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07.11.1980 - 

Ein selbstentwickeltes Programm wiegt allen Ärger auf:

Unternehmer als Hobbyprogrammer schlägt Formel 1

07.11.1980

Der Mikrocomputer für Klein- und Mittelbetriebe startet mit einem Kaufpreis von unter 10000 Mark. Dies entspricht in etwa dem Betrag, der von Softwarehäusern für einen Mannmonat Programmierleistung in Rechnung gestellt wird. Bekanntlich reicht ein Mannmonat auch bei hoher Qualifikation nicht aus, um beispielsweise eine mit Buchhaltung und Lagerberechnung integrierte Fakturierung zu konzipieren, programmieren, testen und implementieren. In vielen Fällen gehen die Wunschvorstellung über die hier genannten Anwendungen weit hinaus.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: "Die Softwarekosten betragen etwa das Drei- bis Vierfache des Hardware-Aufwandes. Und so kann von einer "für jedermann erschwinglichen Computerbenutzung im eigenen Haus" nicht die Rede sein, denn zwischen 10000 Mark Hardware- und Gesamtkosten von 50000 Mark liegt auch für mittlere Unternehmen eine erhebliche Differenz.

Grundsätzlich können drei Aussagen an dieser Stelle gemacht werden.

- Die Mikrocomputersysteme sind - abgesehen von ihrer Geschwindigkeit und Multifunktionsfähigkeit - den Großsystemen leistungsgleich.

- Sie erfordern - gleichen Anwendungsschwierigkeitsgrad vorausgesetzt - die gleichen Programmierqualifikationen, die bei Großsystemen erforderlich sind. Zum Teil ist die Programmierung von Mikrosystemen wegen mangelnder Betriebssoftware aufwendiger.

- Das Verhältnis zwischen Hardware- und Softwarekosten ist durch kontinuierlich sinkende Hardwarepreise einerseits und steigende Personalkosten andererseits gekennzeichnet.

Sind Standardprogramme deshalb eine preiswerte Alternative zur Selbstprogrammierung? Unabhängig von der Hardwaregröße sind seit mehr als zwei Jahrzehnten Versuche in der Entwicklung von sogenannter Standardsoftware oder Modulsoftware und deren Vermarktung unternommen worden.

Das Pauschalurteil, alle Versuche sind bei kritischer Betrachtung als gescheitert anzusehen, ist nicht gerechtfertigt. Aber an der Feststellung, daß keinem Hard- und/oder Software-Hersteller ein durchschlagender Erfolg beschieden war, kommt man nicht vorbei.

Einer der umfangreichsten Programmkosten-Senkungsversuche wurde 1974 von IBM mit dem sogenannten "MAS" (Modulares Anwendungs-System) gestartet.

Zielgruppe waren /3-, /32-Systemkunden. Dieser Versuch, obwohl im üblichen IBM-Stil geplant, vorbereitet und vermarktet, war weder für die IBM noch die Benutzer erfolgreich. Der Marktführer hält zwar die MAS-Fahne nach wie vor hoch, empfiehlt aber 5100-, /34- und System 1-Benutzern, die Softwarehäuser heranzuziehen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: "Andere Soft- und/oder Hardware-Hersteller waren nicht erfolgreicher!"

Hardware-Support

Hat die relative Erfolglosigkeit "standardisierter" Anwendungsprogramme gleichartige Ursachen? Die Anwort ist: "Ja." Zu nennen ist einmal die vertriebsorientierte Anwendungsentwicklung.

Bei der Entwicklung von Softwarepaketen war immer die Hauptfrage: "Wieviel Hardwaresysteme können mit dem Anwendungspaket verkauft werden?" Wenn die Antwort beispielsweise lautete: "In der Bundesrepublik gibt es 16000 Elektro-Einzelhändler", wurde prompt mit der Erstellung eines Anwendungspaketes für die Branche begonnen. Danach wurde es zehnmal verkauft, fünfmal installiert (sogenannte Pilotkunden) und in diesem Entwicklungsstand auf dem Markt angeboten. Aus Kostenüberlegungen erfolgte keine Programmverbesserung. Somit wurden diese Programme vom Markt nicht oder kaum akzeptiert. Diese Produkte waren und sind Marketingsupport für Hardware, aber kaum eine Hilfe für den DV-Benutzer.

