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05.10.1984

Unter Philistern

Die "deutsche Antwort auf amerikanische Computertechnologie" war die Kölner BCT in ihren eigenen Firmenbroschüren. Zitat: "BCT hat etwas gegen die Philister unter den Computer-

Anbietern." Wer da spießbürgerlich sein sollte, enthüllte der BCT-Prospekt freilich nicht.

"Am ersten Tag ausverkauft" (CW Nr. 11 vom 9. März 1984) waren die von der Münchner Portfolio Management (PM) im Frühjahr 1984 emissionierten BCT-Vorzugsaktien.

Jetzt klagt BCT-Vorstandsmitglied Werner Dieck über "negative" Berichte in der Wirtschafts- und Fachpresse, spricht in einem Beitrag dieser Ausgabe (Seite 4) von einem "Teufelskreis", der zu der schwierigen Unternehmenssituation geführt habe. Die "schwierige Situation": BCT konnte die Gehälter nicht zahlen, mußte Vergleich anmelden.

Was macht die BCT-Angelegenheit so bemerkenswert? Nun, abgesehen davon, daß es ein Genuß ist, Diecks Schuldzuweisungsversion zu lesen - besonders aufregend darin sind die Erklärungen des Vorstandes aber eine "starke Investitionstätigkeit des Hauses im Hinblick auf schnelle Erträge". Diesen Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Es ist naheliegend, daß sich Journalisten für ein DV-Unternehmen interessieren, wenn Tatsachen über offensichtliches Mißmanagement bekannt werden. So geschehen im Falle BCT, als mit der britischen ACT der Lieferant des populären Mikrocomputers "Apricot" ausstieg und BCT die Marktteilnehmer über die Hintergründe der Scheidung im unklaren ließ.

Als Interessenten für das David-Erbe, nämlich das Händlernetz der Stuttgarter, haben die BCT-Manager auch nicht gerade sehr geschickt operiert (CW Nr. 28 vom 6. Juli 1984, Seite 1: "BCT rangelt mit Ericsson um David-Nachlaß"). Wer, wie die BCT-Spitze, von "deutscher Gründlichkeit" spricht - (ebenda Firmenbroschüre, siehe oben) und gleichzeitig in fremden Revieren wildert, der darf sich nicht wundern, wenn der Wachhund "Presse" Laut gibt.

Nein, die Kölner sind nicht über Fallstricke gestolpert, die "böse" Journalisten gespannt haben. BCT wurde das Opfer der eigenen Produkt- und Marketingpolitik.

Wir haben etwas gegen DV-Industrielle, die zu dick auftragen, gegen Verantwortliche in der Computerbranche, die Verantwortung indes für die Anwender, aber auch für die eigenen Mitarbeiter nicht übernehmen wollen. Und wir sind bereit, Roß und Reiter zu nennen - wie im Falle BCT, aber auch in jedem anderen.