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26.10.1979

Unverantwortlich

Da werden zusammengestoppelte Null-acht-fünfzehn-Lösungen von Systemhäusern und Bürocomputer-Herstellern als "integrierte Gesamtpakete" offeriert, empfehlen sich Billigstrechner auf Mikroprozessorbasis nicht minder unbescheiden als vollwertige Arbeitsplatzcomputer für DV-Einsteiger - und darüber lächelt heute niemand mehr. Will sagen: Es gibt sehr viele Erstanwender - aber für den Nicht-Fachmann ist es nahezu unmöglich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das gilt erst recht, wenn die angebotenen Standardprogramme als gewichtigstes Auswahlkriterium dienen sollen. Ja, selbst professionellen Marktbeobachtern fällt es bei der Fülle des Angebotes an "Jedermann"-Computern zunehmend schwerer, den Über- und Durchblick zu behalten. So bleibt mancher Propaganda-Superlativ - insbesondere in bezug auf die Software - ungeprüft,

können die Anbieter von Basisdatenverarbeitungs-Systemen unwidersprochen damit argumentieren, wie "einfach" die Programmierung, wie "idiotensicher" die Bedienung sei - und wie ,schnell" auch der Jungfräuliche Anwender die "Sache ' in den Griff bekommen könne.

Gewiß, es gibt sie, die Anwender, die es besser wissen (müßten): Gebrannte Kinder, Umstellungsgeschädigte, aus Erfahrung klug gewordene DV-Debütanten, die - und das ist sicher nicht im Sinne der Erfinder - den zweiten Versuch mit dem eigenen Computer nicht mehr wagen wollen. Einzelfälle? Beileibe nicht, wenngleich der Beweis schwer zu erbringen ist. Aber: Daß man draußen so wenig Negatives über die Datenverarbeitung in Klein- und

Mittelbetrieben hört, heißt noch lange nicht, daß sie überall gut lauft. Man liegt richtig, wenn man von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Denn welcher Anwender gibt schon gerne zu, sich übers Ohr gehauen zu fühlen - zumal sich die "Beglücker" (DV-Hersteller, Softwarehäuser, Beratungsunternehmen) allemal darauf berufen können, sie stünden für Erfolg oder Mißerfolg des Computereinsatzes nicht im Obligo.

Gleichwohl: Hier geht es nicht um "Produkthaftung", sondern um das Problem der Manipulierbarkeit der Erstanwender durch die Anbieter, um das Problem des Ausgeliefertseins an einen Hersteller- und damit letztlich darum, ob der "wissende" Spezialist bereit ist, dem "Noch-Nicht-Könner" gegenüber eine erzieherische Verantwortung zu übernehmen.

Tatsache ist doch: Der DV-Novize kann gar nicht beurteilen, ob ein Softwareprodukt - sei es nun branchenneutral oder branchenspezifisch - seine betrieblichen Anforderungen abdeckt. Dazu muß fachkundige Anleitung da sein. Mit anderen Worten: Wer keinen Fachmann zur Seite hat, wird wahrscheinlich nur sehr schwer den richtigen Treffer landen.

Nun entstehen die meisten Komplikationen bei der Umstellung auf Datenverarbeitung dadurch, daß sich die Anwender in der Regel fürsorglich assistiert wähnen, von den "Systemverantwortlichen" nämlich - woran diese sicherlich nicht ganz schuldlos sind (welcher Hersteller rät schon - auch wenn's wirklich angebracht wäre - vom Computereinsatz ab?).

Nein, das Infragestellen muß von den Anwendern selbst kommen.

Gut, daß es immer wieder Betroffene gibt, die ihre Negativ-Erfahrungen nicht nur im stillen Kämmerlein aufarbeiten wollen. Betroffene wie Brigitte Schlag (vergleiche Seite 1), die einen Hersteller-Slogan - in diesem Falle "Jeder Firmenchef sein eigener EDV-Leiter" - treffend als "unverantwortlich" brandmarkt.

Bezeichnend, daß im "Schlag-Fall" der Geräte-Hersteller, die Düsseldorfer Logical Machine Deutschland GmbH (Lomac), das Standard-Argument der Anbieterseite (siehe oben) anzieht: "Wir verkaufen nur die Hardware mit dem Betriebssystem." Darüber lächelt heute niemand mehr.

Aber darf das ein Argument sein, den DV-Neulingen die gesamte Last der Umstellung aufzubürden?