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28.08.1998 - 

Data Transfer Management Systeme (DTMS) im Überblick

Unter der Lupe: Leitstände für den Datenaustausch

28.08.1998

Unternehmen mit vielen Filialen, wie man sie insbesondere beim Handel findet, haben beim Umgang mit Daten ihre eigenen Spielregeln. Die Erfassung etwa von Absatzzahlen geschieht in den Filialen, die diese Informationen an eine zentrale Stelle weiterreichen. Im Gegenzug verteilt die Zentrale Informationen wie etwa Preisänderungen an die Firmenableger. Kommuniziert wird dabei typischerweise über Wählleitungen. Die Verwendung des Internet hat sich aus Gründen der Datensicherheit und immer noch geringer Bandbreiten nicht durchgesetzt.

Transaktionsorientierte Verfahren werden in diesem Umfeld nur verwendet, wenn Echtzeitdaten und sofortige Rückmeldungen zwingend notwendig sind. Dies ist beispielsweise bei der Kreditkartenprüfung während des Zahlungsvorgangs oder bei Zugriffen auf Buchungssysteme der Tourismusbranche (zum Beispiel "Start" und "Sabre") nötig.

In den meisten Fällen reichen jedoch asynchrone Messaging-Verfahren, die zudem preisgünstiger sind. Dabei werden die Nachrichten entweder von einem Quellsystem über sogenannte Queues (Warteschlangen) an ein Zielsystem geschickt, oder sie werden aktiv vom Zielsystem abgeholt (Polling).

Die Ähnlichkeit dieser Arbeitsweise mit der von Workflow-Systemen ist augenfälllig. Letztere stammen aus dem Bereich der Bürokommunikation und steuern dort den Arbeitsablauf - insbesondere den Dokumentenfluß von einem Mitarbeiter zum nächsten. DTMS tun nichts anderes, als diese ereignisgesteuerte Sicht auf den Message-basierten Datenaustausch zu übertragen.

Ursprünglich handelte es sich beim Data Transfer Management vor allem um Polling-Systeme, die aber inzwischen zu komplexen Leitständen ausgebaut wurden. Diese erledigen nicht nur die Logistik für Transport und Verteilung der Daten, sondern integrieren auch die notwendigen Verarbeitungsschritte für diese Daten.

DTMS verfolgen ähnliche Konzepte wie die Prozeßleitstände in der fertigenden Industrie. Anstatt Maschinen und elektronische Relais werden hier allerdings Kommunikations-Schnittstellen und Applikationen moderner Client-Server-Systeme und klassischer Mainframes gesteuert.

Ihre Bedeutung liegt in der Integration bislang isoliert operierender Systeme entlang der Geschäftsprozesse. Konkret werden dabei Daten konsolidiert, Formate konvertiert und andere Verarbeitungsschritte in den bestehenden Applikationen (etwa SAP R/3 und Data-Warehouse-Systeme) gesteuert und überwacht.

Vom Polling zum Workflow

Als Middleware-Komponete übernehmen DTMS außerdem die Aufgaben der Homogenisierung der in Filialsystemen typischen Heterogenität von Hard- und Software am Point of Sales und in der Unternehmenszentrale. Beim Abbilden der Datenwege von den Quell- zu Zielsystemen verwenden die eine Vielzahl von Protokollen und Schittstellen zu den gängigsten Datenbanksystemen.

Die am Markt angebotenen DTMS lassen sich drei Entwicklungsstufen zuordnen:

- Die erste Generation erfüllt eine rein logistische Funktion. Klassisches Beispiel sind Polling-Lösungen, die sich Informationen von einer hohen Zahl dezentraler Computer, meist Point-of-Sales-Systemen, holen. Standardaufgaben sind die Übertragung von Verkaufsdaten und aktuellen Preislisten. Zur Herausforderung wird das Polling durch unterschiedliche Datenformate und die häufige Verwendung proprietärer Kommunikationsprotokolle (oft Dialekte von Standardprotokollen). Für die Konvertierung der Datenformate werden vielfach externe Werkzeuge in manuelle oder teilautomatisierte Verfahren einbezogen. Der Einsatz eines DTMS der ersten Generation kann immer dann als ausreichend angesehen werden, wenn lediglich die Beherrschung unterschiedlicher Kommunikationsprotokolle gefordert ist.

Anbieter und ihre Produkte

Der ersten Generation lassen sich etwa die Produkte "Open FT" von Siemens-Nixdorf, München, und "Interpel" der Evosoft GmbH, Nürnberg, zuordnen. Beide sind primär auf den Transfer von Daten ausgerichtet und hier entsprechend leistungsfähig. Applikationsintegration und vor allem zentrale Steuerung sind hier weniger ausgeprägt. Open FT ist vor allem dann interessant, wenn man es als Modulset zur Integra- tion in eigene Applikationen nutzt. Ähnlich wie die SNI-Software beeindruckt auch das Evosoft-Produkt durch die enorme Plattformvielfalt. Allerdings muß in beiden Fällen das Vollprodukt auch auf jedem beteiligten Rechner installiert sein. Sowohl OpenFT als auch InterPEL fallen durch einen günstigen Anschaffungspreis auf.

