Unix üblichen Multitasking-Fähigkeiten und die Unterstützung mehrerer Benutzer sind auch im DOS-Modus vorhanden. Dabei kann der Anwender bei richtiger Systeminstallation jederzeit Applikationen aufrufen, ohne daß er wissen muß, ob diese unter DOS oder Unix vorliegen. DOS-Applikationen lassen sich parallel zu Unix-Anwendungen im virtuellen Speicher abarbeiten.

Emulationen unterliegen naturgemäß bestimmten Einschränkungen. So erweisen sich DOS-Programme als problematisch, die sich nicht auf die Betriebssystem-Schnittstelle abstützen, sondern die direkt die Hardware ansprechen. Allerdings wurde dieses ursprünglich gravierende Problem mittlerweile entschärft. Zum einen sind die Emulationsumgebungen heutzutage so ausgereift, daß sie die häufigsten CPU-Zugriffe verarbeiten können. Zum anderen sind hardwarenahe Programmiertechniken bei den Softwarehäusern schon seit einiger Zeit aus der Mode gekommen.

Das hat seinen Grund: Die großen PC-Software-Anbieter, die bislang für MS-DOS entwikkelt haben, wollen sich die Portierbarkeit ihrer Anwendungen für Unix offenhalten. Hardwarenahes Programmieren steht diesem Ziel diametral entgegen.

Selbst der Flugsimulator läuft unter der Emulation

Im wesentlichen können also DOS-Anwendungen problemlos eingesetzt werden. Die Palette reicht von Microsoft Word, Wordstar und Wordperfect über Dbase III Plus und Framework II/III bis hin zu Lotus 1-2-3, Microsoft Multiplan und Ventura Publisher, um nur einige bekannte Standardpakete zu nennen. Selbst ehemalige "Problemfälle" wie der Flugsimulator von Microsoft lassen sich in der Emulation nutzen.

Die Unterstützung von EMS-Treibern (bis zu 8 MB), wie sie beispielsweise häufig bei Desktop-Publishing-Applikationen eingesetzt wird, ist heutzutage ebenso gewährleistet wie die von virtuellen Maus-Treibern. Die Verwendung der DOS-Boxen ist zudem denkbar einfach:

Bei grafischen Oberflächen, etwa Open Desktop von der

Santa Cruz Operation (SCO), aktiviert der Benutzer die DOS-Dienste durch Anklicken des am Bildschirm dargestellten MS-DOS-Symbols mit der Maus. Alternativ kann er in einem aktiven Unix-Fenster den Namen einer auführbaren DOS-Datei eingeben.

Viele DOS-Anwendungen gibt es auch unter Unix

Für immer mehr populäre DOS-Anwendungen erübrigt sich allerdings die Emulation ( sie sind inzwischen unmittelbar unter Unix verfügbar. Wo die Programme nicht direkt portiert wurden, da werden "Lookalike-Versionen" angeboten. Beispiele sind das Programm zur Tabellenkalkulation Lotus 1-2-3 und das Datenbanksystem Foxbase.

Dabei bleiben dem Anwender die bekannten Bedienungsweisen erhalten und unter DOS verfaßte 1-2-3-Tabellen können unmittelbar in der Unix-Variante eingesetzt werden. Auch die Makro-Bibliotheken des Spreadsheets lassen sich ohne Portierungsaufwand unter Unix nutzen.

Ähnliches gilt für die Unix-Version von Foxbase, das in den Funktionen mit Ashton-Tates Dbase III Plus kompatibel ist. Der Hauptunterschied zwischen DOS- und Unix-Anwendung ist der Wegfall der DOS-Leistungsgrenzen wie etwa der 640-KB-Marke in der Unix-Umgebung.

Doch nicht nur die "Funktionsgleichen" beleben den Markt der Unix-Anwendungen. Zunehmend kommen auch die "Originale" unter Unix zum Laufen. So hat Wordperfect sein gleichnamiges Textpaket vor kurzer Zeit auf Unix portiert. Gleiches gilt für eine Unix-Implementierung von Lotus 1-2-3. Auch Ashton-Tate spricht schon seit Jahren von einem Unix-Dbase. Allerdings haben diese DOS-Softwarehäuser mit enormen Anfangsschwierigkeiten im Unix-Umfeld zu kämpfen.

Die Portierung ist der Emulation vorzuziehen

Die "echte" Portierung von DOS-Applikationen unter Unix hat gegenüber der Emulationsalternative eine Reihe von Vorteilen. Zum einen sind die Unix-Implementierungen im allgemeinen schneller im Ablauf als ihre Emulations-Pendants. Zum anderen läßt sich nur in der Unix-Version die Multiuser-Fähigkeit des Betriebssystems nutzen.

So kann zum Beispiel ein für Unix optimiertes Textverarbeitungssystem von 40 und mehr Benutzern gleichzeitig verwendet werden. Hierbei läuft die Software auf einem Zentral-PC, an den Terminals angeschlossen sind. Die MS-DOS-Variante unterstützt hingegen nur genau einen Benutzer pro PC. Dadurch ergeben sich im Vergleich etwa zu einem lokalen PC-Netz bei der Unix-Lösung Kosteneinsparungen von 100 Prozent.

Setzt man für den Unix-PC einen Preis von 20 000 Mark an (für ein hochaufgerüstetes Gerät) und für jedes Terminal weitere 1000 Mark, so errechnet sich für 40 Benutzer ein Kostenvolumen bei der Hardware von rund 60 000 Mark. Die DOS-LAN-Lösung kommt bei einem angenommen Preis von 4000 Mark pro PC für 40 Benutzer auf immerhin 160000 Mark Rechnerkosten.

Unix und DOS können nicht nur friedlich koexistieren, sondern auch zusammenarbeiten. Für viele Anwender stellt sich daher derzeit gar nicht die Frage "DOS oder Unix?". Vielmehr lautet die Anforderung besonders für den Netzwerkbetrieb häufig "DOS und Unix".

DOS-Netze laufen unter Unix-Servern

In Netzen wird der Server oftmals unter Unix konfiguriert, während zumindest ein Teil der Arbeitsplatz-Rechner weiter unter DOS läuft. Der Benutzer am DOS-PC muß somit Gelegenheit erhalten, transparent auf den Unix-Server zugreifen zu können. Entsprechende Utilities ermöglichen den gleichzeitigen Ablauf lokaler DOS-Applikationen und entfernter Unix-Programme. Der Zugriff kann dabei per LAN oder über eine RS232-Schnittstelle erfolgen.

Als Fazit ist festzustellen, daß die Palette der verfügbaren Anwendungen unter Unix rapide zunimmt ( entweder über Emulation oder als "echte" Implementierungen. Wer einen Personal Computer als reines DOS-System betreibt, hat nur die DOS-Umgebung. Wer hingegen auf Unix setzt, hat Zugriff sowohl auf die Unix- als auch auf die DOS-Welt. Und das ist ein gravierender Vorteil für den Anwender. (