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23.04.2009

UPDATE: Bosch steuert auf ersten Vorsteuerverlust seit 1945 zu

(NEU: Weitere Aussagen der Geschäftsführung)

Von Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

GERLINGEN (Dow Jones)--Die Robert Bosch GmbH steuert 2009 auf den ersten Vorsteuerverlust seit dem zweiten Weltkrieg zu. Das stark von der Automobilindustrie abhängige Stuttgarter Technologieunternehmen will nun Geschäftsbereiche auf den Prüfstand stellen und allein in Deutschland Stellen in mindestens vierstelliger Zahl nicht neu besetzen.

Wegen der weltweit in diesem Jahr um bisher rund 30% geschrumpften Autoproduktion ist der Umsatz von Bosch ist im ersten Quartal um ein Viertel zurückgegangen, wie Gerhard Kümmel, das für Finanzen zuständige Mitglied der Geschäftsführung, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz sagte. Das Ergebnis sei angesichts dieses Umsatzrückgangs negativ gewesen.

Das Unternehmen kalkuliert derzeit unter der Annahme eines Rückgangs der weltweiten Wirtschaftsleistung um rund 1% und mit einem Rückgang der Automobilproduktion um 15%. Für Bosch resultiere daraus ein Umsatzrückgang zwischen 10% und 15%. Dabei werde dann vor Steuern ein Verlust von bis zu 3% des Umsatzes eintreten, sagte Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung. Maximal werde in diesem Szenario ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis erreicht. Einen Vorsteuerverlust hatte Bosch nach Fehrenbachs Aussagen seit dem Zweiten Weltkrieg nicht verzeichnet.

Der wahrscheinliche Verlust in diesem Jahr sei jedoch nicht entscheidend. "Ein gutes Unternehmen verkraftet durchaus auch Verlustjahre", sagte Fehrenbach. Wichtiger sei vielmehr, ob das Unternehmen solide finanziert und strategisch gut aufgestellt sei. Dies treffe auf Bosch zu. Mit einem Barmittelbestand von 2,3 Mrd EUR zu Jahresanfang, langfristigen Verbindlichkeiten von 2 Mrd EUR, die verteilt zwischen 2010 und 2016 fällig würden und einer Eigenkapitalquote von 49% sah Kümmel das Unternehmen gut ausgestattet.

Das Geschäftsmodell will Bosch weiterhin noch mehr auf Umwelttechnologien und energieeffiziente Produkte ausrichten. Der derzeit in diesem Bereich erzielte Umsatzanteil von einem Drittel solle deutlich steigen, sagte Fehrenbach. Dazu soll die Internationalisierung fortgesetzt werden. In Amerika und Asien-Pazifik will Bosch in Zukunft mehr als die Hälfte des Geschäfts machen. 2008 waren es ein gutes Drittel der insgesamt erzielten 45,1 Mrd EUR.

Zudem will das Unternehmen die Abhängigkeit von der derzeit kriselnden Autoindustrie verringern. Zwar rechnet Bosch langfristig nicht mit weniger verkauften Autos, wie der für den Bereich zuständige Geschäftsführer Bernd Bohr sagte. Dennoch sollen die anderen Bereiche Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik sowie Industrietechnik überdurchschnittlich wachsen, um die Umsatzstruktur auszubalancieren. 2008 stammten fast drei Fünftel der Einnahmen aus dem Geschäft als Autozulieferer.

Für ein besseres Gleichgewicht sollen nach Fehrenbachs Worten auch strukturelle Schwächen in einzelnen Geschäftsbereichen bereinigt werden. Dazu zählt das Bremsengeschäft, in dem Bosch seit einigen Jahren Verluste schreibt, wie Bohr sagte. Der Anstieg der Rohstoffpreise bei den hauptsächlich aus Aluminium oder Gussstahl bestehenden Produkten konnte in den zurückliegenden Jahren nicht an die Kunden weitergegeben werden, erläuterte Bohr die Problematik.

Die gewählten Sanierungsansätze seien nicht erfolgreich gewesen, weitere Konzentration sei nötig, hieß es weiter. Dabei sei die Schließung kleinerer Standorte in den USA möglich, in Europa liefen derzeit Verhandlungen mit den Arbeitnehmern, sagte Bohr. Regional seien auch Partnerschaften mit anderen Herstellern zur Erlangung von Größenvorteilen denkbar.