- DTMS der zweiten Generation befassen sich darüber hinaus mit den Problemen der Datenkonvertierung. Neben der Datenlogistik stehen jetzt auch entsprechende Automationsfunktionen zur Verfügung. Hierzu greifen die Hersteller meist auf frei programmierbare Systembestandteile in Form von Scripting-Umgebungen zurück. Diese Generation zeichnet sich zudem durch Programmier-Schnittstellen aus, die eine enge Integration mit anderen Applikationen ermöglichen. Mangelnde Prozeßorientierung und unflexible Benutzer-Schnittstellen schränken das Einsatzspektrum bei den Integrationsaufgaben jedoch stark ein. Dieses Problem verschäft sich durch meist schlechte Wartbarkeit und fehlende Dokumentationsmechanismen.

Der Löwenanteil der Produkte gehört der zweite Generation an. Darunter befindet sich "Remoteware" von "Xcellenet", das sich vor allem für die Unterstützung mobiler Mitarbeiter eignet. Zudem arbeitet Xcellenet mit Anbietern von System-Management-Software zusammen. Auf einen Kommunikations-Server werden dabei Funktionsmodule aufgesetzt, die jeweils spezialisierte Aufgaben erfüllen.

Auch die Systematik-Datentechnik GmbH, Borchen, liefert mit "IFMS" ein reifes Produkt der zweiten Systemgeneration, das gute Referenzen vorweisen kann. Als Besonderheit wird eine Web-Anbindung geboten. Gestützt auf konventionelle Datenbankfenster erlaubt IFMS hauptsächlich eine Automatisierung der Datenlogistik.

Das Produkt "Open SCS" von Siemens-Nixdorf ist noch relativ neu und zeichnet sich im wesentlichen durch seine Kommunikationsfunktionen aus. Seine Stärken liegen im SAP-Umfeld: Es ist primär auf SAP-R/3-Retail ausgerichtet und erlaubt die Verknüpfung von POS-Systemen mit R/3-Funktionen. Der Hauptkonkurrent ist hier IBMs "Retail Inter- change", das den Fokus ebenfalls auf die Unterstützung von SAP-R/3-Retail setzt.

Zwei weitere große Mitspieler mit sehr jungen Produkten sind "Retail Systems" von ICL Düsseldorf und von der Icoss VAN GmbH, Aachen. Beide haben kundenspezifische Individualprogrammierungen zu Standardprodukten weiterentwickelt. ICL hat seinen Schwerpunkt klar im Handel und schafft mit "DACS" eine Lösung, die sich komplementär in das POS-Hard- und Softwareprogramm des Herstellers eingliedert. Ikoss Van ergänzt mit "Poseidon-DCS" seine Poseidon-Produktfamilie, die sich vor allem im Bereich der Zahlungssysteme und Customer Loyality Systems positioniert. Beide Systeme konnten leider nur auf dem Papier begutachtet werden, so daß die Marktreife nicht beurteilt werden kann.

- Die Produkte der dritten Generation setzen auf grafische, prozeßorientierte Programmier-Tools und leistungsstarke Monitoring-Systeme. Dazu gehört auch die Einbindung moderner Programmiersprachen und externer Anwendungen. Offene Programmier-Schnittstellen (APIs) sind hier ein wichtiges Kriterium.

Um einfache Bedienung zu gewährleisten, verfügen die modernsten dieser Systeme über leistungsfähige, grafische Benutzeroberflächen: Sie sind die Schnittstelle zur integrierten Entwicklungsumgebung und dienen als Kontrollkonsole bei der Überwachung der Datentransfer- und -verarbeitungsprozesse. Erst mit solchen Oberflächen läßt sich die Idee eines Prozeßleitstandes verwirklichen. Die Systeme sind voll auf die Automatisierung der Abläufe ausgerichtet - hohe Fehlertoleranz und flexible Alarm- und Recovery-Funktionen sind daher weitere wichtige Systemeigenschaften.

Zu dieser Kategorie zählen, soweit uns das bekannt ist, derzeit nur zwei Produkte. "Prisma" von der Nova Data AG, Karlsbad- Ittersbach, hat seinen Einsatzschwerpunkt im Banken- und Versicherungsbereich. Die Einrichtung und Wartung des Systems wird durch die grafische Oberfläche für Programmierung und Prozeßsteuerung stark vereinfacht. Die Erweiterungen in Richtung Internet und die auf Banken zugeschnittenen Sicherheitsfunktionen machen einen guten Eindruck. Allerdings spiegelt sich die Kundengruppe auch in der Preisgestaltung wider. Das Zusatzprodukt "Nova Fokus" bietet zusätzliche Remote-Wartungsfunktionen.

Ein weiterer Vertreter dieser Gruppe ist das Produkt "Frends" von Enterprise Systems, Frankfurt. Seine Stärken liegen im Bereich der Systemintegration und in der Vielzahl der unterstützten Kommunikationsplattformen. Im Punkt Skalierbarkeit und der Möglichkeit der verteilten Installation auf bis zu 100 Servern profitiert es von einer modularen Architektur. Außerdem wird symmetrisches Multiprocessing unterstützt. Entscheidender Vorteil ist die Bedienungsoberfläche, die auf Basis grafisch visualisierter Prozesse arbeitet. Frends setzt damit den Gedanken der geschäftsprozeßorientierten Steuerung auf die technischen Abläufe zwischen Front- und Back-end-Systemen ganzheitlich um.

Klaus Fochler ist Geschäftsführer der Fochler Consulting GmbH, Frankfurt/M.