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04.05.2010

UPDATE: Siemens-Vorstand Hiesinger wird CEO von ThyssenKrupp

(NEU: Kommentare, Einzelheiten, Hintergrund)

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Von Matthias Karpstein und Jan Hromadko DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die ThyssenKrupp AG ist bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz außerhalb des Unternehmens fündig geworden. Der Siemens-Vorstand Heinrich Hiesinger soll Deutschlands größten Stahlkonzern in Zukunft führen.

Laut Analysteneinschätzung wirft die Berufung allerdings Fragen über den zukünftigen strategischen Kurs von ThyssenKrupp auf, während Siemens einen ihrer meist respektierten Manager verliert.

Der im Siemens-Vorstand für das größte Geschäftsfeld - den Industriesektor - zuständige Hiesinger hat einen Abschluss in Elektrotechnik von der Technischen Universität München. Er begann 1992 bei der Siemens-Tochter Power Transmission and Distribution Group und wurde 2007 in den Konzernvorstand berufen. Seit Januar 2008 leitet er den Industriesektor des Münchener DAX-Unternehmens.

Die Ernennung des 50-jährigen Hiesingers zum designierten Vorstandsvorsitzenden beseitige zwar die Unsicherheit darüber, wer ThyssenKrupp in Zukunft führen werde, werfe aber Fragen über die zukünftige Konzernstrategie auf, sagte ein Frankfurter Analyst, der anonym bleiben möchte. "Hiesinger ist ein Industriemann, aber ob diese Berufung auch eine Veränderung hin zu mehr Technologie und weniger Stahl bedeutet, werden wir erst noch sehen", fügte er hinzu.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp ist zudem auch in der Produktion von Autoteilen und Fahrstühlen tätig, in technologischen Dienstleistungen und im militärischen Schiffsbau. Auf die weltweite Wirtschaftskrise reagierte der Konzern im vergangenen Jahr mit einer umfassenden Umstrukturierung. So reduzierte der DAX-Konzern mit Sitz in Duisburg und Essen die Zahl seiner Sparten auf zwei von zuvor fünf, setzte bei Kosten und Belegschaft den Rotstift an. ThyssenKrupp trennte sich zudem von Teilen ihres zivilen Schiffsbaus, um weniger anfällig gegenüber Überkapazitäten auf den weltweiten Schiffsbaumarkt zu sein. Die Ablösung von Schulz als Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp war erwartet worden. Seine jüngste Vertragsverlängerung um zwei Jahre, die im Januar 2008 bekannt gegeben wurde, galt als außergewöhnlich im Hinblick auf sein Alter. Schulz ist 68 Jahre alt.

Der Wechsel an der Spitze des Industriesektors von Siemens hingegen kommt für Analyst Michael Bahlmann von M. M. Warburg überraschend. "Das hat sich aus meiner Sicht nicht angedeutet", sagte Bahlmann auf Anfrage. Die Leistung des Sektors Industry habe zuletzt eher über als unter den Erwartungen gelegen. Man könne daher ausschließen, dass Hiesinger "das Handtuch geworfen" habe. "Hiesinger hat als CEO Industry meiner Meinung nach eine gute Figur gemacht. Insofern schätze ich den Abgang als Verlust für Siemens ein", erklärte der Analyst.

Siemens hat bereits für Hiesingers Nachfolge gesorgt. Der Industriesektor, größtes Geschäftsfeld der Siemens AG, soll künftig vom bisherigen Personalvorstand Siegfried Russwurm geleitet werden, wie der Konzern mitteilte. Der Aufsichtsrat werde dazu am 9. Juni zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreffen. Russwurm soll den Industriesektor dann ab 1. Juli führen.

