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05.11.1999 - 

Plattformvergleich: Lotus Domino - Microsoft Exchange

Unterschiedliche Funktionen blockieren Migrationspfade

"Notes/Domino" von Lotus und "Outlook/Exchange" aus dem Hause Microsoft sind die dominierenden Plattformen für die Kommunikation in Unternehmen. Wo finden sich Gemeinsamkeiten, was unterscheidet die Produkte? Otto Förg* hat die Lösungen analysiert und kommt zu dem Ergebnis, daß eine Migration von Notes zu Exchange, wie Microsoft sie gerne hätte, nicht empfehlenswert ist.

Formuliert man es überspitzt, lassen sich Exchange und Notes/ Domino nur im Bereich des Messaging vergleichen. Bei den Groupware-Funktionen kann die Microsoft-Lösung dem Lotus-Konkurrenten kaum das Wasser reichen. Die Basis des Vergleichs bildeten Notes/Domino in der Version 4.6 sowie Exchange 5.5 mit Outlook 98. Der Grund dafür war, daß die von Microsoft angebotenen Tools zur Migration von Lotus-Anwendungen nur mit diesen Release-Ständen arbeiten. Die Werkzeuge funktionieren nicht mit "Outlook 2000" und Notes/ Domino 5.0, welche inzwischen verfügbar sind.

Das zentrale Element des Applikationsdesigns in beiden Umgebungen bilden die Masken beziehungsweise Bildschirmformulare. Ein erster Unterschied zwischen Notes/Domino und Outlook ergibt sich bei der Namensgebung für die Oberflächen. In allen Dokumentationen weist Microsoft darauf hin, daß deren Bezeichnung einzigartig sein muß (Unique Form Names). Diese Einschränkung gilt nicht nur innerhalb von Personal Folders, sondern auch zwischen diesen und Public Folders, Offline Folders sowie der Personal- und der Organizational-Forms-Library. Der gleiche Name für verschiedene Masken kann bei Microsoft zu Komplikationen führen. In Notes/Domino dagegen müssen die Bezeichnungen nur innerhalb einer Applikation eindeutig sein, außerdem sind Alias-Namen für die interne Referenz zulässig.

Bei der Verarbeitung von Feldern innerhalb der Masken bestehen keine Unterschiede zwischen den Programmen. Abweichungen treten jedoch dann auf, wenn Tabulatoren innerhalb von Formularen in beliebiger Reihenfolge angesprochen werden sollen; Domino 4.6 verfügt nicht über diese Möglichkeit. Im Bereich der Zugriffskontrolle wiederum kann die Lotus-Software Pluspunkte sammeln, denn mit Outlook läßt sich der Zugriff auf bestimmte Formulare oder Dokumente nicht gruppenspezifisch steuern. Die Microsoft-Lösung verfügt weder über Subforms noch über Shared Fields, mit denen in Notes/Domino Designelemente, die in mehreren Masken einer Applikation vorkommen, zentral verwaltet werden können. In Outlook müssen derartige Elemente redundant gepflegt werden.

Zu Definitionszwecken verwendet Outlook sogenannte Controls (Text, Listboxen) als Schnittstellen zum Anwender. Dazu kommen Felder für die Datenspeicherung. Im Vergleich damit kennt Notes/Domino Definitionen mit Feld- und Datentypen. Während hier pro Seite beliebig viele Rich-Text-Felder zugelassen sind, erlaubt Outlook nur ein sogenanntes Messagefeld pro Page, wobei hier eine Maske aus maximal sechs Seiten bestehen darf.

Um bestimmte Felder in einer Oberfläche zu verbergen, nutzt das Microsoft-Tool entweder die Field Properties Yes/No, oder es "versteckt" eine Page komplett. Demgegenüber lassen sich in Notes Teile einer Maske auch in Abhängigkeit vom logischen Kontext des Dokuments vom zugreifenden Client (Notes oder Browser) und vom Zugriffsmodus (schreibend oder lesend) sichtbar beziehungsweise unsichtbar machen. Bei der Validierung von Feldern läßt Outlook nur eine Bedingung zu, Notes/Domino hingegen setzt keine Grenzen.

Auch in der Makro-Ausstattung unterscheiden sich die Lösungen. Standardmäßig enthält Outlook rund 75 Makrofunktionen, während es Notes/Domino 4.6 laut Handbuch auf 200 bringt. Das Volumen reicht in der Regel selbst für die Entwicklung anspruchsvoller Applikationen aus. Programmierer, die mit Outlook arbeiten, greifen häufig auf VB Script zurück; das Pendant dazu in der Notes-Welt heißt Lotusscript. Darüber hinaus können Entwickler hier bei Bedarf auch Java, Javascript oder HTML nutzen; diese Möglichkeiten bleiben Outlook-Anwendern weitgehend verschlossen.

