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26.03.1999

Unternehmenserfolg von CA ist mit Unicenter verknüpft

Mit Sanjay Kumar, Chief Operating Officer und President von Computer Associates (CA), sprach CW-Redakteur Christoph Witte.

CW: Computer Associates wird immer stärker mit dem Produkt "Unicenter" assoziiert. Bedeutet das, daß die anderen Produktbereiche an Wichtigkeit verlieren?

Kumar: Wenn die Leute an CA denken, denken sie gleichzeitig an Unicenter. Das ist nicht schlecht. Deshalb haben unsere anderen Produkte aber keineswegs an Bedeutung verloren. Man kann ja auch nicht sagen, daß Microsoft nur aus Windows besteht.

CW: Aber Windows ist der Bereich, in dem Microsoft das meiste Geld verdient.

Kumar: Das verhält sich bei CA und Unicenter genauso (lacht). Aber wenn uns das dazu verleiten würde, die anderen Produkte nicht mehr zu pflegen und weiterzuentwickeln, wäre das sehr schlecht für uns. Denn die gleichen Kunden, die Unicenter einsetzen, benutzen auch unsere anderen Produkte. Außerdem verwenden wir inzwischen die grundlegenden Technologien in verschiedenen Produkten.

CW: Ihre objektorientierte Datenbank "Jasmine" scheint eine solche grundlegende Technologie zu sein. Dabei sieht es allerdings so aus, als wenn die interne Nutzung von Jasmine sehr viel bedeutender ist als der Verkauf.

Kumar: Der externe Gebrauch wird wichtig, der interne ist es schon. Jasmine ist die Grundlage für das Common Object Model von CA und dient uns als Common Repository. Es ist so etwas wie der Kleister, der viele unserer Produkte miteinander verbindet. Die kommerzielle Verwertung von Jasmine muß sich erst noch etablieren. Die größte Hürde dabei ist ihre klare Objektorientierung. Wenn die Jahr-2000-Problematik hinter uns liegt, werden eine Menge IT-Manager unter hohen Druck geraten, neue Applikationen zu liefern. Und dann wird sich Jasmine sehr gut entwickeln.

CW: Unicenter liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit "TME 10" von der IBM-Tochter Tivoli. Was betrachten Sie als den größten Unterschied zwischen den beiden System-Management-Paketen?

Kumar: Zwischen CA Unicenter und Tivoli TME 10 gibt es zwei Hauptunterschiede. Einen mehr philosophischen, einen eher technischen. Der philosophische ist folgender: Wie Sie selbst gesagt haben, steht Unicenter als Synonym für CA und ist deshalb von herausragender Bedeutung für uns. Wenn Unicenter nicht erfolgreich ist, scheitert auch CA. Deshalb werden wir absolut alles tun, um erfolgreich zu sein. Und ich glaube nicht, daß das gleiche für Tivolis TME gilt. Wenn TME nicht funktioniert, wird IBM weiterexistieren.

CW: Aber Tivoli ist ein starker Wachstumsbereich für die IBM.

Kumar: Die IBM schlüsselt ihre Software-Umsätze nicht auf, Fakt ist aber, daß sie zur Zeit nicht sonderlich stark wachsen. Klar, ich bestreite nicht, daß Tivoli für die IBM ein wichtiger Markt ist, aber Investoren belohnen die IBM-Aktie nicht für das Abschneiden von TME 10. Aber sie belohnen oder bestrafen CA für Unicenter. Deshalb hat die weitere Entwicklung von Unicenter für uns einen ganz anderen Stellenwert.

CW: Glauben Sie nicht, daß TME 10 oder "TES", wie Tivoli sein Produkt heute nennt, der infrastrukturelle Kleister ist, mit dem die IBM ihren E-Business-Ansatz publikumswirksam unterfüttert?

