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13.06.2008

UPDATE: Neue Partner und alte Fragen nach dem Yahoo-Google-Deal

(NEU: Kommentare von Yahoo, Google, Analysten; Hintergrund)

SAN FRANCISCO (Dow Jones)--Nach den jüngsten Entwicklungen in der Yahoo-Saga, in die neben Yahoo selbst namhafte Mitspieler wie Microsoft, Google und der Investor Carl Icahn verwickelt sind, lichten sich die Verhältnisse. Allerdings bleiben viele Fragen bei Yahoo und Microsoft offen. Am klarsten ist die Lage bei Google, die das Geschehen aus vergleichsweise entspannter Position angehen und beobachten konnte.

Die Fakten: Am Donnerstag hatte der Suchmaschinenbetreiber Yahoo! Inc mitgeteilt, mit dem Rivalen Google Inc über eine Partnerschaft im Internet-Werbegeschäft einig geworden zu sein. In einer nicht-exklusiven Partnerschaft wird es Yahoo ermöglicht, Google-Werbeanzeigen auf eigenen Suchergebnis-Seiten anzuzeigen.

Das Geschäft kam zustande, nachdem der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft Corp laut Yahoo "unmissverständlich" klargemacht hatte, nicht mehr an einer Yahoo-Übernahme interessiert zu sein. Yahoo-CEO und Gründer Jerry Yang sagte, dass er trotz des Geschäfts mit Google andere Alternativen nicht ausschließe, auch nicht eine Kooperation mit Microsoft. Allerdings wird wohl mindestens kurzfristig keine weitere Initiative von Microsoft zu erwarten sein.

Yahoo hofft, durch die Partnerschaft mit Google weiter unabhängig bleiben zu können. Angesichts der fünfmonatigen Belagerung durch Microsoft, die Yahoo zur Stärkung des eigenen Internet-Geschäfts übernehmen wollte, war die Eigenständigkeit in Gefahr gewesen. Das Abkommen mit Google soll auch handfeste Auswirkungen auf die Ergebnisse des Yahoo-Geschäfts zeitigen. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Sunnyvale rechnet mit einer Steigerung des jährlichen Umsatzes um 800 Mio USD und einer geschätzten Zunahme des operativen Cash-Flow um 250 Mio bis 450 Mio USD.

Beobachter geben zu, dass sich Yahoo durch die Partnerschaft mit Google wieder etwas Luft zum Atmen verschafft hat. Allerdings sehen sie die Hauptprobleme des Unternehmens damit nicht gelöst, wie den langanhaltenden Rückgang bei Suchanfragen, das sich verlangsamende Wachstum beim Seitenverkehr und bei der Online-Werbung und den Verlust von mehreren wichtigen Führungskräften.

Andrew Frank, Analyst bei Gartner, weist darauf hin, dass das Gröbste für Yahoo überstanden sei, aber die Verletzlichkeit weiter bestehe. Das Geschäft mit Google betrachtet er als riskant, vor allem, weil Yahoo der schwächere Part sei. Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, sieht Yahoo jetzt unter anderem Druck. Das Unternehmen müsse nun Leistung zeigen. Es sei zwar geschwächt, aber zurück im Spiel.

Munster spielt damit auf die Prognosen an, die Yahoo im März veröffentlicht hatte, um die eigenen Aktionäre von der starken, eigenständigen Position zu überzeugen und die Microsoft-Offerte abzuwehren. Yahoo will danach innerhalb der nächsten drei Jahre den operativen Cash-Flow nahezu auf 3,7 Mrd von 1,9 Mrd USD verdoppeln. Außerdem soll der Umsatz 2010 bei 8,8 Mrd USD liegen. 2007 hatte diese Zahl noch 5,1 Mrd USD betragen.

Fraglich ist, ob die Partnerschaft unbeschadet von kartellrechtlichen Maßnahmen zustande kommt. Google und Yahoo decken 83% des US-Online-Werbemarktes ab, was bei Herb Kohl, Chairman des Kartellausschusses des Senats, Sorgen auslöst. "Diese Zusammenarbeit zweier Technologie-Giganten und direkter Konkurrenten im Online-Werbegeschäft und bei Suchmaschinen wirft große Fragen beim Wettbewerb auf", kommentierte Kohl das Geschäft. Auch vom US-Justizministerium und der Europäischen Union wird die Partnerschaft wahrscheinlich scharf unter die Lupe genommen werden.

