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10.07.2008

UPDATE: Heidelberger Druck sieht schwache Branchenkonjunktur

(NEU: Hintergrund, Details, Markteinschätzung)

(NEU: Hintergrund, Details, Markteinschätzung)

Von Michael Matern und Alexander Becker

DOW JONES NEWSWIRES

HEIDELBERG (Dow Jones)--Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat nach zwei Gewinnwarnungen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2007/08 auch für das laufende Geschäftsjahr eine verhaltene Prognose gegeben. Auch nach der wichtigsten Branchenmesse drupa erwartet das Unternehmen "schwierige Marktbedingungen" und will nun mit einem umfassenden Maßnahmenpaket auf der Kostenseite gegensteuern. Wie das das laufende Geschäftsjahr konkret verlaufen wird, bleibt voraussichtlich länger unklar als erwartet. Investoren hatten offenbar mit positiveren Nachrichten gerechnet.

Wie der MDAX-Konzern am Donnerstag mitteilte, drücken eine ungünstige konjunkturelle Entwicklung, der starke Euro und steigende Rohstoffkosten auf das Geschäft des Druckmaschinenherstellers. Zur Stabilisierung der kurz- und mittelfristigen Umsatz- und Ertragsentwicklung hat der Heidelberger MDAX-Konzern daher ein Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem vom Geschäftsjahr 2010/11 an jährliche Einsparungen von 100 Mio EUR realisiert werden sollen.

Die schwierigen Rahmenbedingungen haben bei Heidelberger Druck bereits Spuren in der Bilanz hinterlassen. So sank der Umsatz im ersten Quartal 2008/09 per 30. Juni auf 640 Mio bis 660 Mio EUR. Operativ werde ein Verlust von 35 Mio bis 40 Mio EUR erwartet, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Aufgrund der alle vier Jahre stattfindenden Messe drupa lag der Auftragseingang im ersten Quartal bei 1,1 Mrd bis 1,15 Mrd EUR.

Die auf der Messe erzielten Abschlüsse werden sich dem Unternehmen zufolge schwerpunktmäßig im Umsatz des zweiten und dritten Quartals niederschlagen. Für das zweite und dritte Quartal 2008/09 rechnet Heidelberg daher mit einer Steigerung bei Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorquartal. Für das Gesamtjahr 2008/09 geht das Unternehmen davon aus, bei Umsatz und Betriebsergebnis unter dem Vorjahr zu liegen.

Auf Grund der unsicheren weltweiten Konjunktur und des volatilen Marktumfeldes sei eine zuverlässige Prognose für das Geschäftsjahr derzeit nicht möglich. Diese soll spätestens mit Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang November veröffentlicht werden.

Zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, eine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2008/2009 Anfang August mit den Zahlen zum ersten Quartal veröffentlichen zu wollen. In früheren Aussagen hatte das Unternehmen aber bereits angekündigt, dass das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit im Gesamtgeschäftsjahr deutlich unter dem Ergebnis des Berichtsjahrs liegen wird. Neben Einmalaufwendungen aus dem Messeauftritt und aus Serienanläufen für neue Produkte werde der starke Wechselkurs des Euros belasten.

Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Heidelberger Druckmaschinen einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang verzeichnet und musste zuvor zweimal innerhalb weniger Wochen eine Gewinnwarnung ausgeben.

Mit dem nun mitgeteilten Maßnahmenpaket mit vier Bausteinen will Heidelberger Druck sich weiter in den Gebieten Verpackungsdruck und Dienstleistungen positionieren. Die Säulen des Programms sind die Reduzierung des F&E-Aufwands, die Restrukturierung der Postpress-Packaging-Aktivitäten, die deutliche Steigerung des Einkaufsvolumens außerhalb des Euro-Raumes und die Stärkung der internationalen Produktionsstandorte sowie eine Reduzierung der Strukturkosten.

Insgesamt sollen damit Einsparungen von rund 100 Mio EUR bis 2010/11 realisiert werden, 75 Mio EUR davon sollen innerhalb der nächsten 18 Monate erreicht werden. Zunächst werde das Maßnahmenpaket im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 zu Belastungen von rund 70 Mio EUR auf der Ergebnisseite führen; weitere Belastungen von 30 Mio EUR werden bis 2010/11 folgen, so Heidelberger Druck weiter.

Mittels Effizienzsteigerungen und Zusammenlegung von Entwicklungsaktivitäten sollen Kosten in Höhe von mindestens 25 Mio EUR eingespart werden - ein Rückgang von gut 10%. Mittelfristig soll der F&E-Aufwand auf weniger als 5% des Gesamtumsatzes reduziert werden.

Im Bereich Postpress Packaging soll das Ergebnis bis 2010/11 um 20 Mio EUR verbessert werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Dies soll über eine Zusammenlegung von Produktionskapazitäten, die Verlagerung von Teilbereichen in die Slowakei sowie die Neustrukturierung von Entwicklungstätigkeiten innerhalb dieses Produktbereiches erreicht werden.

Das Einkaufsvolumen außerhalb des Euro-Raums soll auf knapp 200 Mio EUR im Jahr 2010/11 von derzeit rund 40 Mio EUR ausgebaut werden. Daneben werde auch die Produktion im Ausland weiter forciert. Die Werke in China und der Slowakei sollen ausgebaut werden. Zudem beabsichtigt Heidelberger Druck, die Produktion einer Druckmaschine im Kleinformat in das US-Werk zu verlagern, da sich dort der größte Absatzmarkt für dieses Produkt befindet.

Ergänzend plant Heidelberg Strukturkosten zu senken. In den nächsten 24 Monaten will das Unternehmen indirekte Kosten von 40 Mio EUR einsparen. Rund 10 Mio EUR davon sollen bereits im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden. Im Rahmen dieses Programms plant das Unternehmen zudem, bis Ende des Geschäftsjahres 2010/11 weltweit 500 Stellen zu streichen. Zum 31. März 2008 beschäftige die Heidelberg-Gruppe weltweit 19.596 Mitarbeiter.

Die Heidelberger-Druck-Aktie dürfte die Stabilisierung der vergangenen Wochen beenden und erneut den Rückzug antreten, vermuten Händler in einer ersten Reaktion. Der Ausblick auf die kommenden Quartale klinge "alles andere als optimistisch", sagt ein Händler. Dass es erst Anfang November konkretere Prognosen geben soll, werde am Markt voraussichtlich Verkäufe nach sich ziehen.

Die angekündigten Maßnahmen sähen nicht wie ein Befreiungsschlag aus, die schwache Konjunktur im Druckmaschinengeschäft, vor allem in den USA, laste weiter auf Heidelberger Druck. Unterstützung wird knapp unter 12 EUR und Widerstand bei 14 EUR gesehen. Im vorbörslichen Handel werden Heidelberg-Aktien knapp 6% im Minus bei 12,55 EUR gestellt.

Webseite: http://www.heidelberg.com

- Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30

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