Die zweite Ursache liegt im Umfeld der Programme oder "Drogerie in Hannover ist nicht gleich Drogerie in Einbeck".

Einsatz erschwert

Wenn auch das Beispiel Drogeriefachgeschäft hier willkürlich gewählt wurde, gilt analog für alle Branchen daß unterschiedliche Artikelsortimente und differenzierte Preisgestaltung den Einsatz standardisierter Software erschweren. Wenn DV-Fachleute hierzu bemerken: "Mit entsprechend hochwertiger Software läßt sich jedes Problem lösen", kann von preisgünstiger Standardsoftware keine Rede mehr sein.

Als drittes ist der "Technologischen Entwicklung" Rechnung zu tragen. Wie gering der Nutzungszeitraum derartiger Lösungen ist, geht aus dem MAS-Beispiel von IBM hervor MAS wurde 1974/75 für eine Hardware entwickelt, die 1977 technisch veraltet war.

Zur Preis-/Leistungsrelation zwischen 1974 und 1980 ist festzustellen daß dialogorientierte Systeme 1971 bei 400000 Mark begannen und mit gleicher Leistung - nur ungleich schneller - 1980 noch ein Zehntel, nämlich 40000 Mark kosten.

Mittlerweile sind professionelle Mikrocomputer auf dem Markt, die in der Dialogfähigkeit Großsysteme vergleichbar sind, sich aber zwischen 10000 Mark und 20000 Mark Kaufpreis bewegen. Standardlösungen, die aus vorherigen Systemgenerationen stammen, sind auf den neuen Systemen nicht verwendbar. Ein Datenverarbeiter mit Humor hat daher die "Standardprogrammlösung" mehr "Einweglösung" bezeichnet.

Zusammenfassend kann zur Standardsoftware gesagt werden: Das Paket von der Stange - ist nur in Teilbereichen verwendbar;

- ist langfristig bei notwendigen Programmänderungen oder Hardware-Erweiterungen hemmend und teuer; - wird durch die rasante Hardware-Entwicklung kurzlebig.

Für die Entscheidung "Ob und welche Standardsoftware von wem" sollte sich auch der Benutzer kleiner Systeme umfangreich informieren und sich den Rat Hardware- und Softwareunabhängiger Fachberater holen. Das Honorar für eine Software-Auswahlberatung liegt bei 1000 Mark.

Nun zur Kernfrage: "Programmiere ich selbst?"

Programmieren ist durch die Verbreitung von Mikrocomputern auch ein Hobby geworden. Zwischen de Hobbyprogrammierung und der Erstellung funktionsfähiger Programme für professionellen Einsatz - man täusche sich nicht und lasse sich nicht täuschen - liegen Welten.

Die Differenz zwischen der Aufgabe, als Hobby ist ohne praktische Programmiererfahrung eine vergleichbare Programmierleistung wie ein Berufsprogrammierer zu erzielen, entspricht dem Vergleich, als Fahrschüler auf dem Nürburgring mit einem Formel-1-Rennwagen die gleich Rundenzeit wie Niki Lauda zu erzielen.

Dieser Vergleich bedeutet aber keineswegs, daß ein Unternehme grundsätzlich nicht programmiere und damit möglicherweise Geld sparen und gleichzeitig Spaß an de Freud haben kann.

Es gibt mittlerweile eine umfangreiche Reihe von Unternehmern, die trotz oder wegen starker anderer Belastungen (Programmieren als Ausgleich) Programme entwickelt, getestet und eingesetzt haben. Der Tenor mehrerer Unternehmerstimmen: "Ja, der Unternehmer sollte programmieren, wenn er sich als Hobbyprogrammierer betrachtet."

Nun einige Anregungen, was zu tun und aus Erfahrung besser zu unterlassen ist. Das Programmieren erlernt man am schnellsten mittels praktischer Arbeit am Computer unter Benutzung der mit dem System gelieferten Literatur. Von einem "Trockenkurs", der ausschließlich aus dem Lesen des Programmierhandbuches besteht, ist abzuraten, da keine Kommunikation mit einem Computer erfolgt und somit keine Erkenntnisse über den Fortschritt beim Selbststudium möglich sind.

