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25.06.1993

Unterrichtshandbuecher sind wesentlicher Faktor der Kursqualitaet Ein effizientes Seminardesign ermoeglicht grossen Lerntransfer

Didaktisch gut gestaltetes und auf die reale Arbeitswelt des Benutzers bezogenes Begleitmaterial spielt bei Seminaren noch immer eine untergeordnete Rolle. Worauf es bei der Entwicklung und Gestaltung von Unterrichtshandbuechern ankommt, zeigt Maria Sarpe* am Beispiel der Seminarreihe "Lotus 1-2-3 fuer Windows".

*Maria Sarpe arbeitet als Pressereferentin beim Computer Data Institut in

Muenchen.

Das PC-Seminar zur neuen Software ist zu Ende, der Dozent konnte die Teilnehmer begeistern, die Euphorie ueber das frisch erworbene Wissen wirkt motivierend auf die Mitarbeiter. Doch bereits am naechsten Tag tauchen in der konkreten Arbeitssituation die ersten Probleme auf.

Der Dozent hatte lang und breit die Funktionalitaet des neuen Softwarepaketes erlaeutert. Lediglich ab und zu mussten die Teilnehmer im umfangreichen Benutzerhandbuch nachblaettern.

Doch jetzt, allein am Arbeitsplatz, findet der Mitarbeiter ploetzlich die richtigen Beschreibungen nicht mehr. Da hilft nur noch der interne Benutzerservice oder die Hotline des Software- Anbieters. Doch der eine ist nicht erreichbar, beim anderen ist die Leitung dauernd belegt. Wertvolle Arbeitszeit wird sinnlos vergeudet.

Wirtschaftliche

Modulstruktur

Es genuegt nicht, die Funktionalitaet eines Softwarepaketes auf zwei oder drei Seminartage zu verteilen und dann mit der Schulung loszulegen. Die Seminarkonzeption muss von Anfang an unter dem Aspekt der konkreten Nutzanwendung stehen: Welche Faehigkeiten und Fertigkeiten benoetigt der Trainee an seinem Arbeitsplatz, um die dort anfallenden Aufgaben qualifiziert erledigen zu koennen? Daraus laesst sich dann ein Qualifizierungsrahmen mit allen PC- Fertigkeiten ableiten.

In Form einer Kompaktqualifizierung mit logisch aufeinander aufbauenden und abgestuften Seminaren laesst sich dieser Rahmen sinnvoll umsetzen (vgl. die Abbildung), wobei die Gesichtspunkte Standardisierung und Flexibilitaet im Vordergrund stehen.

Fuer das einzelne Seminar sind konkrete Lernziele anzugeben und in Unterrichtsinhalte sowie Trainingsschritte umzusetzen. Dem Teilnehmer kann ein umfangreiches Softwarepaket nur in klar aufeinander aufbauenden Lernschritten, quasi in homoeopathischen Dosen, vermittelt werden.

"Der Dozent muss sich vom reinen Wissensvermittler zum Lernmoderator entwickeln", meint Richard Ammer, bei der CDI GmbH verantwortlich fuer den Zentralbereich Produktentwicklung. Und weiter: "Der Anteil der traditionellen Wissensvermittlung durch Dozentenvortrag muss reduziert und die ueberwiegende Zeit fuer Trainings- und Uebungsanteile verwendet werden."

Effizientes Seminardesign ermoeglicht dem Teilnehmer einen maximalen Lerntransfer in seine reale Arbeitsumwelt. Dies gelingt nur durch die entsprechende stoffliche Reduktion und durch die Integration sinnvoller Aufgaben, Uebungen und arbeitsplatznaher Fallstudien.

Wissensvermittlung ist nur ein Teil des Lernerfolges. "Das Ziel der Instruktionseinheit ist die Vermittlung aller notwendigen Sachverhalte und Zusammenhaenge, die zur Erlangung der jeweiligen Qualifikation erforderlich sind", erlaeutert Ammer den traditionellen Teil des Unterrichts.

Jeder einzelne Lernschritt ist im Unterrichtshandbuch auf einer Doppelseite abgebildet. Diese einzelnen Einheiten werden systematisch durch eine Grafik oder ein Bild, Verstaendnis- und Interaktionsfragen und durch einen stark strukturierten Lerntext unterstuetzt. Der Dozent kann sich so auf die fuer den Lernerfolg wesentlichen Inhalte konzentrieren. Die Verstaendnis- und Interaktionsfragen dienen einerseits zur Auflockerung des Vortrags, bieten gleichzeitig aber auch die Moeglichkeit der Stoffsicherung von einzelnen Lernschritten.

