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Blitzumfrage unter personalsuchenden IT-Firmen


11.08.2000 - 

Unternehmen ziehen den Joker Green Card bisher zu selten

MÜNCHEN (CW) - Bis zum 4. August sicherte das Arbeitsamt 432 ausländischen IT-Fachkräften eine Arbeitserlaubnis zu. Eine Zahl, die angesichts von angeblich 75000 offenen Stellen und der vehementen Forderungen der Industrie nach der Green Card niedrig erscheint. Die CW hat bei den Firmen mit dem größten Personalbedarf nachgefragt, inwieweit sie IT-Profis über die Green Card einstellen.

In Nordrhein-Westfalen erhielten bislang 134 Personen eine Green Card, in Baden-Württemberg 81 und in Bayern 64. Dem gegenüber stehen etwa 19 500 ausländische Interessenten, die beim Arbeitsamt nachgefragt haben, und etwa 5500 Bewerber aus Nicht-EU-Staaten, die ihr Stellengesuch in die Datenbank des Arbeitsamtes eingetragen haben. Angesichts der zurückhaltenden Nachfrage von Seiten der Unternehmen kritisierte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel die Green-Card-Initiative bereits als Schnellschuss. "Die 75000 offenen IT-Stellen sind Phantasiezahlen", so Claus Eilrich, Sprecher der IG Metall. Aber selbst er kann nicht abstreiten, dass gut ausgebildete Fachkräfte in der Branche fehlen. Da dieser Bedarf nicht kurzfristig über die von den Gewerkschaften geforderten Ausbildungsprogramme gedeckt werden könne, habe man "der Green Card zähneknirschend zugestimmt".

Bitkom hält an 75 000 offenen Stellen festDer Bitkom-Verband hält dagegen an seiner Schätzung von 75000 offenen IT-Stellen fest. Eine Blitzumfrage der CW bei großen IT-Unternehmen zeigt, dass die meisten die Initiative begrüßen, auch wenn nicht alle in großer Zahl ihre neuen Mitarbeiter per Green Card rekrutieren möchten. Viele sehen es als eine weitere Möglichkeit an, das Genehmigungsverfahren bei geeigneten Bewerbern abzukürzen.

Dass die Firmen erst langsam in die Gänge kommen, zeigt das Beispiel Siemens. Obwohl der Konzern über 1500 offene Stellen im IT-Bereich hat, sind zum 1. August erst zwei neue Mitarbeiter mit der Green Card gestartet - und sie lebten vorher schon in Deutschland. Insgesamt hofft Siemens, 300 neue Mitarbeiter über die Initiative zu rekrutieren. Allerdings verkürzt sich der Bewerbungsprozess durch die neue Arbeitserlaubnis nicht entscheidend, da auch mit Bewerbern aus Nicht-EU-Staaten ein persönliches Vorstellungsgespräch geführt wird, begründet eine Unternehmenssprecherin den verhaltenen Start.

Bei der Siemens-Tochter Infineon laufen die Vorbereitungen für die Einstellung von Green-Card-Bewerbern auf Hochtouren. Laut Personalexperte Claus Brauner gibt es momentan einige hundert offene Stellen. Zunächst werde in den angehenden EU-Staaten wie Polen, Tschechien und Ungarn nach Kandidaten gesucht. Der Halbleiterhersteller möchte die so gewonnenen Mitarbeiter vor allem in der Forschung und Entwicklung einsetzen. IBM-Tochter Sercon konnte am ersten August bereits zwei neue Mitarbeiter aus Polen einstellen. Das Unternehmen inserierte in einer polnischen Fachzeitschrift. Von den 40 Bewerbungen suchten sich die Personalexperten 15 Interessenten aus, mit denen sie in Polen Vorstellungsgespräche führten.

Noch in diesem Jahr plant Sercon 500 weitere Neueinstellungen, die allerdings nicht alle per Green Card abgedeckt werden können. Neben dem geforderten Fachwissen nennen alle Firmen fundierte Englischkenntnisse und viele die Bereitschaft, die deutsche Sprache zu erlernen, als wichtiges Auswahlkriterium.

Bewerber müssen bereit sein, Deutsch zu lernenBei IBM in Stuttgart konnte bisher erst ein Green-Card-Bewerber aus Tunesien einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Zwar unterstützt das Unternehmen nach wie vor die Initiative als richtiges Zeichen für die Industrie; Big Blue erhofft sich allerdings wenige neue Mitarbeiter über die Aktion, da viele Bewerber die hohen fachlichen, sprachlichen und kulturellen Anforderungen nicht erfüllen könnten, so eine Sprecherin. IBM sucht in erster Linie neue Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich und Softwarevertrieb. Viele Stellen könne man durch internationale Auslandsaustauschprogramme besetzen.

Auch bei Microsoft hält sich die Begeisterung in Grenzen. Der Bedarf könne auch so gedeckt werden, heißt es. Dagegen ist die Strategie bei Hewlett-Packard klar: Das Unternehmen hat bereits 150 Green-Card-Anträge beim Arbeitsamt eingereicht. Bei der Akquise nutzt HP seine eigenen Ressourcen und die Stellenbörse des Arbeitsamtes. Erste Gespräche sind geführt. Die Vorauswahl der Bewerber wird zum größten Teil über Agenturen abgewickelt, zum Vorstellungsgespräch lädt HP die Bewerber nach Deutschland ein, damit sie die neue Arbeitsumgebung kennen lernen können.

Auch bei SAP gehört ein Vorstellungsgespräch in Walldorf zum Standard. "Die Bewerber müssen die Chance haben, sich von ihrer neuen Arbeitsumgebung und den Kollegen einen Eindruck zu verschaffen", so Hartmut Hillebrand, Leiter Personalbeschaffung und Betreuung bei SAP. Eine genaue Zahl der Stellenangebote und der beantragten Green Cards wollte Hillebrand allerdings nicht nennen. Debis und seine Tochterunternehmen planen dagegen, zwischen 100 und 500 neue Mitarbeiter über die Green Card einzustellen.