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03.11.2000 - 

Interwoven-Chef Martin Brauns im Gespräch mit der CW

"Unternehmen wollen flexible Content-Management-Systeme"

MÜNCHEN - Das US-Unternehmen Interwoven, ein Anbieter von Web-Content-Management-Software,Sunnyvale, Kalifornien, will seine Aktivitäten auf dem europäischen Markt ausbauen. Mit President und CEO Martin Brauns sprach CW-Redakteur Frank Niemann.

CW: Wie viele Kunden haben Sie hier in Europa?

Brauns: Wir fangen erst an. Allerdings setzen viele international agierende Firmen unsere Software ein, die auch in Europa vertreten sind. Zu den deutschen Kunden zählen beispielsweise die Deutsche Bank und Metro.

CW: Setzen diese Firmen Interwovens "Teamsite" als Entwicklungsplattform für ihre Intranets, Extranets und Marktplätze ein, oder nehmen sie die Software und passen sie nur an ihre Bedürfnisse an?

Brauns: Teamsite ist eher eine Entwicklungsplattform, mit der Firmen komplexe Web-Anwendungen erstellen, die Workflow und Versionskontrolle erfordern.

CW: Handelt es sich dabei also eher um ein Content-Management-Framework?

Brauns: Ja. Sie können Web-Inhalte mit den Design-Tools Ihrer Wahl in Teamsite einbringen. Unsere Software lässt sich dann mit den E-Commerce-Lösungen, Personalisierungssystemen und Applikations-Servern von Drittherstellern integrieren. Am ehesten können Sie Teamsite mit einer Datenbanksoftware vergleichen, die sich ja ebenfalls mit den Programmen anderer Softwarefirmen verknüpfen lässt.

CW: Aber einige Design-Tool-Hersteller, wie beispielsweise Allaire und Netobjects, bieten ebenfalls Web-Content-Management-Lösungen an.

Brauns: Große, international agierende Firmen nutzen nicht weniger als 17 E-Business-Applikationen. Was wir zur Verfügung stellen ist eine Content-Management-Plattform, mit der sie Inhalte über verschiedene E-Commerce-Anwendungen hinweg verwalten können.

CW: Anbieter wie Broadvision und Vignette können ihren Kunden E-Commerce- und Content-Management-Funktionen aus einer Hand liefern.

Brauns: Ich denke, dass große Firmen flexible Lösungen wollen. Cisco beispielsweise setzte für das One-to-one-Marketing zunächst Broadvision ein, schwenkte dann um auf ATG, um schließlich bei BEA zu landen. Der Content-Management-Unterbau ist aber nach wie vor unser Teamsite.

CW: Warum entwickeln immer noch sehr viele Firmen ihre Content-Management-Software selbst?

Brauns: Viele fingen an, den Bedarf für solche Lösungen zu erkennen, als es noch keine Content-Management-Systeme gab, die ihren Bedürfnissen genügten. Aber gerade das macht diesen Markt so interessant: Die Unternehmen legen sich dann Software zu, sobald sie realisieren, wie aufwändig die Pflege der selbstentwickelten Umgebungen ist.

Brauns: Nach unseren Erfahrungen fangen diese Unternehmen erst gar nicht an, eigene Software zu programmieren, sondern kaufen gleich eine Lösung und passen diese an. Übrigens legen insbesondere europäische Firmen dieses Verhalten an den Tag. Sie gehen mit besser durchdachten Konzepten ans Werk.

CW: Es gibt hierzulande eine Reihe von Firmen, die sich mit ihren Content-Management-Produkten aufgestellt haben. Wie schätzen Sie Ihre deutsche Konkurrenz ein?

Brauns: Das sind alles tolle Firmen. Unsere Kunden jedoch wollen Highend-Lösungen, daher haben viele Global Player unsere Software gewählt. Wir wissen schlicht und einfach mehr über dieses Business als Anbieter, die nur einen lokalen Markt bedienen.

CW: Erwächst Ihnen eine Konkurrenz durch die Anbieter von Applikations-Servern, falls diese dazu übergehen, Content-Management-Funktionen in ihre Produkte aufzunehmen?

Brauns: Die Applikations-Server-Anbieter haben inzwischen Probleme, sich voneinander zu unterscheiden. Wir sind aber bereits seit mehr als fünf Jahren in diesem Geschäft und haben daher einen gewaltigen Vorsprung vor jedem, der heute mit Content-Management anfängt.

CW: Als Marktführer im Content-Management gilt aber Vignette.

Brauns: Die haben einen anderen Ansatz. Sie sind im Vergleich zu uns eher ein Anbieter von Applikationen. Vignette will alle Funktionen mit seinen Lösungen abdecken. Offenbar möchten sie die SAP im Content-Geschäft werden. Die Firma fing an mit dem Content-Management-System "Storyserver" und entwickelte darauf eine Reihe von E-Commerce-Anwendungen. Sie haben jedoch ihr ursprüngliches Produkt nur wenig weiterentwickelt, das auf einem proprietären Repository basiert. Ich glaube aber, die Anwender akzeptieren den SAP-Ansatz heute nicht mehr.

CW: Planen Sie, eigene Applikationen für die Personalisierung oder das One-to-one-Marketing zu entwickeln?

Brauns: Absolut nicht, denn wir wollen unabhängig von Anwendungen sein, genauso wie die Datenbankhersteller. Wir überlassen es unseren Partnern, E-Commerce-Lösungen zu entwickeln. Es gibt noch viel zu tun im Bereich Content-Management - denken Sie an Metadaten, Content-Syndication (siehe CW 43/00, Seite 39, Anm. der Redaktion) oder das Aufbereiten von Inhalten für mobile Endgeräte.

CW: Denken Sie, dass Content-Management-Funktionen künftig Teil des Betriebssystems werden?

Brauns: Das glaube ich nicht. Es gibt nicht nur Windows im Internet, sondern auch Solaris und verstärkt auch HP-UX. Wir arbeiten sehr eng mit Microsoft zusammen und haben keine Anzeichen für eine solche Entwicklung bemerkt.

CW: Microsoft könnte dennoch auf die Idee kommen, solche Features in Windows 2000 oder seine Server-Systeme zu integrieren, ganz gleich, mit wem es kooperiert.

Brauns: Aber Microsoft ist kein Anbieter von Enterprise-Applikationen.

CW: Allerdings benötigt nicht jeder Anwender ausgefeilte Workflow-Funktionen, wenn beispielsweise seine Web-Abteilung nur aus fünf Leuten besteht. Diese Firmen haben oft nicht 300 000 Dollar für Ihr Teamsite übrig.

Brauns: Für diese Firmen haben wir gemeinsam mit Microsoft "Content Express" entwickelt. Die Software ist in dem E-Commerce-System "Commerce Server 2000" enthalten. Es ist eine abgespeckte Version unseres Teamsite-Produkts, in der einige Workflows bereits vordefiniert sind. Außerdem können PC-Benutzer über Microsofts Word Inhalte für die Website der Firma erzeugen, wobei im Hintergrund die Workflow-Prozesse unserer Software ablaufen. Das Ziel ist es dabei, möglichst viele Anwender im Unternehmen an der Erstellung von Content teilhaben zu lassen.