Zeit und Geld gespart

Der Sinn der Programmierung durch den Unternehmer ist im Erstellen von Programmen zur Nutzung im eigenen Unternehmen zu sehen. Um die Lernphase mit der echten Programmierung möglichst nahtlos zu verbinden, sollte von Beginn an das System, mit dem auch die Anwendungsprobleme gelöst werden, eingesetzt werden.

Diese Vorgehensweise spart Zeit und Geld, auch wenn es wegen der möglicherweise am Beginn höheren Einstiegskosten nicht so aussieht.

Mit dem Beginn der echten Programmierung beginnt die kritische Phase der "Eigenprogrammierung". Um einsatzfähige Programme zu erstellen, ist eine Analyse der Aufgabenstellung bis zum - im wahrsten Sinne des Wortes - I-Tüpfelchen notwendig. Datenflußdiagramme und Arbeitsabläufe sind zu konzipieren und zu erstellen. Sie werden verworfen und neu entwickelt. Nummernkreise, Satz- und Feldlängen sind zu erstellen und festzulegen. Und vieles mehr ist zu tun, bevor mit der Programmierung und dem Test begonnen wird. Spannend wird die Sache erst, wenn zwei Programme auf mehrere Dateienzugreifen und gleichzeitig miteinander korrespondieren, wie Fakturierung mit Lagerabgangs- und Debitorensollverbuchung.

Hierbei wird erkannt, daß der zeitliche Aufwand bei der Selbstprogrammierung umfangreich ist und möglicherweise zu Lasten anderer, erfolgversprechenderer Unternehmeraufgaben geht. Der bis zu der Erkenntnis "Das wird nix mit meiner Programmierung" geleistete Zeitaufwand ist futsch. Unter, Produktivitätsgesichtspunkten sollte ein derartiger Versuch nicht gestartet werden.

Das erhebende Gefühl - ein selbstentwickeltes Programm fertiggestellt zu haben und vorführen zu können ist einem Sieg im Schach oder einer anderen Sportart gleichzusetzen. Es wiegt allen Ärger auf und macht ihn vergessen.

Es darf nicht vergessen werden, daß vor Beginn erfolgreicher Selbstprogrammierung ein neuer Beruf, der des Systemanalytikers und Programmierers, zu erlernen ist.

Die Praxis hat gezeigt, daß bei täglich zwei bis vier Stunden Selbststudium am System nach einem Monat mit der Programmierung einfacher Anwendungsprogramme begonnen werden kann. Den gleichen Zeitaufwand vorausgesetzt ist die Erstellung komplizierter Programme nach einem weiteren Monat möglich. Die Erstellung von mehreren Programmen, die integriert arbeiten, erfordert einen weiteren Monat. Diese Erfahrungswerte beinhalten das Erstellen und das Testen der Programme. Sie beinhalten nicht den sich im praktischen Einsatz ergebenden Zeitaufwand von Änderungsnotwendigkeiten aufgrund neuer Erkenntnisse.

Zusammenfassend ist festzustellen: "Die Selbstprogrammierung von Mikrocomputern durch den Unternehmer in Klein- und Mittelbetrieben ist nur unter "Hobby-Gesichtspunkten" als sinnvoll anzusehen.

Mindestens 10 MB

Abschließend ein Wort zur Systemauswahl: Wählen Sie eine Hardware mit umfangreicher System-Literatur. Prüfen Sie die Ausbaumöglichkeiten: Welche Plattenkapazität, (mindestens 10 Megabyte), wieviel Bildschirme und Drucker können angeschlossen werden? Prüfen Sie, was angeboten und was tatsächlich lieferbar ist. Lassen Sie sich installierte Systeme im praktischen Einsatz zeigen. Hierbei ist es weniger wichtig, ähnliche Anwendungen zu besichtigen, als vielmehr eine generelle Beurteilung über das System zu bekommen.

*Peter J. Fischbacher ist Unternehmensberater in Düsseldorf.