Yahoo und Google zeigen sich im Umgang mit den Wettbewerbsbehörden kooperativ. Die beiden Unternehmen haben die technische Implementierung des Geschäfts freiwillig um dreieinhalb Monate ausgesetzt, um dem Justizministerium Zeit für eine Prüfung zu geben. Omid Kordestani, Vize-Präsident von Google, sieht den Wettbewerb durch die Partnerschaft erhalten. Ein Wettbewerber bleibe eigenständig und der Marktanteil von Google-Anzeigen würde nicht gesteigert.

Auch Microsoft könnte versucht sein, die Wettbewerbsbehörden zu Maßnahmen zu bewegen. Im Bestreben, ihr Online-Geschäft größer und wettbewerbsfähiger zu machen, hatte Microsoft Yahoo erst komplett und dann nur das Suchmaschinengeschäft übernehmen wollen, war aber am Widerwillen des Yahoo-Managements gescheitert. Stets hatte Microsoft betont, wie gesund eine Zusammenarbeit mit Yahoo für den Wettbewerb mit der beinahe übermächtigen Google Inc sei.

Microsoft muss sich jetzt nach Alternativen für das Online-Geschäft umschauen. Derzeit ist Microsoft hinter den anderen beiden abgeschlagener Dritter beim Suchmaschinengeschäft. Während über Google im April 61,6% aller Suchanfragen liefen, waren es bei Yahoo 20,4% und bei Microsoft nur 9,1%.

An der Börse waren die Übernahmepläne Microsofts nicht gut angekommen. Seit der ersten Mitteilung über ein Kaufinteresse haben die Microsoft-Aktien fast 17% verloren. Nach der Nachricht des Rückzugs und der Yahoo-Google-Kooperation stiegen Microsoft-Papiere um über 4%.

Joe Rosenberg, leitender Investmentstratege bei Loews Corp, einer Microsoft-Aktionärin, die sich gegen eine Übernahme von Yahoo ausgesprochen hat, freut sich über das gesparte Geld. "Das Klügste, was Microsoft jetzt mit dem vielen Bargeld machen kann, ist, es in das eigene Unternehmen zu stecken", so Rosenberg und nennt die Möglichkeit eines Aktienrückkaufprogramms.

Andy Miedler, Analyst bei Edward Jones, sieht den Abbruch der Übernahmeverhandlungen ebenfalls positiv. Für ihn war der gebotene Preis zu hoch, wie auch das Risiko der Akquisition überhaupt. Jetzt sei von Microsoft eine kohärente Internet-Strategie gefordert.

Andrew Frank von Gartner meint, Microsoft könne auch ohne Akquisition im Internet konkurrenzfähig sein. Befreit von den Diskussionen um Yahoo könne sich Microsoft jetzt auf Innovationen bei der Online-Suche konzentrieren. "Der Markt wächst so stark und ist so schwankend, da ist das Rennen noch nicht gelaufen", sagt Frank.

Und dann ist da noch Carl Icahn. Der Milliardär und Investor hatte sich nach der Ablehnung des Microsoft-Angebots durch Yahoo bei dem Internetunternehmen eingekauft und versuchte in der Folge in gewohnter Weise, auf die Strategie Einfluss zu nehmen. Icahn betrachtet den Widerstand von Yahoo gegen eine Übernahme durch Microsoft als Fehler und versuchte, andere Yahoo-Aktionäre für ein solches Geschäft zu begeistern.

Auf der Yahoo-Hauptversammlung am 1. August können die Aktionäre eine Reihe von Icahn-Kandidaten in das Board des Unternehmens wählen, über die der Investor die Dinge in seinem Sinne bewegen möchte. Wie Icahn auf die neue Situation reagiert, bleibt zunächst unklar. Am Donnerstag wollte er die Entwicklung nicht kommentieren.

Webseiten: http://info.yahoo.com http://www.google.com/corporate http://www.microsoft.com DJG/DJN/mmr/smh

Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.