Als Benutzer-Schnittstelle fungieren in beiden Umgebungen die Ansichten. Allerdings sind die Views das Stiefkind bei Outlook: In der Dokumentation weist Microsoft ausdrücklich darauf hin, daß jeder Anwender diese Ansichten selbst programmieren kann oder soll; möglichen Mißverständnissen und Fehlerquellen sind damit Tür und Tor geöffnet. Dabei besteht ein wesentlicher Unterschied: In Outlook lassen sich nur bis zu vier Ebenen kategorisieren und sortieren. Bei Notes existiert diese Einschränkung nicht. Umgekehrt kann ein Benutzer direkt in einer Outlook-Ansicht editieren, was wiederum von der Lotus-Software nicht unterstützt wird.

Bevor Anwender eine Groupware-Applikation nutzen können, benötigen sie einen Zugriff auf den Server. Die detaillierte Steuerung erfolgt bei Domino über die Access Control List (ACL), in Exchange entspricht dies der Permission des Folders; hierbei sind die Unterschiede nur minimal. Anders sieht es jedoch bei den Groupware-typischen Features aus: In der Lotus-Welt können beispielsweise Rollen im Rahmen einer Workflow-Anwendung vergeben werden. Darüber hinaus kennt das Microsoft-Programm das Konzept der Leser- und Autorennamen sowie die Feldverschlüsselung nicht.

Beim Management und Deployment von Anwendungen finden sich nur geringe Unterschiede. Während in Outlook Folder repliziert werden, handelt es sich bei Notes/Domino um Datenbanken. Dagegen verfügt die Lotus-Lösung über eine Field-Level-Replikation, es werden also nur die veränderten Felder repliziert und nicht das gesamte Dokument. Das Deployment von Design-Templates ist bei Outlook auf Masken beschränkt (Organizational-Forms-Library), während bei Notes die Templates alle Designelemente einer Applikation enthalten, also zum Beispiel auch Ansichten oder Agents.

Aus der Sicht von Microsoft basieren 75 Prozent aller Notes-Applikationen auf Standard-Templates. Diese könnten mit den verfügbaren Migrations-Tools sozusagen auf Knopfdruck bearbeitet und übernommen werden. Ein großer Teil der restlichen 25 Prozent ließe sich nach Aussage von Microsoft ebenfalls in Exchange überführen. Hierfür sei der Aufwand in der Regel überschaubar.

MS-Werkzeuge lassen zu wünschen übrig

Für die Migration bietet die Gates-Company drei Werkzeuge an. Der "Application Analyzer" erfaßt Anzahl und Typ der Designelemente sowie die Größe und Nutzungsintensität von Anwendungen. Das Tool ermittelt die Komplexität auf einer Skala und gibt Migrationsempfehlungen. Darüber hinaus hat Microsoft den "Application Conversion Assistant" im Sortiment, der für das Design der Anwendungen zuständig ist, sowie den "Application Connector", mit dem sich Daten austauschen lassen.

Bei einem Test zeigte sich jedoch, daß die Werkzeuge ihr Migrationsversprechen nicht halten konnten. Individuelle Ansichten von Notes/Domino wurden nicht übertragen, sondern in einer standardisierten Ansicht von Outlook aufgebaut, die der Inbox entspricht. Die Schlüsselwortfelder erschienen als zusammenhängendes Dokument, und von den Rich-Text-Feldern blieb nur eines erhalten; Feld- und Button-Formeln mußten manuell nachprogrammiert werden. Das gleiche galt für Embedded-HTML, Subforms, Hotspots, Agents, Java- und Javascript-Komponenten sowie Links innerhalb von Masken.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß zwischen den Entwicklungsumgebungen große Unterschiede bestehen. Der Funktionsumfang einer Notes/Domino-Anwendung kann kaum oder nur mit einem erheblichen Aufwand in Outlook nachgebildet werden, da die verfügbaren Migrationswerkzeuge eine Vielzahl von Notes-Funktionen unterschlagen. Der Wechsel aus der Lotus-Welt in eine Microsoft-Umgebung erscheint dadurch in der Mehrzahl der Fälle nahezu ausgeschlossen.

*Otto Förg ist Gesellschafter des Münchner IT-Dienstleisters Edcom GmbH.