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12.01.2001 - 

Interview

"Unternehmen sollen sich um ihr Geschäft kümmern"

Mit Irving Wladawsky-Berger, IBMs Vice President für Technologie und Strategie im Bereich Server, sprach Ephraim Schwartz von der CW-Schwesterpublikation "Infoworld"

CW: Nach den Prognosen eines IBM-Managers sollen in absehbarer Zeit zwei Drittel aller E-Commerce-Transaktionen über ein drahtloses Netzwerk ausgeführt werden. Wird sich IBM mit der Rolle des Infrastruktur-Lieferanten zufrieden geben oder direkt aktiv werden?

Wladawsky-Berger: In gewisser Weise übernehmen wir die Klempnerarbeiten. Ich würde uns als Versorger bezeichnen. Im Hinblick auf die Technologie, sprich: Hard- und Software sowie Dienstleistungen, ist IBM weltweit führender Versorger. Wir bereiten die Thunfisch-Sandwiches zu, nach denen es alle gelüstet. Applikationen im Wireless-Umfeld werden unserer Ansicht nach immer wichtiger. Im Grunde erweitert IBM die Fähigkeiten des Web um die Wireless-Unterstützung, was bereits einen sehr großen Teil der damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten abdeckt.

CW: Demnach halten Sie die kürzlich angekündigte Ergänzung von "Websphere" um eine Wireless-Komponente, die Unternehmen via Hosting angeboten werden soll, für eine bedeutende Geschäftsmöglichkeit?

Wladawsky-Berger: Unternehmen sollten sich um ihr Geschäft kümmern. In der Vergangenheit bastelte sich so manch einer seine eigene Software zusammen. Heute haben die meisten Firmen allerdings erkannt, dass es nicht sinnvoll ist, sich parallel zum eigentlichen Business als Softwareunternehmen zu betätigen. Sie erwerben und nutzen daher die Lösungen anderer. Das ist auch besser, wenn man rund um die Uhr ein Internet-Geschäft betreiben will mit seinen schwer kalkulierbaren Anforderungen an Rechenleistung und Sicherheit.

CW: Glauben Sie, dass das Fehlen eines standardisierten mobilen Netzwerks in den USA Handel und Wachstum beeinträchtigen wird?

Wladawsky-Berger: Ohne Zweifel hat sich Europa mit der Konzentration auf GSM (Global Systems for Mobile Communications) einen Vorsprung verschafft, während wir GSM, CDMA (Code Division Multiple Access) sowie TDMA (Time Division Multiple Access) und andere Übertragungsstandards haben. Wir bewegen uns derzeit noch im Anfangsstadium des Wireless-Zyklus und werden diese Probleme innerhalb der nächsten Jahre bewältigen.

CW: Werden die USA nicht noch weiter zurückfallen, wenn es an die Mobilfunktechnik der dritten Generation geht?

Wladawsky-Berger: Das ist tatsächlich eine ernste Angelegenheit. Wir müssen hier besser werden. Die Pitac (President''s Information Technology Advisory Committee) will hierzu eigens ein Wireless-Gremium ins Leben rufen. Bis es so weit ist, kann es jedoch noch etwa sechs Monate dauern. Und wenn Sie die Ankündigung unserer neuen Drahtlos-Dienstleistungen ansehen: Die meisten unserer Pilotprojekte und Kunden befinden sich außerhalb der USA. In Europa und Asien entwickelt sich der Bereich einfach schneller.

CW: Das Business übers Internet verändert bekanntlich die gängigen Geschäftsabläufe. Ist zu erwarten, dass der drahtlose Datentransfer diese Prozesse nun erneut einem Wandel unterzieht?

Wladawsky-Berger: In ihrer einfachsten Form ist die Wireless-Unterstützung eine Erweiterung der herkömmlichen Infrastruktur. So wie es sich bei einem PC, der mit einem Internet-LAN verbunden war, um eine - allerdings höherwertige - Erweiterung handelt. Nun gibt es eine Vielzahl neuer Geräte. Und plötzlich ist jedes Auto, jeder Fernseher und jedes Telefon Internet-fähig. Das wird Unternehmen dazu veranlassen, ihre Prozesse neu zu überdenken. Nun stehen zusätzliche Wege zu Verfügung, über die sich Arbeitnehmer, Partner sowie Kunden erreichen lassen.

CW: Noch immer versuchen Wirtschaftsexperten zu eruieren, ob wir uns tatsächlich in einem neuen Wachstumszeitalter befinden. Wird der E-Commerce die Produktivität steigern?

Wladawsky-Berger: Generell steigert das E-Business die Produktivität eines Landes - sowohl in der Herstellung als auch im Dienstleistungssektor. Die industrielle Revolution hatte große Auswirkungen auf die Produktion, veränderte die Serviceindustrie jedoch eher geringfügig. Den Einfluss auf den Dienstleistungssektor sehen wir jetzt. Das Wachstum, das wir erlebt haben, ist keine Luftblase.