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17.03.2008

UPDATE: Siemens revidiert Jahresprognose wg Großprojekt-Problemen

(NEU: Details, Hintergrund) Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Details, Hintergrund) Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Siemens AG hat in Folge einer Neubewertung von Großprojekten die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 korrigiert. Im laufenden zweiten Quartal sei aus der Überprüfung eine Belastung von rund 900 Mio EUR zu erwarten, teilte der Münchner DAX-Konzern in der Nacht zum Montag mit. Dies sei "der größte Teil der zusätzlichen Belastungen" in 2007/08.

Wie hoch die Ergebniskorrektur im Gesamtjahr konkret ausfällt, wollte ein Siemens-Sprecher auf Nachfrage nicht kommentieren. Er verwies auf die für 8.00 Uhr und 9.00 Uhr angesetzten Telefonkonferenzen für Presse bzw Analysten.

Siemens hatte für 2008 ursprünglich als Prognose ausgegeben, das Ergebnis der Bereiche doppelt so stark wie den Umsatz steigern zu wollen. Der Umsatz soll 2007/08 doppelt so stark wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) wachsen.

Das Ergebnis der Bereiche ist eine der zentralen Kennziffern für Analysten und Investoren, um die operative Entwicklung des Konzerns zu bewerten. Als Basis für die Prognose hatte Siemens im jüngsten Geschäftsbericht die Prognosen von Global Insight genannt. Demnach soll das weltweite BIP 2008 um 3,4% und 2009 um 3,6% wachsen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 hatte Siemens bei einem Umsatz von 72,448 Mrd EUR ein Ergebnis der Bereiche von 6,560 Mrd EUR erwirtschaftet.

"Nach vorne sind die Weichen für profitables Wachstum gestellt", so Siemens weiter. Die Ziele für 2010 würden bestätigt. Für 2009 sei "eine klare Entwicklung in Richtung der Ziele 2010" zu erwarten. Siemens hatte im Zuge der Neuorganisation des operativen Geschäfts in die drei Sektoren Industry, Energy und Healthcare auch neue Margenziele für das Jahr 2010 ausgegeben.

Siemens-CFO Joe Kaeser hatte bereits in der vergangenen Woche vor Investoren in New York angekündigt, alle im Auftragsbestand des Unternehmens befindlichen Turnkey-Projekte auf den Prüfstand zu stellen. "Die bisherigen Ergebnisse lassen einen materiellen Einfluss auf die Ertragsentwicklung des laufenden Geschäftsjahres erkennen", hieß es nun von Siemens zur Begründung der Gewinnwarnung. Ursprünglich hatte Kaeser angekündigt, erste Ergebnisse aus der Überprüfung im April zu erwarten

Der Fokus der Überprüfung liegt laut Siemens vor allem auf den Divisionen Fossil Power Generation (Sector Energy) und Mobility (Sector Industry) sowie Siemens IT Solutions and Services.

Das Geschäft mit Kraftwerken auf Basis fossiler Brennstoffe hat Siemens seit Januar im Sektor Energy und dort in der Division Fossile Power Generation angesiedelt. Bilanziell gilt die neue Konzernstruktur erst ab dem dritten Quartal, das im April beginnt. Bis dahin wird das Kraftwerks-Geschäft weiter im "alten" Bereich Power Generation ausgewiesen, das daneben auch das Geschäft mit fossilem Kraftwerksservice, Windkraft sowie das Öl-, Gas- und Industriegeschäft enthält.

Wie Siemens nun weiter mitteilte, wirkt sich in der Division Fossil Power Generation insbesondere die seit 2004 aufgelaufene hohe Zahl von Turnkey-Projekten aus, in "denen neue Belastungen aus der angespannten Lage auf den Beschaffungsmärkten und Engpässe bei der Rekrutierung erfahrener Projektingenieure zu verzeichnen sind."

Bei Turnkey-Projekten tritt Siemens als Generalunternehmer auf, um beim Kunden zum Beispiel schlüsselfertige Kraftwerke abzuliefern. Probleme bei der Umsetzung von Turnkey-Projekten hatten in den vergangenen Quartalen wiederholt vor allem das Ergebnis des Bereichs PG belastet.

Erst im zurückliegenden Quartal hatte Siemens für das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken bei rückläufigem Umsatz einen erheblichen Verlust ausgewiesen - hauptsächlich eine Folge von mehr als 200 Mio EUR Sonderbelastungen bei "einer Reihe von Großprojekten", wie Siemens erläuterte. Entsprechend lag die Bereichs-Marge mit 4,5% deutlich unter dem bis dato gültigen Zielkorridors von 10% bis 14%.

Analysten hatten sich bereits in der vergangenen Wochen unter Bezug auf entsprechende Aussagen des Managements über die Überprüfung von Projekten besorgt hinsichtlich der künftigen Margenentwicklung bei PG geäußert. Diese sei nach wie vor "äußerst unsicher", so ein Analyst. PG gehört zu den nach Umsatz drei größten Siemens-Geschäftsbereichen.

Ebenfalls nicht neu sind Probleme in der Projektabarbeitung in der Division Mobility des Sektors Industry, die derzeit noch in der externen Berichterstattung unter Transportation Systems (TS) firmiert. Hier haben sich den Angaben zufolge neuen Belastungen vor allem aus Verzögerungen bei der Vergabe von Großprojekten sowie der Abarbeitung "des Sanierungsthemas" Combino ergeben. Vor allem die Probleme mit der Straßenbahn Combino hatten TS in den vergangenen Quartalen wiederholt das Bereichs-Ergebnis verhagelt.

Bei Siemens IT Solutions and Services (SIS), das bei Siemens als Querschnittsfunktion geführt wird, ergeben sich den Angaben zufolge Belastungen aus "neu eingetretenen Projekt-Risiken in Großbritannien, unter anderen aus der Stornierung eines Großauftrags durch den Kunden". Das britische Arbeitsministerium (Department of Work and Pensions) hatte Anfang März einen Auftrag mit SIS mit einem Volumen von 85 Mio EUR vorzeitig storniert.

Webseite: http://www.siemens.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/jhe

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