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Wer nur auf den Preis schaut, ist kurzsichtig


26.06.1992 - 

Unter Unix zwar weniger, aber bessere Lösungen als bei MS-DOS

Ob eine Anwendung auf DOS oder auf Unix aufsetzen sollte, ist nicht nur eine Frage der Kosten für Hardware, Softwarelizenzen und Netzleitungsmeter. Alfred Berlich* geht über solche Überlegungen hinaus und fragt am Beispiel eines DV-gestützten Auftragswesens nach der Leistungstiefe, die Applikationen bei diesen Betriebssystemen mitbringen können.

Wer einen PC im Unternehmen hat und nun Aufträge verwalten, Angebote verfolgen, Kostenvoranschläge berechnen und fakturieren möchte, sieht sich einem fast unübersehbaren Angebot an Lösungen für MS-DOS-Systeme gegenüber. Entsprechende Anbieter setzen zwei Vorteile werbewirksam ein: DOS ist relativ unkompliziert und läßt sich mit Windows als Aufsatz auch noch reizvoll und bequem nutzen.

Solche Anwendungsprogramme sind in der Regel ansprechend gestaltet und einfach zu bedienen. Vor allem sind sie meist nicht sehr teuer. Soll zudem noch andere Software, von der Textverarbeitung bis zur Finanzbuchhaltung, eingesetzt werden, kann das Preisargument an Gewicht gewinnen. Wer vor allem auf den Preis schauen muß, wird wohl zur DOS-Lösung tendieren.

Billige Massenprodukte schränken Anwender ein

Die Nachteile einer solchen Lösung treten oft erst dann zutage, wenn die Anwendung im Einsatz ist oder auch erst, wenn das zu bewältigende Geschäft gewachsen ist. Die meisten DOS-Anwendungen sind eben deshalb so billig, weil es standardisierte Massenprodukte sind, die vom Anwender verlangen, daß er sein Vorgehen den Abläufen des Programms anpaßt.

Bei einer Textverarbeitung oder einer Tabellenkalkulation ist das nicht so gravierend. Bei einer Finanzbuchhaltung schon eher, immerhin gibt es da aber noch Standards. Wie sieht es jedoch bei Programmen zur Auftragsabwicklung aus? Hier muß das Programm den bestehenden betrieblichen Abläufen entsprechen. Wohl dem, der in diesem Fall eine Standardlösung von der Stange findet.

Schwerer noch wiegt ein Nachteil, der im Betriebssystem DOS selbst begründet liegt. Dies ist nun, einmal ein Ein-Platz-System, das durch Windows zwar multitasking-, nicht aber mehrbenutzerfähig ist. Will man mit mehreren Benutzern am System arbeiten, muß man schon den Aufwand einer Netzwerkinstallation betreiben. Derlei ist nicht billig, und Software,

die netzwerkfähig ist, kostet auch mehr. Wem der Preis nicht alles ist, wird eher über die Anforderungen nachdenken, die eine DV-Lösung im allgemeinen und ein Programm für die Auftragsabwicklung im besonderen erfüllen muß.

Eine wichtige Anforderung wurde bereits genannt: die Mehrbenutzerfähigkeit. Schon kleine Dienstleistungsbetriebe stoßen schnell an die Grenzen einer DV-Lösung, die es nicht ermöglicht, daß mehrere Leute zugleich denselben Datenbestand bearbeiten.

Auch darf ein Ausfall des Systems, aus welchen Gründen auch immer, nicht dazu führen, daß Daten halbverarbeitet im Datenbestand stehen und bestenfalls unbrauchbar, schlimmstenfalls aber Quelle schwerwiegender Fehlfunktionen sind. Nur eine konsequente Transaktionssicherung, die nicht abgeschlossene Verarbeitungsvorgänge zurücksetzt und wieder einen konsistenten Datenbestand herstellt, kann dies verhindern.

Ob eine Software solchen Anforderungen genügen kann, hängt meist nicht vom guten Willen der Entwickler, sondern vor allem von der Leistungsfähigkeit des Betriebssystems und der Entwicklungswerkzeuge ab, mit dem sie hergestellt wurde. Wie sicher, anwendungsfreundlich und an spezielle Bedürfnisse anpaßbar ein Programm ist, liegt wesentlich in den Vorzügen und Grenzen des Entwicklungssystems begründet. An dieser Stelle treten einige Fragen auf: Ist dieses System offen, indem es zum Beispiel nicht mit eigenem Datenformat arbeitet, sondern mit beliebigen Datenbanken kooperiert, vorzugsweise nach dem SQL-Standard? Gestattet es die Entwicklung von Anwendungen, die von Benutzern unterschiedlicher Sprache bei gleichem Datenbestand bedient werden können? Diese Anforderung dürfte in Europa von wachsender Bedeutung sein.

Fördern das Basissystem und seine Werkzeuge ferner die modulare Entwicklung von Anwendungssystemen, so daß sich diese ohne großen Aufwand an spezielle Bedürfnisse des Anwenders anpassen lassen? Bietet das System die Grundlagen für einen konsequenten Daten

schutz, indem es Verfahren der Zugriffsverwaltung bereitstellt? Erlaubt es eine flexible und leistungsfähige Druckersteuerung?