Der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher zeigte Verständnis für Hiesingers Entscheidung. "Auch wenn wir außerordentlich bedauern, dass er Siemens verlassen wird, ist das eine großartige Möglichkeit für ihn, seinen beruflichen Weg fortzusetzen", schrieb der Siemens-Vorstandsvorsitzende in einem Brief an seine Mitarbeiter, in den Dow Jones Newswires Einblick hatte. Löscher will Hiesinger aber offenbar nicht vorzeitig aus seiner Verantwortung entlassen. "Bis Ende September ist er noch bei Siemens. Mit Dank, Abschied und guten Wünschen für seine Zukunft hat es also noch einige Monate Zeit", schrieb Löscher den Mitarbeitern.

Auf Hiesingers designierten Nachfolger Russwurm wartet nun eine schwierige Aufgabe, denn der Industriesektor spürt die Wirtschaftskrise nach wie vor. Betroffen sind besonders die langzyklischen Geschäftsfelder wie Industry Solutions. Schneller von der Krise erholt haben sich hingegen die Kurzzykliker wie das Lichtgeschäft von Osram, dessen Erholung weiter anhält.

"Ich traue Russwurm durchaus zu, dass er die Position gut ausfüllt", sagte ein Kenner des Unternehmens zu Dow Jones Newswires. Der ausgebildete Fertigungstechniker und Mechatronik-Honorarprofessor sei kein Übergangskandidat für Siemens. Schließlich hatte Russwurm nicht nur als Arbeitsdirektor seit 2008 Einblick in alle Bereiche, er bringt auch Erfahrung aus den Sektoren Medizintechnik und Industrie mit. Im Industriesektor etwa war er Leiter des Gebiets Motion Control Systems im Bereich Automation and Drives. Seine Siemens-Karriere begann er in der Medizintechnik in Kemnath. Bereis seit 18 Jahren ist Russwurm für den Siemens-Konzern tätig.

Bei den Münchnern führt Hiesingers angekündigter Abgang zu weiteren Personaländerungen. Nachfolgerin Russwurms soll künftig Brigitte Ederer werden, bislang Vorstandsvorsitzende von Siemens in Österreich. Sie würde dadurch auch in den Vorstand des DAX-Konzerns aufrücken und neben dem Personalressort zudem die Region Europa betreuen.

Das Siemens-Kontrollgremium will Hiesinger beim Weg auf den Vorstandsvorsitz von ThyssenKrupp offenbar keine Steine in den Weg legen. Das Präsidium des Aufsichtsrats habe dem Kontrollgremium empfohlen, Hiesingers Wunsch auf Zustimmung zu seinem Ausscheiden zum Ende des Geschäftsjahres 2009/2010 (30. September) zu entsprechen.

Die Nachfolgeregelung bei ThyssenKrupp trage die Handschrift von Gerhard Cromme, war von Analysten zu hören. Cromme ist Vorsitzender der Aufsichtsräte sowohl bei ThyssenKrupp als auch bei Siemens.

Die Berufung Hiesingers beendet Spekulationen, Cromme könnte bei ThyssenKrupp für eine interne Lösung votieren. Bislang waren die Vorstandsmitglieder Edwin Eichler, CEO der Sparte Materials and Steel Europe, der für die Technologiesparte zuständige Olaf Berlien und Finanzvorstand Alan Hippe als mögliche Nachfolger von Schulz gehandelt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein von Cromme geführter Aufsichtsrat sich für einen externen Kandidaten für den CEO-Posten entschieden hat. Im Mai 2007 hatte Siemens Peter Löscher zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Löscher, der zuvor als Manager für den US-Pharmakonzern Merck & Co und für General Electric tätigt war, folgte auf Klaus Kleinfeld an die Siemens-Spitze.

Hiesinger soll ThyssenKrupp ab der nächsten Hauptversammlung am 21. Januar 2011 führen, teilte der Konzern am Dienstag mit. Bereits im Oktober 2010 soll er als stellvertretender CEO in den Vorstand einziehen.

Webseite: www.thyssenkrupp.de www.siemens.de -Von Matthias Karpstein und Jan Hromadko, Dow Jones Newswires, +49 89 55214030, matthias.karpstein@dowjones.com DJG/mak/sha/has Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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