Erfahrungsgemaess wird bei Seminaren zuviel Wert auf - haeufig ueberfluessiges - Wissen gelegt. Fuer wichtige Eigenaktivitaeten der Teilnehmer bleibt in der Regel zuwenig Zeit. "Es sollten bis zu Dreiviertel der Kurszeit zur praktischen Einuebung der Lerneinheiten zur Verfuegung stehen", betont der CDI-Manager die Ausrichtung des Trainings. Notwendige Funktionalitaet kompetent einzusetzen sei weitaus wichtiger als ein fluechtiger Ueberblick ueber alle verfuegbaren Funktionen.

Ziel der Einheit Verfahrenstraining ist die Vermittlung methodischer Fertigkeiten, die zur Bewaeltigung der jeweiligen Aufgaben erforderlich sind. Die Seminarteilnehmer erarbeiten sich so bestimmte Kenntnisse fuer die Anwendung etwa in Lotus 1-2-3. So wird der Lernschritt "Programm aufrufen und bedienen" systematisch in die vier Aktivitaeten "Programmstart", "Orientierung im Arbeitsblatt", "Bewegen im Arbeitsblatt" und "Programmbeendigung" unterteilt. Auf diese Weise werden auch beim Verfahrenstraining Dozent und Teilnehmer durch vorstrukturierte Regeln im Unterrichtshandbuch geleitet.

Zuerst absolvieren die Teilnehmer die praktischen Wissens- und Methodenteile eines Seminars. Damit ist die Basis geschaffen, die in der Trainingseinheit enthaltenen Aufgabenstellungen erfolgreich zu bearbeiten.

Die Teilnehmer kennen nun die Zusammenhaenge, beherrschen die einzelnen Arbeitsschritte und koennen bei den Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad ihr bisher erworbenes Know- how unter Anleitung des Dozenten anwenden. Gleichzeitig erhalten sie eine Sammlung praxisorientierter Loesungsbeispiele zur Verwendung am eigenen Arbeitsplatz.

Kommt es beim Training der Aufgaben auf die Individualleistung des Seminarteilnehmers an, ist die Arbeit an der Fallstudie eine echte Teamleistung. Bis zu vier Seminarteilnehmer muessen sich in konkurrierenden

Teams an den Fallstudien messen. Diese sind, mit kleinen didaktischen Abstrichen, der Komplexitaet praktischer Aufgabenstellungen nachempfunden. So ist im Fortgeschrittenen- Seminar zu Lotus 1-2-3 eine Abrechnungstabelle fuer mehrere Monate zu erstellen, grafisch aufzubereiten und zu einer Quartalsabrechnung zu konsolidieren. Einzelne Arbeitsschritte sind mit Hilfe von Makros zu automatisieren, bei der Fehlersuch ist der Schritt- und Fehlersuche- Modus zu Hilfe zu nehmen.

Mit der Loesung dieser Fallstudien erarbeitet sich der Seminarteilnehmer ein von ihm selbst erstelltes Muster, das es ihm ermoeglicht, bei aehnlichen Aufgabenstellungen an seinem Arbeitsplatz die erforderlichen Teilschritte exakt nachzuvollziehen.

Mit dieser Kombination aus Instruktion und Training, die, wie beschrieben, im Unterrichtshandbuch systematisch vorstrukturiert ist, koennen Dozent und Teilnehmer zum Seminarerfolg geleitet werden.

Trotz der internen Pruefungen zaehlt bei der Bewertung der Qualitaet der Unterrichtshandbuecher ausschliesslich die Einschaetzung der Seminarteilnehmer. Nach Abschluss jedes einzelnen Kurses faellen sie ein schriftliches Urteil ueber Inhalt, Uebersichtlichkeit, Zielorientierung, praktische Ausrichtung von Beispielen und Uebungen sowie die Erreichung der Seminarvorgaben. Parallel dazu gibt auch der Dozent seinen Kommentar zu den eingesetzten Unterrichtshandbuechern ab.

"Nur ueber den Weg der geschlossenen Qualitaetsueberwachung von der Konzeption bis hin zum Einsatz im Seminar koennen wir sicherstellen, dass der Kunde einen optimalen Nutzen aus unserem Trainingssystem ziehen kann", beschreibt Ammer den aufwendigen Weg vom Seminardesign zum praxisorientierten Unterrichtshandbuch.

Aufbau von Kompaktqualifikationen