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31.03.2000

Unternehmen schielen nur auf das Diplom

MÜNCHEN (CW) - Für viele Diskutanten erklärt sich das Personalproblem der IT-Branche durch die Ansprüche der Arbeitgeber: Diese sind nicht nur hoch, sondern entsprechen auch nicht den Realitäten.

Martin W.: "Deutsche Firmen halten stark an den althergebrachten Anforderungen fest: Wer kein Diplom hat, wird als jemand angesehen, der nie einen Beruf gelernt hat. Es gibt aber viele, die aussagekräftige Zertifizierungen von Herstellern (Microsoft Certified Systems Engineer) und jede Menge Praxiswissen vorweisen können. Diese erhalten häufig pauschal Absagen."

Verena Lehrer, Datenverarbeitungskauffrau, die sich auch privat der Weiterbildung gewidmet hat (Fernstudium, MCSE), beklagt: "Wie soll man die entsprechenden Erfahrungen durch Training-on-the-Job bekommen, wenn die Firmen nicht bereit sind, Geld in Weiterbildung zu investieren und engagierte Menschen auf die Straße schicken? Man sollte erst einmal an der Haltung der Firmen feilen und diesen klarmachen, dass es reichlich Potenzial gibt, welches jedoch ausgeschöpft und ausgebildet werden sollte."

Dass Anspruch und Machbarkeit manchmal weit auseinanderklaffen, manifestiert sich überdeutlich in der Forumsdiskussion. Ernst Denert, Vorstandsvorsitzender des Münchner Softwarehauses sd&m, beklagt: "Die Leute, die wir brauchen, sind die, die sich heute überlegen, eine Internet-Company zu gründen und in drei Jahren an die Börse zu gehen." Hierzu der Diplominformatiker Jürgen Friedrich: "Hier liegt ein klassisches Paradoxon vor: Sie suchen genau die Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Qualifikation und ihres Unternehmergeistes gerade nicht bei einem etablierten Softwarehaus anfangen möchten." In diesem Zusammenhang schildert er folgende Begebenheit: "Vor zirka anderthalb Jahren hat mir eine Vermittlungsagentur unter anderem eine Stelle bei der sd&m vorgeschlagen. Die Vergütung lag jedoch deutlich unter der Vergütung vergleichbarer Stellen. Meinen Sie nicht, dass bei solchen Kriterien die Suche bei jeder Arbeitsmarktsituation ausgesprochen schwierig sein wird? Auch der Diplomingenieur Ernst Lubey hält das Anspruchsdenken der Arbeitgeber für unangemessen: "Ich kenne im Bereich der Anwendungsentwicklung bei Banken und Versicherungen kein Informatiker-Arbeitsfeld, das nicht mit den Grundrechenarten der Volksschule prächtig auskommen würde." Er relativiert die Bedeutung eines Diploms: "Was soll diese ständige Überbetonung der Mathematik für Informatiker zum Beispiel an der TU München, deren Niveau in etwa dem Vordiplom für Nachrichtentechniker entspricht?"

Auch andere Wortmeldungen betonen die Inkompatibilität der Ansprüche von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Stephan F.: "Das Problem liegt darin, dass sich Anforderungsprofil und Qualifikationsprofil nicht entsprechen. Gesucht wird nicht der hochqualifizierte IT-Spezialist, sondern der hochflexible, superbelastbare IT-Experte, der nicht an Arbeitszeiten und Einsatzort denkt, sondern jede befristete, gut bezahlte Arbeit in diesem Bereich macht und nach getaner Arbeit wieder verschwindet. Sicherheit, lebenslange Anstellung und das Bedürfnis nach einer ,Stelle'' sind nicht gefragt und meist inkompatibel mit Anforderungen der Wirtschaft. Die sucht einen Typ von Arbeitnehmer, wie es ihn anscheinend in Indien oder einigen osteuropäischen Ländern gibt."