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09.04.2008

UPDATE: Conergy schreibt 2008 als "Jahr des Turnarounds" ab

(NEU: Aussagen von der Bilanzpressekonferenz, Analysten, Aktienkurs) Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Aussagen von der Bilanzpressekonferenz, Analysten, Aktienkurs) Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Solarunternehmen Conergy AG will sich nach den hohen Verlusten im vergangenen Geschäftsjahr künftig stärker auf die Profitabilität konzentrieren. Der Ertrag habe eindeutig Vorrang vor dem Wachstum, sagte der Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz des Hamburger Unternehmens.

Damit zieht Conergy Konsequenzen aus den Jahren ungestümer Expansion, die den Konzern im Herbst vergangenen Jahres in eine schwere Liquiditätskrise und tief in die roten Zahlen gebracht hatte. Auch im laufenden Jahr ist zunächst noch keine Besserung in Sicht: Conergy sieht 2008 als "Jahr des Turnarounds".

Die tiefgreifende Restrukturierung mit der Konzentration auf den Photovoltaik-Bereich, den Verkauf von Randaktivitäten, der Rückzug aus verlustreichen Regionen sowie die Bereinigung des Produktportfolios werde fortgeführt. "2008 wird ein hartes Jahr", betonte Ammer. Der Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter bezifferte die negativen Sondereffekte, die in diesem Jahr zu Buche schlagen werden, auf einen zweistelligen Mio-EUR-Betrag, ohne weitere Details zu nennen.

Das Unternehmen bekräftigte am Vormittag seine Prognose. Demzufolge erwartet der TecDAX-Konzern 2008 weitere deutliche Verluste auf operativer Ebene. Für das fortgeführte Geschäft rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzzuwachs "auf deutlich über 1 Mrd EUR", nach 706 Mio EUR im Vorjahr. Das EBITDA werde vor Sondereffekten wohl ausgeglichen sein. Conergy prognostiziert einen Verlust vor Steuern und vor Sonder- und Einmaleffekten im "erheblichen" zweistelligen Mio-EUR-Bereich.

Für 2009 plant der Konzern eine weitere Umsatzbelebung sowie erstmals wieder ein positives EBIT in gut zweistelliger Mio-EUR-Höhe. Die Restrukturierung zeige erste Erfolge. So habe das Unternehmen erste Randaktivitäten verkauft, darunter seine Thermieaktivitäten in Belgien, den Niederlanden und Österreich. Weitere Verkäufe seien eingeleitet. Eine Vielzahl von potentiellen Käufern habe hieran Interesse bekundet.

Die Zahl der Vollzeitarbeitskräfte wurde den Angaben zufolge um über 550 verringert. Durch die zum Verkauf stehenden Aktivitäten seien noch einmal etwa 300 Mitarbeiter betroffen. Insgesamt will Conergy nach Aussagen von Ammer einen Großteil der 200 Einzelmaßnahmen noch im laufenden Jahr abschließen.

Das Problem des Unternehmens sei es gewesen, dass es in der Vergangenheit zu schnell und zu ehrgeizig in zu unterschiedlichen Technologien gewachsen sei, sagte der Vorstandsvorsitzende und Mitbegründer des Unternehmens, der das Amt im Zuge der Krise interimistisch übernommen hatte. Die Expansion war dem CEO zufolge weder finanzier- noch leistbar. Jetzt bestehe die Aufgabe von Conergy erst einmal darin, "Nein" zu sagen.

Für 2007 wies Conergy einen Nachsteuerverlust von 248 Mio EUR aus. Bei der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen Anfang Februar waren es noch minus 194 Mio EUR gewesen. Wie der Finanzvorstand erklärte, ist dies auf die geringer als zunächst angesetzten positiven latenten Steuern zurückzuführen. Dies werde jedoch einen positiven Effekt auf die zukünftigen Ergebnisse haben, erläuterte CEO Ammer.

Conergy werde ihren Aktionären möglicherweise auch für das Geschäftsjahr 2009 noch keine Dividende zahlen. Für eine Entscheidung darüber sei es derzeit aber noch zu früh, sagte Ammer in einem Gespräch mit Dow Jones Newswires. Operativ werde Conergy aber im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder in die schwarzen Zahlen kommen.

Das EBIT wurde im vergangenen Jahr vor allem durch einmalige Belastungen beeinträchtigt. Bei dem Verlust von 210 Mio EUR schlugen Abschreibungen mit 74 Mio EUR zu Buche. Hinzu kamen Währungsverluste, Anlaufkosten für die Solarfabrik in Frankfurt/Oder und Restrukturierungskosten.

Ein Händler nannte die Zahlen am Morgen ein "Desaster". Dagegen maß ein Analyst der Bilanz für 2007 nur eine untergeordnete Bedeutung bei. Auch der Ausblick enthalte nichts Neues. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die Frage, wie der Turnaround zu bewerkstelligen sei. Die Deutsche Bank bestätigte die Aktie mit "Sell" und einem Kursziel von 10 EUR. Das Papier verliert bis 12.24 Uhr 1,3% auf 14,10 EUR. Zwischenzeitlich lag das Minus bei über 4%.

Der Aufbau der Conergy Solarfabrik in Frankfurt (Oder) verlaufe planmäßig, sagte Ammer und wies dabei anderslautende Medienberichte zurück. Das Werk befinde sich derzeit in der Ramp-Up-Phase. 90% aller Maschinen seien eingebracht und würden sukzessive eingefahren. Die für den Aufbau und Testbetrieb erforderlichen Rohstoffmengen habe sich Conergy über kurzfristige Lieferverträge gesichert.

Jedoch könne es in den nächsten drei Monaten aufgrund von Engpässen auf der Zuliefererseite zu Produktionsschwankungen kommen, erklärte Conergy. Ab Juli dieses Jahres erhalte das Unternehmen über seinen Partner MEMC größere Mengen siliziumbasierter Rohstoffe, die eine Teilauslastung der Produktion 2008 sicherten. Der langfristig angelegte Vertrag mit MEMC beinhalte stetig steigende Lieferungen, so dass Conergy das Werk ab der zweiten Jahreshälfte 2009 voll auslasten könne.

Die geplante Kapitalerhöhung von 250 Mio EUR, mit der Conergy eine Zwischenfinanzierung ablösen will, sei vollständig gesichert. Wann sie abschließend umgesetzt werden soll, ist jedoch weiter unklar. Dies hänge letztlich auch von der Situation an den Kapitalmärkten ab, hieß es.

CEO Ammer bekräftigte, dass er das Amt nur übergangsweise ausüben werde. Derzeit werde eine langfristige Lösung gesucht. Dabei sieht sich Conergy jedoch nicht unter Zeitdruck.

Webseite: http://www.conergy.de -von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 (0)69-29725 111, unternehmen.de@dowjones.com (Andreas Heitker hat zu dem Artikel beigetragen) DJG/nas/cbr

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