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03.12.2008

UPDATE: Kosten drücken Infineon-Ergebnis im vierten Quartal

(NEU: Details, Marktreaktionen, Aktienkurs)

(NEU: Details, Marktreaktionen, Aktienkurs)

Von Philipp Grontzki

DOW JONES NEWSWIRES

NEUBIBERG (Dow Jones)--Die Infineon Technologies AG hat im vierten Quartal 2007/08 (per Ende September) wegen Sonderbelastungen einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbucht. Wie der in Neubiberg bei München ansässige DAX-Konzern am Mittwoch mitteilte, lag das EBIT bei minus 220 Mio EUR, nach plus 60 Mio EUR im Vorjahr. Die Aussagen zum weiteren Geschäftsverlauf fielen aufgrund des aktuellen Branchenumfeldes düster aus.

Laut Infineon lässt sich ein signifikanter Umsatzrückgang im globalen Halbleitermarkt nicht ausschließen. Im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 werde der Umsatz von Infineon voraussichtlich um mindestens 15% gegenüber dem Vorjahr sinken, vor allem wegen der Entwicklung im Bereich der Chips für die Automobilindustrie, erklärte das Unternehmen. Auch das Segmentergebnis, das von Kosten aufgrund ungenutzter Kapazitäten zusätzlich belastet werde, werde negativ ausfallen.

Der Ausblick legt eine neue Rechnungslegung zugrunde. Infineon hat seine Bilanzierung zum 1. Oktober auf IFRS von US-GAAP umgestellt und definiert den Wert Segmentergebnis als operatives Ergebnis exklusive außerordentlicher Posten wie etwa Restrukturierungskosten oder Gewinne aus Verkäufen. Im vierten Quartal betrug das Segmentergebnis entsprechend 59 Mio EUR. Zudem gibt es anstatt der bisherigen zwei Kerngeschäftsbereiche ab dem laufenden Geschäftsjahr fünf Divisionen - Automobil, Industrielektronik, Security, Wireline und Wireless.

Im laufenden ersten Geschäftsquartal sieht Infineon einen Umsatzrückgang von etwa 30% zum Vorquartal. Die Marge bezogen auf das Segmentergebnis dürfte in einem mittleren bis hohen negativen Zehner-Prozent-Bereich liegen.

Im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres fielen Netto-Sonderaufwendungen von 253 Mio EUR an, davon stammen 166 Mio EUR aus dem Kostensenkungsprogramm IFX10+. Mit dem Programm sollten ursprünglich bis Ende September 2009 jährliche Einsparungen von mindestens 200 Mio EUR realisiert werden sollen. Insgesamt will der Konzern brutto rund 3.000 Stellen streichen.

Jetzt erklärte Infineon, es seien zusätzliche "substanzielle" Einsparmöglichkeiten identifiziert worden, die über die ursprünglichen Planungen hinausgingen. Doch würden diese zusätzlichen Einsparungen wahrscheinlich durch die rückläufige Umsatzentwicklung mehr als ausgeglichen.

Unter dem Strich stand im vierten Quartal ein Minus von 763 Mio EUR. Der Fehlbetrag war getrieben von Verlusten in Zusammenhang mit der Speicherchiptochter Qimonda, an der Infineon 77,5% hält. Er fiel damit deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Die Erlöse wurden mit 1,153 Mrd EUR angeben, knapp 70 Mio EUR als prognostiziert. Qimonda wird bei Infineon als nicht-fortgeführtes Geschäft ausgewiesen.

Am Aktienmarkt wurde Infineon für den düsteren Ausblick bestraft. Der Titel startete am Morgen mit einem Minus von 24% auf einem Allzeittief und tendierte anschließend seitwärts. Gegen 10.50 zeigt sich die Aktie mit 24,2% im Minus bei 1,26 EUR als schwächster Wert im Leitindex DAX.

"Während die operativen Zahlen eigentlich in Ordnung sind, verschreckt der noch schwächer als befürchtet ausgefallene Ausblick", kommentierte Analyst Tobias Loskamp von Kepler Capital Markets.

Als "ein Desaster" wertete die LBBW den Ausblick in ihrer Analyse, rät angesichts des aktuellen Kursniveaus aber weiter zum Kauf des Titels. Im abgelaufenen Quartal hätten sowohl Umsatz als auf das um Sonderaufwendungen bereinigte operative Ergebnis die Erwartungen übertroffen. Der Fehlbetrag sei in der Höhe vor allem Qimonda zuzuschreiben.

Zu Qimonda hieß es von Infineon, der Konzern sei weiter bemüht, seine Beteiligung zu veräußern. Allerdings warnte der Mutterkonzern vor zusätzlichen Belastungen, die ihm aus einem etwaigen finanziellen Engpass bei der Sparte entstehen könnten. Für den Fall, dass Qimonda seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, könnte Infineon "bestimmten erheblichen Verbindlichkeiten" des Qimonda-Geschäfts ausgesetzt sein.

Dies schließt laut Infineon laufende Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren sowie die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und mitarbeiterbezogene Eventualverbindlichkeiten ein. Am Montag hatte Qimonda die Vorlage ihrer Jahresbilanz auf Mitte Dezember mit der Begründung verschoben, mit verschiedenen strategischen Investoren und Finanzinvestoren würden aktuell Gespräche geführt. Qimonda geht aktuell davon aus, dass eine wie immer geartete Partnerschaft in den nächsten Wochen vereinbart werden könnte.

Allerdings hat Qimonda für den schlimmsten Fall davor gewarnt, dass im Kalenderjahr 2009 Liquiditätsengpässe entstehen könnten. Diese Situation könnte unter anderem dann eintreten, wenn die Partnersuche scheitert.

Infineon hatte Qimonda im August 2006 an die New Yorker Börse gebracht und zuletzt wiederholt bekräftigt, Verkaufsverhandlungen zu führen. Qimonda schreibt in Folge eines anhaltend schwachen Preisniveaus bei Speicherchips seit mehreren Quartalen deutliche Verluste. Die Möglichkeit, Qimonda-Aktien wie bisher erwogen als Sachdividende an die eigenen Aktionäre auszugeben, zieht Infineon nach Angaben vom Mittwoch nun nicht mehr in Betracht.

Webseiten: http://www.infineon.com http://www.qimonda.com -Von Philipp Grontzki, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 107, philipp.grontzki@dowjones.com DJG/phg

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