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31.01.2011

UPDATE: Deutsche Unternehmen leiden unter Unruhen in Ägypten

(NEU: Zusammenfassende Berichterstattung)

(NEU: Zusammenfassende Berichterstattung)

Von Hans Seidenstücker DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Die politischen Unruhen in Ägypten belasten zunehmend die deutschen Unternehmen vor Ort. Wegen der nächtlichen Ausgangssperren und der angespannten Sicherheitslage wurde die Produktion unter anderem von BASF, BMW, Daimler und Leoni beeinträchtigt. Zahlreiche Unternehmen ließen ihre Mitarbeiter aus Ägypten ausfliegen.

Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) haben rund 80 deutsche Unternehmen Niederlassungen in Ägypten, daneben sind zahlreiche Firmen über Vertriebsbüros im bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt vertreten. Rund 7.000 Deutsche arbeiten in Ägypten, die nun teilweise von ihren Arbeitgebern zurück in die Heimat gebracht werden.

So hat der Öl- und Gasförderer RWE Dea vergangene Nacht rund 90 Menschen - Mitarbeiter und ihre Angehörigen - ausgeflogen. Die Tochtergesellschaft der Essener RWE AG zählt rund 140 Beschäftigte in Ägypten, die meisten davon sind Ägypter. Eine Kernmannschaft befinde sich noch im Land, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. "Bislang sind die Exploration und Förderung nicht beeinträchtigt", sagte RWE-Dea-Sprecherin Carolin Flemming am Montag. Ägypten ist eines der Schlüsselländer für die Öl- und Gasstrategie von RWE, die ihre Produktion mittelfristig auf 75 Mio Barrel Öläquivalent pro Jahr steigern will. RWE Dea hält 14 On- und Offshore-Explorationslizenzen in Ägypten.

Auch der Handelskonzern Metro flog seine europäischen Mitarbeiter und deren Familien aus. Dabei handelte es sich um 20 bis 30 Personen, wie ein Sprecher der Metro AG erklärte. Ein Großmarkt des Konzerns in Kairo sei teilweise abgebrannt, der andere "nur" geplündert, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer DAX-Konzerns.

Besonders betroffen von den Unruhen sind die deutschen Automobilhersteller und -zulieferer. Daimler will wegen der Unruhen in Ägypten Mitarbeiter aus seiner dortigen Montage in der Nähe der Hauptstadt Kairo abziehen. "Wir haben uns wegen der unklaren Sicherheitslage entschieden, die entsendeten Mitarbeiter zurückzuholen", sagte ein Konzern-Sprecher. Betroffen sei eine niedrige zweistellige Zahl von Beschäftigten. Die Produktion stehe seit Sonntag still. Noch sei unklar, wann die Automontage wieder aufgenommen werden kann. Die Vertriebsaktivitäten habe der Konzern in dieser Woche komplett eingestellt.

Auch bei BMW stehen die Bänder in Ägypten still. Eine Montage sei zur Zeit nicht möglich, die Produktion ruhe, sagte ein Sprecher des DAX-Konzerns am Montag. Die Münchener kooperieren in Kairo mit einem lokalen Importeur über eine sogenannte CKD-Fertigung ("Completely Knocked Down"), in der BMWs endmontiert werden. 2010 waren es knapp 1.900 Autos der 3er-, 5er- und 7er-Baureihe sowie die SUVs X1 und X3. Mit Hilfe der Vor-Ort-Montage können hohe Importzölle umgangen werden. Der Sprecher erklärte, auf dem Lohnzettel von BMW stünden lediglich zwei Mitarbeiter, die nun samt ihrer Familien ausgeflogen werden sollen.

Volkswagen hat seine Auto-Lieferungen in das nordafrikanische Land gestoppt. Es sei völlig unklar, ob die Wagen ihren Bestimmungsort erreichten, sagte ein Sprecher des Wolfsburger Konzerns. Zuvor waren auch die Lieferungen nach Tunesien unterbrochen worden, nachdem Fahrzeuge anderer Hersteller nach der Ankunft im Hafen in Brand gesteckt worden seien. Eigene Werke hat Volkswagen in Nordafrika nicht.

Beim Automobilzulieferer Leoni ist die Produktion in Ägypten beeinträchtigt, wie ein Sprecher des MDAX-Konzerns sagte. Wegen der vorhandenen Bestände komme es allerdings nur in Einzelfällen zu Engpässen. Das größte Problem sei es aktuell, die Beschäftigen zur Arbeit zu bringen, sagte der Sprecher. Am Wochenende hätten nur 15% bis 20% der Beschäftigten zur Arbeit erscheinen können. Nun versuche man, eigene Transportmöglichkeiten zu schaffen und das Schichtsystem an die Gegebenheiten anzupassen, erklärte er. Leoni unterhält in Kairo einen Standort, an dem Kabelnetze und komplette Bordnetz-Systeme für Pkw und Nutzfahrzeuge hergestellt werden. Dort arbeiten rund 4.000 Menschen.

Der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp hat 10 seiner in Kairo beschäftigten Mitarbeiter nach Deutschland ausgeflogen. Der Bau von zwei petrochemischen Werken im Norden des Landes gehe jedoch weiter, sagte eine Unternehmenssprecherin. Weitere 60 nicht-ägyptische Mitarbeiter befänden sich in Port Said rund 170 Kilometer von Kairo entfernt. Dort sei die Lage ruhig, sagte die Sprecherin. Sollte es jedoch nötig sein, könnten die Mitarbeiter schnell ausgeflogen werden. Ägyptische Beschäftigte, die in der Nähe Kairos leben, seien angewiesen worden, vorerst zu Hause zu bleiben.

Die ThyssenKrupp-Tochter Uhde baut derzeit Petrochemiewerke mit einer jährlichen Produktionskapazität von 700.000 Tonnen. Auftraggeber ist die Egyptian Propylene & Polypropylene Company. Derzeit zähle ThyssenKrupp insgesamt rund 1.800 Beschäftigte in Ägypten, sagte die Sprecherin weiter.

Der Chemieriese BASF hat seine Produktion von Bauchemikalien in Ägypten ausgesetzt, den Beschäftigten wurde nach Angaben einer Konzernsprecherin geraten zu Hause zu bleiben. Der DAX-Konzern hat rund 100 Beschäftigte in Ägypten.

Siemens beschäftigt einem Sprecher zufolge in Ägypten rund 480 Mitarbeiter, die meisten davon kommen aus Ägypten. Den ausländischen Mitarbeitern habe Siemens den Rückflug nach Europa angeboten, was viele von ihnen auch angenommen hätten. Den Mitarbeitern vor Ort rät der Münchner Technologiekonzern, sich an die von der Regierung verhängte Ausgangssperre zu halten und nach Möglichkeit von zuhause zu arbeiten.

Siemens produziert in Ägypten Hochspannungstechnik für den Energiesektor. Ob in Ägypten die Produktion derzeit noch laufe, könne man momentan nicht mir Sicherheit sagen, erklärte der Sprecher.

-Von Hans Seidenstücker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 104, unternehmen.de@dowjones.com (Katharina Becker, Jan Hromadko, Matthias Karpstein und Nico Schmidt haben zu dem Bericht beigetragen.) DJG/DJN/has/cbr

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