Kumar: Das mag sein. Aber am Ende zählt, was wir haben und sie nicht. Wir haben eine End-to-End-Lösung, die aus der Box verkaufbar, einführbar und lauffähig ist. Der Unterschied läßt sich so zusammenfassen: CA ist als Produkt-Company gestartet und Tivoli als Beratungsunternehmen. Sie sind mit ihrem Framework von Kunde zu Kunde gegangen und haben darauf aufbauend spezifische Lösungen gebaut - meistens auf Unix-Basis. Unsere Produkte müssen dagegen in jeder Version bei jeder Installation laufen. Und meiner Ansicht nach haben wir in den vergangenen sechs Monaten Marktanteile gewonnen. Wir haben sogar Tivoli-Kunden dazu bringen können, auf Unicenter umzusteigen.

CW: Wird es das CA-Geschäft beeinträchtigen, daß die neue Tivoli-Version TES früher am Markt ist als TND?

Kumar: Nein. TES 3.6 hat nichts mit TND zu tun. Wenn Sie sich die Funktionalität von TES 3.6 anschauen, dann haben sie einen kleineren Kernel, kleinere Agenten, breitere Funktionalität. Aber das hat nichts mit TND zu tun. Es ist mehr wie Unicenter TNG 2.1. Wenn man Unicenter- und TES-Funktionen vergleicht, dann stellt man sehr schnell fest, daß wir ein Produkt mit mehr als 70 Optionen haben. Tivoli verfügt dagegen nicht über die gleiche Funktionalität. Außerdem haben sie einige Teilprodukte auch noch zugekauft und nicht selbst entwickelt - zum Beispiel Scheduling oder die Helpdesk-Funktion und eine Menge anderer Dinge. Wir haben auch einiges zugekauft, aber das meiste doch selbst entwickelt.

Deshalb mache ich mir um die Funktionalität von TES keine Sorgen. Worüber ich mir Sorgen mache, ist IBMs Fähigkeit Hard- und Software zu bundeln.

CW: Glauben Sie, daß Tivoli von dieser Möglichkeit Gebrauch macht?

Kumar: Das tun sie ja heute schon.

CW: Die Berater der Meta Group behaupten: Management-Frameworks versprechen mehr als sie halten. Außerdem würden CA und Tivoli ihre Kunden nicht ausreichend unterstützen. Fast alle Meta-Group-Kunden hätten Schwierigkeiten bei der Implementierung, ein Drittel mußte die Projekte stoppen und ganz neu anfangen. Was sagen Sie dazu?

Kumar: Das kann ich nicht bestätigen. Es gibt immer Kunden, die sich zu ehrgeizige Ziele setzen und deshalb in Probleme geraten. Außerdem müssen Sie bedenken, wie diese Berater vorgehen. Sie veröffentlichen einen Bericht, der Kunden weismachen soll, daß jeder Schwierigkeiten hat, Frameworks zu implementieren. Zwei Wochen später offerieren sie einen Service, der den Kunden bei der Behebung dieser Probleme helfen soll.

CW: Andere Analysten gehen davon aus, daß Kunden pro Dollar Lizenzausgaben für System-Management-Software neun Dollar für Beratung, Implementierung und Support ausgeben müssen.

Kumar: Bei CA ist das Verhältnis anders. Auf einen Dollar Lizenzkosten kommen 2,50 Dollar für die Implementierung. Aber es hängt natürlich auch von der Art des Projektes ab. Bei einem SAP-Projekt wird das teurer.

CW: Sie sprechen von zwei großen Trends im System-Management. Der eine ist Application-Integration und der andere Visualisierung. Können Sie erklären worin der Unterschied zwischen System-Management und Application-Integration besteht?

Kumar: Es gibt zwei Wege zur Application-Integration. Für neu gebaute, auf einer offenen Infrastruktur basierende Applikationen ist die Integration einfach. Aber in unserer Welt haben wir die meisten Probleme mit Legacy-Applikationen. Der wirkliche Trick liegt darin, die Altanwendungen, die niemals für ein vernetztes Arbeiten vorgesehen waren, zur Zusammenarbeit zu bringen, ohne sie zu öffnen und komplett zu überarbeiten. Wir arbeiten an ein paar Produkten, die Application-Integration auf Datenebene und auf Applikationsebene erlauben. Wir werden es diesen Anwendungen erlauben, problemlos mit anderen zu kommunizieren.