Sparen will Bosch auch bei den Personalkosten. Dazu werde die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung genutzt, sagte Fehrenbach. Derzeit befänden sich in Deutschland rund 32.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, bei weiteren 26.000 sei die Arbeitszeit tarifvertraglich reduziert worden. Dazu verhandelt das Unternehmen nach Aussage des für das Personal verantwortlichen Wolfgang Malchow derzeit mit den Arbeitnehmern über eine Verschiebung der Tariferhöhung, die die IG Metall für den 1. Mai ausgehandelt hatte. Auch sich selbst gönnt die Geschäftsführung in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung.

Im Ausland seien rund 35.000 Mitarbeiter von Arbeitszeitverkürzungen betroffen, hieß es weiter. Dort seien auch bereits 3.000 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen worden. Diese Zahl werde sich im Lauf dieses Jahres noch wesentlich erhöhen, kündigte Fehrenbach an. Auch in Deutschland werde der Personalbestand tendenziell sinken.

"Wir werden anstehende strukturelle Anpassungen konsequent angehen und auch absehbare Überkapazitäten abbauen", sagte Fehrenbach. Diese könnten zum Beispiel bei einer Verschiebung des Automarkts hin zu kleineren Modellen mit weniger Bauteilen auftreten, erläuterte Fehrenbach. Grundsätzlich gelte aber weiterhin, dass das Unternehmen die Kernmannschaft so weit wie möglich halten wolle. Im Verlauf der Pressekonferenz konkretisierte Fehrenbach diese Aussage auf die Bereiche, wo die Chance auf eine Rückkehr zum Niveau vor der Krise bestehe.

Malchow betonte, dass Bosch weiter einstelle. Allein in Deutschland sollen in diesem Jahr 500 Akademiker neu zum Unternehmen kommen und 1.400 Auszubildende. Die tendenziell sinkende Zahl der Belegschaft begründete Malchow mit dem "normalen" Freiwerden von 2% bis 3% der Stellen aus Altersgründen. In Deutschland beschäftigte Bosch zum Jahreswechsel über 114.000 Menschen, weltweit waren es 281.000.

"Die jetzige Rezession geht viel tiefer und wird deshalb viel länger dauern als die Ölkrise von 1974", beschrieb Fehrenbach das wirtschaftliche Umfeld. Er rechne damit, dass das vor der Krise herrschende Niveau erst nach ein oder zwei Jahren und damit deutlich später als bei sonstigen Konjunkturschwächen erreicht werde.

Der für den Einkauf zuständige Rudolf Colm berichtete von Anfragen eigener Zulieferer, die um eine vorzeitige Zahlung seitens Bosch gebeten hätten. "Wir versuchen dort entgegenzukommen, geben aber keine Darlehen, schließlich sind wir keine Bank", sagte Colm. Auch auf der anderen Seite berichtete Bohr von Anfragen von Kunden in der Autoindustrie, die wiederum um einen Zahlungsaufschub gebeten hätten. Dies sei von Bosch jedoch abgelehnt worden.

Momentan rechnet Bosch damit, dass das erste Quartal den Tiefpunkt der Entwicklung markiert. Die nächsten Quartale würden nicht mehr ganz so negativ ausfallen, schätzt Fehrenbach. Gegen Jahresende schließt der Manager auch Zuwächse nicht aus, die allerdings dann auf einer niedrigen Vorjahresbasis beruhten.

Die Stuttgarter gründen ihre Hoffnung auf die weltweiten Konjunkturprogramme, die die für Deutschland so wichtigen Auslandsmärkte in Schwung bringen dürften. Diese sollen Fehrenbach zufolge auch das abrupte Auslaufen der deutschen Abwrackprämie auffangen, die das Unternehmen lieber stufenweise reduziert als umstandslos verlängert gesehen hätte. Zudem sieht Bosch den Höhepunkt der Finanzkrise vorüber und bemerkt sich aufhellende Stimmungsindikatoren.

Webseite: http://www.bosch.com -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 104, martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/jhe Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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