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21.01.2000 - 

Virtuelles Arbeiten steckt noch in den Kinderschuhen

Unternehmen haben bisher wenig Vertrauen in neue Arbeitsweisen

von Elisabeth Matheis* Über neue Arbeitsformen wird viel diskutiert. Allerdings sind die Unternehmen sehr zurückhaltend, wenn Bewerber sie beispielsweise auf flexible Arbeitszeiten ansprechen. Erst recht tun sie sich schwer, mit virtuellen Firmen zusammenzuarbeiten.

Stellt man die Idee der virtuellen Arbeit einer Zuhörerschaft vor, so trifft man auf allgemeine Zustimmung. Geistige Aktivitäten wie visionäres Denken, Inspiration, Kreativität und Ideen funktionieren am besten in einem entspannten, als angenehm empfundenen Arbeitsumfeld. Jeder sieht ein, dass man dieses Umfeld aber selten im hektischen Bürobetrieb findet. Kreativität ist nicht an die Stechuhr gebunden. Virtuelle Teams könnten sehr effektiv sein, zumal viele DV-Experten grundsätzlich gerne arbeiten.

Auch Unternehmer stimmen diesem zu, geben Arbeitnehmern gegenüber aber zu bedenken, dass die sogenannte virtuelle Arbeit, also die Tätigkeit im elektronisch vernetzten Home Office, nicht für jeden geeignet ist. Sie sind der Meinung, dass neben den fachlichen auch bestimmte persönliche Voraussetzungen dazu gehören: Eigenverantwortung, Eigeninitiative und auch eine gewisse Härte gegenüber sich selbst, die dazu befähigt, ohne äußeren Druck konzentriert und produktiv zu arbeiten. Als Nachteile werden auch erwähnt, dass der Kontakt zu Kollegen fehlt und es zu einer Isolation im beruflichen Umfeld kommen kann.

Für diejenigen Arbeitnehmer aber, denen es dennoch möglich ist, diese Arbeitsform zu wählen, ergeben sich auch viele Vorteile: keine Anfahrtswege, Arbeiten in der gewohnten Umgebung und zu frei wählbaren Zeiten.

Zwar wird das Home Office heute schon häufig genutzt, dies aber in der Überzahl von Männern in hochdotierten Jobs, die schon über längere Jahre in einer Firma tätig sind und für die die DV nur ein nützliches Hilfsmittel, jedoch nicht die Basis ihrer eigentlichen Tätigkeit darstellt.

Gibt es aber Firmen, die hoch qualifizierte Mitarbeiter neu einstellen und ihnen die Möglichkeit bieten, ihre berufliche Laufbahn mit einer virtuellen Tätigkeit fortzusetzen? Auch nach intensiver Recherche fand sich keine deutsche Firma, die erklärte, dass sie dazu bereit war. Jedoch nicht nur Einzelbewerber, sondern auch Unternehmen, die virtuelle Dienstleistungen anbieten, stoßen in Deutschland auf wenig Interesse.

Auch wenn man ihnen die Vorteile dieser neuen Arbeitsform wie

- keine festen monatlichen Personalkosten,

- Wegfall fixer Kosten wie Büromiete und -ausstattung,

- Zahlungsverpflichtung nur bei Auftragserfüllung (Werkvertrag),

aufzeigt, führt dies trotz des herrschenden Fachkräftemangels noch nicht zu einer ausreichenden Akzeptanz.

Interessenten an einer virtuellen Tätigkeit sind Frauen. Viele von ihnen sehen in dieser neuen Arbeitsform die einzige Möglichkeit, eine ihrer Ausbildung adäquate Tätigkeit auszuüben und ihre familiären mit ihren beruflichen Vorstellungen zu vereinbaren. Es gab in Deutschland noch nie so viele gut ausgebildete, hochqualifizierte Frauen wie zur Zeit. Gerade in der DV ist es aber nur schwer möglich, mehrere Jahre zu pausieren, da die Entwicklung mit Riesenschritten voranschreitet.

Bei den meisten Männern dagegen ist der Grund für das Interesse an einer virtuellen Tätigkeit die Verlagerung ihres Arbeitsplatzes. Sie möchten Arbeitsort und Arbeitszeit selbst bestimmen und ihre Kreativität nicht an bestimmte Uhrzeiten und Orte binden.

Trotz aller technischen Möglichkeiten hängen Führungskräfte jedoch noch einer traditionellen Auffassung von Arbeit an. Sie möchten Mitarbeiter, die vor Ort sind. Meistens wissen sie nicht, was Hightech im dezentralen Arbeiten leisten kann. So kommt eine innovative Arbeitsform in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nicht aus den Startlöchern.

Die meisten Firmen haben zwar Internet-Anschlüsse und eine eigene Homepage. Sie sind sich aber über die Nutzungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben könnten, nicht im Klaren. Arbeiten über das Internet ist in unseren Unternehmen noch etwas Neues, dem gegenüber man sich eher abwartend verhält.

Dies zeigt sich auch bei Ausschreibungen zu Projekten, die sich ausgezeichnet für virtuelles Arbeiten eignen würden. Sie werden oft auch bei trotz besserer Eignung des virtuellen Bewerbers lieber an Firmen aus der räumlichen Umgebung vergeben. Alle finden die Idee des virtuellen Arbeitens zukunftsweisend, aber jeder möchte die Pionierarbeit anderen überlassen.

*Elisabeth Matheis ist freie Journalistin in Neunkirchen im Saarland.