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10.11.2009

UPDATE: Kein schnelles Krisenende bei Heidelberger Druck in Sicht

(NEU: Einzelheiten, Händleraussagen)

(NEU: Einzelheiten, Händleraussagen)

Von Christine Benders-Rüger DOW JONES NEWSWIRES

HEIDELBERG (Dow Jones)--Bei der Heidelberger Druckmaschinen AG zeichnet sich angesichts der Wirtschaftskrise und der Investitionszurückhaltung der Kunden weiter keine Erholung ab. Der krisengebeutelte MDAX-Konzern berichtete am Dienstagmorgen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 zum sechsten Mal in Folge einen Verlust. Das Minus fiel zudem höher aus als erwartet. Auch malten die Heidelberger weiter ein düsteres Bild für die Zukunft und rechnen nicht mit einer schnellen Geschäftserholung.

Um auf die schwerste Krise im Maschinenbau seit Jahrzehnten zu reagieren, hatte Heidelberger Druckmaschinen bereits Mitte 2008 den Rotstift angesetzt und den Sparkurs seither deutlich verschärft. Zudem hatte das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen.

Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter lag im zweiten Quartal 2009 bei -78 (Vorjahr: -56) Mio EUR, auch operativ und nach Sondereinflüssen weitete sich der Verlust auf -74 (Vj -50) Mio EUR aus. Analysten hatten für den Maschinenbauer einen Nettoverlust nach Anteilen Dritter von 57 Mio EUR und einen operativen Fehlbetrag von 58 Mio EUR prognostiziert.

Der Auftragseingang fiel im zweiten Quartal auf rund 534 (Vj 721) Mio EUR und der Umsatz auf 499 (Vj 804) Mio EUR zurück. Beide Kennziffern lagen damit in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Die Entwicklung innerhalb der Regionen bezeichnete der Konzern als sehr unterschiedlich. "Asien sendet positive Signale. Das reicht allerdings nicht, um die Rückgänge in den übrigen Regionen vollständig zu kompensieren", erklärte Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

"Bei den Auftragseingängen sehen wir mittlerweile eine Bodenbildung, ohne jedoch im laufenden Geschäftsjahr von einer deutlichen Erholung in den Folgequartalen auszugehen. Erst wenn sich die gesamtwirtschaftliche Situation nachhaltig erholt, kann mit einer Steigerung der Produktionswerte und der Kapazitätsauslastung in der Druckindustrie gerechnet werden, was in Folge zu einer höheren Investitionsbereitschaft führen wird", sagte Schreier weiter. Der Auftragsbestand blieb im zweiten Quartal 2009/10 Geschäftsjahrs mit 617 (Vj 1.206) Mio EUR konstant zum Vorquartal von 616 Mio EUR.

Im weiteren Jahresverlauf will der Konzern aber seine Verluste eindämmen. "Alle Maßnahmen, unsere Kosten um jährlich rund 400 Mio EUR zu senken, befinden sich in der Umsetzung. Damit können wir die Ergebnisbelastungen aufgrund rückläufiger Umsätze teilweise kompensieren", erklärte Finanzvorstand Dirk Kaliebe.

Durch das erwartete leicht ansteigende Volumen im Vergleich zum abgelaufenen Quartal und die höheren Einspareffekte im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2009/10 geht das Unternehmen davon aus, das operative Ergebnis im zweiten Halbjahr "nahezu ausgeglichen zu halten". Kumuliert auf das erste Halbjahr 2009/10 wies das Unternehmen einen betriebliches Ergebnis vor Sonderposten von -128 (-45) Mio EUR aus.

Für das Gesamtgeschäftsjahr 2009/10 rechnet der Konzern noch einmal mit einem Umsatz "deutlich" unter dem Niveau des Geschäftsjahrs 2008/2009. Wegen des niedrigen Umsatzvolumens gehen die Heidelberger von einem Fehlbetrag bei der betrieblichen Tätigkeit ohne Sondereinflüsse aus, das zwischen 110 und 150 Mio EUR liegen wird. 2008/09 setzte HeidelDruck noch rund 3 Mrd EUR um, 2007/08 waren es noch fast 3,7 Mrd EUR gewesen. Das operative Minus (bereinigt) lag im Vorjahr bei 49 Mio EUR, der Nettoverlust bei fast einer Viertel Mrd EUR.

Der Maschinenbau steckt nach massiven Orderrückgängen in der heftigsten Krise seit Jahrzehnten. Hohe Stornoraten, Bestellrückgänge und Überkapazitäten machen dabei vor allem den Druckmaschinenherstellern schwer zu schaffen. Hauptgrund für die schwere Branchenkrise ist der Einbruch auf dem Printwerbemarkt, denn die Druckereien sind von Verlagen abhängig, die sich wiederum zu einem erheblichen Teil auf Werbeeinnahmen stützen. Brachenbeobachter sprechen von einer nun notwendigen Marktkonsolidierung.

Wie schwer aber die Partnersuche sein kann, mussten Heidelberger Druck und der Wettbewerber manroland kürzlich erfahren. Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne scheiterte auf der Zielgeraden. Zu riskant soll den manroland-Eigentümern die Lage beim Marktführer aus Heidelberg erschienen sein.

Heidelberger Druckmaschinen sieht sich aber nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit manroland gut aufgestellt und will die Suche nach Investoren nicht verstärken. Auf Fragen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) Mitte Oktober zur gescheiterten Fusion wich Schreier zwar aus, er sagte jedoch, er denke nicht, dass Banken und Bürgen die zusätzlichen Risiken potenzieller Kooperationen und Fusionen mittragen wollten.

Beobachter denken aber, dass angesichts des Konsolidierungsdrucks in der Branche die Gespräche zwischen den Heidelbergern und manroland wieder aufgenommen werden könnten. Denn auch manroland steht unter Druck, am Vortag berichtete der Weltmarktführer im Rollenoffsetbereich für die ersten neun Monate einen Einbruch bei den Auftragseingängen und beim Umsatz. Auch die Entwicklung bei den Neubestellungen war weiter schwach.

Die Auftragseingänge hätten sich zwar stabilisiert, aber dem Branchentrend entsprechend deutlich nachgegeben, sagte eine manroland-Sprecherin. Nach Daten des VDMA schrumpften die Neuaufträge der Druckmaschinenindustrie in den ersten neun Monaten 2009 um nahezu 50%. Am Freitag berichtet dann noch der Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer über den Geschäftsverlauf.

Zum Ergebnis von Heidelberger Druckmaschinen sagte am Morgen ein Händler: "Das Unternehmen ist nach wie vor hoch verschuldet und die Aktie in erster Linie eine Restrukturierungs-Story. Letztere geben die Ergebnisse im dritten Quartal aber noch nicht her". Im frühen Handel legte die Aktie in einem freundlichen Gesamtmarkt um 1,6% auf 5,07 EUR zu.

Webseite: www.heidelberg.com www.manroland.com www.kba-print.de Von Christine Benders-Rüger, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29 725 108, unternehmen.de@dowjones.com DJG/cbr/has Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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