Diese allgemeinen Anforderungen an eine Softwarelösung sind von fundamentaler Bedeutung. Sie sind für das Unternehmen, das sich auf die Funktionsfähigkeit der Software verlassen muß, überlebenswichtig.

Daneben ist eine grafische Benutzeroberfläche ein - zugegebenerweise reizvolles - Beiwerk. Eine unter Unix entwickelte Software wird heute in der Regel eine grafische Benutzeroberfläche bieten. Die dafür erforderlichen Hardware-Ressourcen können freilich das übersteigen, was ein PC bieten kann. Damit verteuert sich das System enorm, wenn der Benutzer nicht ständig die Sanduhr betrachten soll.

Es gibt viele Wege zum Anwenderfreundlichkeit

Anwenderfreundlichkeit läßt sich indes auch mit eine zeichenorientierten Oberfläche erreichen. Eine klare Menüstruktur, Fenstertechnik, Hotkeys und 4 Auswahllisten seien hier stellvertretend für eine große Anzahl von Möglichkeiten genannt, die ein Programm mit zeichenorientierter Oberfläche leicht bedienbar und effektiv machen können. Zeichenorientierte Unix-Anwendungen verbieten es nicht per se, mehrere Funktionen einer Anwendung gleichzeitig an einem Bildschirm zu nutzen.

Jede Softwarelösung steht aber auch unter Anforderungen, die von der besonderen Aufgabe herrühren, die sie erfüllen soll. Es gibt im DOS-Bereich eine ganze Reihe recht einfach gestrickter Anwendungen, die es erlauben, Aufträge aufzunehmen, zu fakturieren und eine Kundenkartei zu verwalten .

Mehr als elementare Grundfunktionen nötig

Ein professionell nutzbares Auftragswesen muß jedoch mehr als die elementaren Grundfunktionen erfüllen. Und es muß bereits in der Gestaltung der grundfunktionen Abläufe und Strukturen anbieten, die der Komplexität des Gegenstandes gerecht werden. Hierzu einige Beispiele:

Aufträge können von sehr unterschiedlicher Art sein. Es gibt Verkaufsaufträge, Serviceaufträge, Wartungsverträge, Rahmenaufträge mit Abrufen und Leasinggeschäfte. Jede dieser Auftragsarten erfordert die Verfolgung und Abwicklung ganz eigener Vorgänge. Oft hängen an Aufträgen der einen Art Aufträge der anderen, zum Beispiel ein Wartungsvertrag an einem Verkaufsauftrag.

Ein Verkauf muß von der Anfrage beziehungsweise der Angebotskalkulation bis zur Fakturierung und den Folgegeschäften bei Wartung und Service verfolgbar sein. Eine Reparatur ist vom Eingang des defekten Geräts, einem eventuellen Kostenvoranschlag, über alle Stationen der Reparatur, wie zum Beispiel Ersatzteilbeschaffung und Versand an den Hersteller, bis hin zur Rechnungsstellung zu verfolgen. Leasing- und Wartungsverträge haben wiederum ihre eigenen Abläufe.

Eine Auftragsbearbeitung muß nicht mit allen Auftragsarten gleich intensiv umgehen können. Sie sollte aber dem Umstand gerecht werden, daß derjenige, der sie einsetzt, selten nur eines der genannten Geschäfte betreibt. Sie hängen oft zusammen, und es besteht die Tendenz, mit dem einen Geschäft auch das andere zu betreiben. Wer repariert wird auch Ersatzteile verkaufen. Wer Waren verkauft, wird oft auch reparieren und Wartungsverträge anbieten. Wer verkauft, wird häufig auch Leasing-Geschäfte betreiben.

Der Schritt zu Unix zeugt von Weitsicht

Doch nicht nur die Vielfalt der Geschäfte und die ihnen eigenen Abläufe sind Kriterien für die Qualität eines Auftragswesens. Andere Gesichtspunkte können ebenso wichtig sein:

- Gibt es materialwirtschaftliche Komponenten mit Bestandsführung, Mehrlagerfähigkeit, Bestellwesen, Inventur, Stücklistenverwaltung, Lieferantenverwaltung etc.?

- Gibt es verschiedene Rechnungsarten wie Einzelrechnung, Sammelrechnung und Garantieberechnung an Hersteller?

- Lassen sich mehrere Einkaufs- und Verkaufspreise differenziert verwalten?

- Gibt es Auswertungen, die jederzeit Auskunft über den Geschäftsverlauf, über Umsatz, Artikelumschlag etc. geben?

An diesen Kriterien müssen sich Anbieter einer Software für das Auftragswesen messen lassen.

Eine Unix-Lösung hat sicher ihre Nachteile: Sie braucht eine teurere Hardware-Grundlage - wenn auch in Addition der Netzwerkkosten ein DOS-System schnell in vergleichbaren Preisregionen ist. Unix ist ein komplexeres und damit weniger leicht zu bedienendes Betriebssystem. Allerdings vollzieht sich hier eine rasante Entwicklung. Anwendungsprogramme mit grafischen Benutzeroberflächen sind jedoch noch nicht so weit gediehen wie unter DOS und Windows.

Nimmt man aber in Augenschein, worauf es bei der Einführung einer DV-Lösung vor allem ankommt, nämlich Funktionalität, Sicherheit und Anpassungsfähigkeit, sticht Unix als Betriebssystem mit seinen Entwicklungswerkzeugen und den angebotenen Softwarelösungen DOS aus.