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13.02.2008

UPDATE: ABB verliert CEO Kindle

(Neu: Hintergrund, Analysteneinschätzung) Von Goran Mijuk DOW JONES NEWSWIRES

(Neu: Hintergrund, Analysteneinschätzung) Von Goran Mijuk DOW JONES NEWSWIRES

ZÜRICH (Dow Jones)--Der CEO der ABB Ltd verlässt überraschend den schweizerischen Industriekonzern, und dies könnte nach Einschätzung von Analysten eine neue Runde von Zukäufen bei dem Züricher Unternehmen einläuten. ABB teilte den Rücktritt von Fred Kindle am Mittwoch mit und ernannte als Interims-CEO Finanzvorstand Michel Demare.

Kindle verlässt den Industriekonzern mit sofortiger Wirkung. Zur Begründung waren "unüberbrückbarer Differenzen" über die Führung des Unternehmens angegeben worden. Einige Beobachter vermuten, dass Kindle ABB nach unterschiedlichen Ansichten über die Akquisitionsstrategie verlässt.

Kindle stand drei Jahre erfolgreich an der Spitze des Züricher Konzerns. 2002 war das Unternehmen knapp der Insolvenz entgangen. Damals hatten sich die Folgen einer aggressiven Akquisitionspolitik in den neunziger Jahren bemerkbar gemacht.

"Der plötzliche und unerwartete Abgang von Kindle ist keine gute Nachricht," sagte ein Züricher Analyst, der nicht genannt werden wollte. Das Timing könne angesichts der möglichen Rezession kaum schlechter sein. Kindle sei ein sehr angesehener Manager gewesen. Sein Abgang führe zu großer Unsicherheit.

Wegen der Unsicherheit um Kindles Abschied und der Furcht, ABB könnte ihre starke Stellung aufs Spiel setzen, fielen die ABB-Papiere im frühen Handel stark. Um 12.18 Uhr standen sie mit 8,5% im Minus bei 25,10 CHF. Nach Ansicht des Merrill-Lynch-Analysten Mark Troman bietet der fallende Kurs eine gute Möglichkeit, bei ABB einzusteigen. Ein Analyst der Credit Suisse verweist dagegen auf die mangelnde Erfahrung des CFO in der Position eines CEO.

ABB kündigte an, an ihrem Ende 2007 angekündigten Wachstumsplan festhalten zu wollen. Das Unternehmen profitiert derzeit von der weltweiten Nachfrage nach Infrastrukturprodukten wie beispielsweise bei Energie- und Automatisierungstechnik.

Mit dem Ausscheiden von Kindle zog ABB auch die Veröffentlichung der Viertquartalszahlen vor. Der Nettogewinn sei im Schlussquartal auf 1,8 Mrd USD gestiegen von den 422 Mio USD im Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern mit. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Marktbeobachter. Positiv auf das Ergebnis wirkte sich unter anderem der Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen aus.

Aufgrund seiner guten Finanzausstattung kündigte das Unternehmen an, die Dividende auf 0,48 CHF pro Aktie erhöhen und ein Aktienrückkaufprogramm von 2 Mrd USD zu starten. Laut Schätzungen verfügt das Unternehmen über Barmittel von rund 4 Mrd USD und könnte rund 10 Mrd USD an Fremdmitteln aufnehmen, um weiter zu wachsen.

Beobachter glauben, dass die Liquidität den Druck auf ABB erhöht, Akquisitionen anzustrengen. Kindle hatte im vergangenen Jahr berichtet, das Unternehmen prüfe mehr als 100 mögliche Übernahmekandidaten. Bislang habe man jedoch wegen der hohen Preise kein Gebot abgegeben.

Trotz der gefallenen Preise, da sich Beteiligungsgesellschaften aufgrund der Kreditkrise aus dem Akquisitionsgeschäft zurückgezogen haben, konnte ABB bislang keinen passenden Übernahmekandidat finden.

Hieraus könnte sich nach Einschätzung von Analysten ein Streit zwischen Kindle und dem Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg entfacht haben. Grünberg gilt als Befürworter eines stärkeren Wachstumskurses.

ABB stand 2002 kurz vor einer Insolvenz, nachdem das Unternehmen hohe Summen für Gerichtsverfahren wegen Asbestklagen in den USA aufwenden musste und von der weltweiten wirtschaftlichen Abkühlung betroffen war. Die Probleme waren nach Meinung von Analysten hauptsächlich durch die Einkaufstour des früheren CEO Percy Barnevik entstanden, der in den neunziger Jahren Milliardenbeträge für Zukäufe weltweit ausgegeben hatte.

Erst durch rigorose Restrukturierungsmaßnahmen unter dem CEO Jürgen Dormann konnte ABB 2005 zur Profitabilität zurückkehren. Unter Kindles Leitung prosperierte der Konzern, angeheizt von der starken Nachfrage aus China, Indien und dem Nahen Osten.

Webseite: http://www.abb.com/ -Von Goran Mijuk, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 102; unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/dct/jhe

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