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20.04.2007

UPDATE: Heinrich von Pierer tritt bei Siemens ab

(NEU: Details, Hintergrund)

Von Alexander Becker

Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)--Heinrich von Pierer zieht die Konsequenz aus den zahlreichen Affären bei der Siemens AG und tritt als Vorsitzender des Aufsichtsrates zurück. Von Pierer schaffe mit dem Rücktritt "die Voraussetzung für eine personelle Neuausrichtung", teilte der Münchner DAX-Konzern am späten Donnerstagabend mit.

Seine Nachfolge soll zunächst Aufsichtsratsmitglied Gerhard Cromme antreten, der bereits den Prüfungsausschuss im Siemens-Aufsichtsrat zur Aufklärung der Schmiergeldaffäre führt.

Schon die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch nächster Woche wird von Pierer nicht mehr leiten. Als seinen Nchfolger soll das Kontrollgremium für den Rest der laufenden Amtsperiode bis zur Siemens-Hauptversammlung im Januar 2008 den Aufsichtsratsvorsitzenden von ThyssenKrupp, Cromme, wählen. Für den ausscheidenden von Pierer rückt der als "Ersatzmitglied" gewählte Michael Mirow nach, der bis 2002 in der Siemens-Zentrale für die strategische Unternehmensentwicklung zuständig war.

"Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung", wird der langjährige Siemens-Vorstandsvorsitzende in der Mitteilung zitiert. "Ich habe immer die Überzeugung vertreten, dass die Pflicht gegenüber dem Unternehmen und seinen weit mehr als 400.000 Mitarbeitern in aller Welt Vorrang vor eigenen Interessen haben muss."

Von Pierer war angesichts der zahlreichen Affären um den Siemens-Konzern in den vergangenen Wochen verstärkt in die Kritik geraten. In zahlreichen Medienberichten war über seine vorzeitige Ablösung spekuliert worden. So sollen andere Siemens Aufsichtsratsmitglieder von Pierer wiederholt zum Rücktritt gedrängt haben.

Kritiker warfen von Pierer vor, er sei als Aufsichtsratsvorsitzender nicht geeignet für die Aufklärung der zahlreichen Affären, deretwegen die Staatsanwaltschaften in München, Nürnberg und Darmstadt ermitteln. Immerhin fiel der Aufbau des Systems der schwarzen Kassen in die Zeit, als von Pierer die Verantwortung als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens trug. Vor seinem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats war von Pierer von 1993 bis 2005 Vorstandsvorsitzender von Siemens.

Die Kritik zeigte Wirkung: Bereits auf der Hauptversammlung im Januar erhielt von Pierer bei der Entlastung des Aufsichtsrats mit 65,9% das schlechteste Ergebnis. Auf der nächsten Hauptversammlung im Januar 2008 steht nach Ablauf von fünf Jahren turnusgemäß die Neuwahl aller Vertreter der Anteilseigner des Aufsichtsrats auf der Tagesordnung.

Bislang hatte von Pierer einen Rücktritt mit der Begründung ausgeschlossen, er habe nichts mit den Korruptionsaffären zu tun und keine Kenntnis von illegalen Vorgängen gehabt. "Siemens ist trotz einer hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens aufgrund von teilweise offensichtlichen, teilweise behaupteten Verfehlungen einer Reihe von Führungskräften und Mitarbeitern in eine prekäre Situation geraten", wird von Pierer nun zitiert. "Alleiniger Anlass und Beweggrund für meine heutige Entscheidung ist das Interesse von Siemens."

Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag aus Unternehmenskreisen berichtet, war der Machtkampf um die Spitze des Aufsichtsrates in den vergangenen Tagen eskaliert. Noch am Donnerstag hätten Krisengespräche zwischen dem Siemens-Vorstand und einflussreichen Vertretern des Aufsichtsrates stattgefunden, darunter ranghohe Gewerkschaftsvertreter.

Dem Gremium gehören unter anderem der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG ,Josef Ackermann, der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber und der Ex-Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt, an. In mehreren Gesprächen habe man Pierer versucht, zur Aufgabe zu überreden, schreibt die Zeitung.

"Der Aufsichtsrat nimmt die Entscheidung, die von Pierer für sich getroffen hat, mit großem Bedauern und Respekt zur Kenntnis", wird Ackermann nun in der Mitteilung zitiert. Die persönliche Integrität des 66-Jährigen stehe "außer Zweifel". Sie werde durch seinen nun von ihm vollzogenen Schritt "erneut unter Beweis gestellt."

Von Pierer ist nun noch in den Aufsichtsräten der Deutschen Bank AG, der Hochtief AG, der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG, der ThyssenKrupp AG und der Volkswagen AG vertreten.

Von Pierers Rückzug bei Siemens könnte sich nach Einschätzung von Anteilseignern direkt auf die strategische Ausrichtung des Konzerns auswirken. So sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment, in der vergangenen Woche in einem Zeitungsinterview, im Falle eines Rücktritts von Pierers hätte Kleinfeld "noch freiere Hand beim Konzernumbau". Union Investment zählt zu den größten Siemens-Investoren.

Webseite: www.siemens.de/

-Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 505,

industry.de@dowjones.com

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