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01.09.1989

Unternehmen brauchen keine Datenbanken, sondern Lösungen

Michael Bauer, Geschäftsführer Informatik Training GmbH, Radolfzell

Die Entscheidung für ein DB-System gilt heute allgemein als strategisch. Durch die Hersteller propagiert, hat sich diese Ansicht inzwischen auch in den Anwenderkreisen durchgesetzt - nicht zuletzt gefördert durch Marketing-Kampagnen von seiten der DV-Industrie.

Doch, ist diese Einstellung eigentlich richtig? Haben Datenbanksysteme wirklich einen

so hohen Stellenwert? Aus der Sicht des Unternehmens, für das die Datenverarbeitung ja eine Servicefunktion darstellt, steht fest: Unternehmen benötigen keine Datenbanksysteme - Unternehmen benötigen Lösungen!

Inwieweit haben uns Datenbanksysteme den benötigten Lösungen näher gebracht? Wie wirken sie sich auf die Produktivität der Anwendungsentwickler aus? Die Praktiker wissen inzwischen, daß ein Datenbanksystem als solches weder den Aufwand noch die Entwicklungszeit für Anwendungen merklich beeinflußt. Das gilt für die "klassischen" Datenbanksysteme wie zum Beispiel IMS, UDS oder IDMS, aber ebenso für die "modernen" relationalen Systeme.

Vergleiche belegen, daß sich auch mit SQL die Programmierlogik und der Codieraufwand gegenüber IMS nicht wesentlich geändert haben. Zumindest, wenn man noch mit Sprachen der dritten Generation wie Cobol oder PL/ 1 entwickelt.

Und an dieser Stelle liegt der Ansatzpunkt. Nicht die Datenbanksysteme, sondern

Sprachen und Tools für die Anwendungsentwicklung bringen den Unternehmen die Chance, schneller zu den benötigten Lösungen zu kommen. Sprachen der vierten Generation oder Programmgeneratoren, die die Programmier- und Testphase verkürzen, sowie CASE-Tools, die Analyse und Design systematisieren - das sind die Produkte, die den Nutzen bringen.

Vielfach herrscht noch die Vorstellung vor, daß es zunächst gilt, sich für die richtige

Datenbank zu entscheiden, bevor man die dafür geeigneten Werkzeuge auswählen kann. In Analogie zum Haus wird die Datenbank gleichsam als Fundament angesehen, das alles andere trägt; die Tools entsprechen hier den Mauern, die auf der gesicherten Basis ruhen. Doch dieses Bild ist falsch. Ganz im Gegenteil zu Cobol oder PL/1 können Sprachen der vierten Generation und Programmgeneratoren eine Unabhängigkeit von Datenbanksystemen schaffen - selbst, wenn diese noch kein SQL "sprechen".

So bieten beispielsweise 4GL-Produkte wie Natural, CSP oder Mantis die Möglichkeit, Anwendungen zu entwickeln, die unabhängig davon laufen, ob sie konventionelle Dateien, hierarchische Datenbanken oder relationale Tabellen verarbeiten. Sicherlich haben nicht alle angebotenen Produkte den gleichen Grad an DBMS-Unabhängigkeit. Aber es ist bewiesen, daß sich dieses Ziel erreichen läßt, und der Entwicklungstrend bei den Herstellern geht in diese Richtung.

Was bedeutet das für die Anwender? Ganz einfach: Wenn Datenbanksysteme beliebig - auch nachträglich - gewechselt werden können, weil keine Anwendungsprogramme

mehr von ihnen abhängig sind, sinkt auch die Bedeutung einer Datenbankentscheidung. Sie wandelt sich von einer strategischen wieder zu einer operativen Entscheidung, weil sie keine weitreichende und langwierige Bindung zur Folge hat. Aber dafür machen sich die Anwender von den eingesetzten Tools abhängig.

Denn soll das Tool gewechselt werden, ist der Input, den man für eine Sprache der vierten Generation, einen Programmeditor oder ein CASE-Tools geschaffen hat, verloren. Aber genau in diesem Input stecken die Arbeit und die Gedanken vieler Mitarbeiter und Jahre; hier ist es die Investition, die es zu retten gilt. Damit wird die Entscheidung, auf was sich die Anwendungsentwicklung abstützt, zum eigentlichen strategischen Moment.

Da mag mancher Anwender zurückschrecken und sich doch lieber dem klassischen Cobol oder PL/ 1 anvertrauen. Doch auch dieser Weg führt zur Abhängigkeit. Denn wer programmiert schon "nacktes" Cobol oder PL/ 1? Um sich von trivialem Coding zu befr--- oder um wiederkehrenden Funktionen abzudecken, haben sich viele Anwender Programmrahmen, Copy-Strecken, generalisierte Steuerprogramme und Bibliotheken mit Unterfunktionen geschaffen.

Aus eigener Werkstatt stammen Hilfefunktionen, Tabellenverwaltung, Maskengenerator, Blätterfunktionen, automatische Eingabeprüfungen, dynamischer Maskenaufbau und vieles andere mehr. Besonders komfortable und flexible Systeme nähern sich schon der Mächtigkeit einer 4GL. Doch zugleich binden sich diese Anwender an die Entwickler aus dem eigenen Hause, an deren Existenz und deren Entwicklungsgeschwindigkeit.

Jeder Schritt vorwärts in der Produktivität der Anwendungsentwicklung ist zugleich ein Schritt in die Abhängigkeit, sei es von den eigenen Entwicklern oder von Softwareherstellern. Trotzdem muß er getan werden; denn die Unternehmen benötigen Lösungen. Und das möglichst bald.