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24.10.1997 - 

KPMG und Ernst & Young beschließen Merger

Unter den Big Six breitet sich das Fusionsfieber aus

Das vordergründige Motiv ist bekannt: Global agierende Banken, Versicherungen sowie Industrie- und Handelskonzerne sind an Bilanz- und Beratungsdiensten vor allem dann interessiert, wenn sie weltweit und flächendeckend offeriert werden können. Um diese Klientel betreuen zu können, begraben die weltweit größten Player ihre jahrelangen Rivalitäten und schließen sich zusammen.

Im Fall von Ernst & Young und KPMG kommt jedoch noch ein zweites Motiv hinzu: Mit der vor wenigen Wochen angekündigten Fusion von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand entsteht ein Beratungsgigant, dem die Konkurrenten jeweils alleine wenig entgegenzusetzen hätten. Angesichts dieser Bedrohung wurden sich die beiden Gesellschaften in der rekordverdächtigen Zeit von nur zwei Wochen handelseinig.

Konzentration in der Beratungsbranche

KPMG und Ernst & Young erwirtschafteten 1997 mit zusammengerechnet 163000 Mitarbeitern in 35 Ländern rund 18 Milliarden Dollar Umsatz. Allein in Deutschland wird mit insgesamt rund 9000 Mitarbeitern ein Honorarvolumen von zirka zwei Milliarden Mark erzielt. Damit sind die beiden Konzerne auch hierzulande der größte Anbieter von Beratungsleistungen. Price Waterhouse und Coopers & Lybrand brachten es mit 130000 Beschäftigten zuletzt auf jährliche Einnahmen von knapp zwölf Milliarden Dollar.

Ernst & Youngs Chairman Philip Laskawy möchte den Megakonzern bis zum Jahr 2000 führen und sich dann zur Ruhe setzen. Ihn soll KPMG-Chairman Stephen Butler ablösen, der dem Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt in der Rolle des Chief Executive Officer (CEO) zur Verfügung stehen will.

Die Hochzeit der beiden Weltkonzerne wird nicht ohne Stellenstreichungen über die Bühne gehen, von denen jedoch die rund 12800 hochqualifizierten Partner kaum betroffen sein dürften. Vor allem in den Verwaltungen wird es zu Einsparungen und damit zum Arbeitsplatzabbau kommen.

Aus den sechs größten Unternehmensberatungen der Welt, den sogenannten Big Six, werden nun die Big Four - und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich auch die beiden übriggebliebenen "Solisten" Andersen Worldwide und Deloitte & Touche etwas einfallen lassen, um das rasante Wachstumstempo der Wettbewerber mitzugehen.

Aus Sicht der Kunden ist der Fusionseifer der großen Wirtschaftsprüfer insofern von Vorteil, als sie den Know-how-Zuwachs und die geografische Ausbreitung für ihre Zwecke nutzen können. Nachteile dürften jedoch durch für Merger typische Abstimmungsprobleme entstehen. Außerdem wird es manchem Kunden ein Dorn im Auge sein, daß er seine Wirtschaftsdaten jetzt von derselben Gesellschaft prüfen lassen muß, die der direkte Wettbewerber ebenfalls konsultiert. Ärgern wird sich auch, wer aus Unzufriedenheit mit einem Wirtschaftsprüfer zum Konkurrenten wechselte und nun miterleben muß, wie beide fusionieren. Hier wird das Duo noch einige Überzeugungsarbeit leisten müssen.