CW: Können Sie hierzu ein Beispiel geben?

Kumar: Cadillac arbeitet an einem neuen Service. Die Autos der Oberklasse werden standardmäßig mit einem Global Positioning System und einem mobilen Telefon ausgestattet. Hat eines dieser Fahrzeuge einen Unfall, bei dem sich der Airbag aufbläst, wird dieses Ereignis mit angehängten Positionsdaten an ein Call-Center gemeldet, das weitere Schritte unternehmen kann. Meldet sich der Fahrer auf einen Anruf nicht, wird die nächste Polizeidienststellle benachrichtigt, ein Krankenwagen zum Unfallort bestellt etc. Sogar die Versicherung kann, wenn gewünscht, informiert werden, um die Schadensregulierung direkt anzugehen. Um das zu leisten, müssen die verschiedensten Applikationen zusammenarbeiten. Was unsere Kunden wollen ist: auf einem Bildschirm Ereignisse per Drag and drop in ihre Applikationen einfügen.

CW: Ich glaube schon, daß Kunden das wollen, aber wie soll das gehen?

Kumar: Wenn man über eine objektorientierte Infrastruktur verfügt, sind die Objekte selbständig, sie enthalten alle Informationen, die sie brauchen, um bestimmte Aktionen zu starten. Wenn wir also eine existierende Applikation nehmen und sie in eine objektorientierte Infrastruktur einbetten - und das geht -, dann läuft alles in dieser Struktur ab.

CW: Das ist doch nichts anderes als Wrapping.

Kumar: Nein, das ist mehr. Mit "Application Logic Wrapping" wäre es besser beschrieben. Beim Wrapping nehmen Sie normalerweise nur ein paar Zeilen Code, die werden gekapselt, und dann sind sie als Objekte aufrufbar. Bei unserem Vorgehen müssen Sie die Business-Logik und die -Funktionen wrappen. Das ist eine höhrere Integrationsebene.

CW: Wann werden diese Produkte von CA kommen, und basieren sie auf Jasmine?

Kumar: Ja, und ankündigen werden wir sie wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 1999.

CW: Ist das der erste Schritt über Unicenter hinaus?

Kumar: Mehrere Dinge gehen darüber hinaus. Das eine ist Jasmine, das andere sind Application-Integration und Visualisierung. Dabei setzt Applikations-Integration am unteren Ende und in der Mitte an. Die Visualisierung setzt am Front-end an.

CW: Im Sommer vergangenen Jahres haben Sie ein sehr vorsichtiges Statement zu CAs Wachstumsaussichten in diesem Jahr abgegeben. Wie sieht Ihre Prognose für 1999 heute aus?

Kumar: Am Ende des ersten Halbjahres 1998 haben wir erklärt, daß die nächsten sechs Monate des Jahres aufgrund der Asienkrise und der durch das Jahr-2000-Problem bedingten Investitionszurückhaltung schwach verlaufen würden. Es zeigte sich, daß viele andere Player das gleiche Problem hatten. Wir haben das früh gesehen und waren ehrlich genug, es auch zu berichten. Durch die frühe Erklärung hatten wir die Möglichkeit, unsere Strategie an die Marktveränderungen anzupassen, so daß es heute für uns ganz gut aussieht. Ich bin immer noch vorsichtig, weil die Kunden wegen der Datumsumstellung nach wie vor etwas nervös sind.

CW: Wie weit sind die Anwender mit der Umstellung? Gibt es einen Unterschied zwischen den USA und Europa?

Kumar: Die meisten sind schon sehr weit fortgeschritten. Große Unterschiede gibt es nicht. Nur, die amerikanischen Anwender reden sehr viel mehr darüber als die europäischen. Die meisten großen, uns bekannten europäischen Anwender sind ziemlich weit. Ich denke Ende Juni, Anfang Juli werden die meisten das Problem aus der Welt geschafft haben. Das gilt allerdings nur, wenn wir bis dahin in diesem Zusammenhang kein Desaster irgendeines Anwenders erleben, das für öffentliches Aufsehen sorgt. Dann werden alle wieder nervös und ängstlich.