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18.08.2009

UPDATE: Solon zielt nach herbem Verlust auf Kosten und Liquidität

(NEU: Details, Hintergrund, Aussagen Krupke, Analyst, Aktienkurs)

Von Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der Solarmodulhersteller Solon hat wegen des Nachfrageeinbruchs massive Verluste geschrieben. Im Fokus des Unternehmens stünden nun die Sicherung der Liquidität und ein striktes Kostenmanagement, sagte Thomas Krupke, der Vorstandsvorsitzende der Berliner Solon SE, am Dienstag zu Dow Jones Newswires. An der Börse gaben Solon-Papiere weiter nach.

Solon hatte im ersten Halbjahr einen Umsatzeinbruch und Verluste verzeichnet, die in dieser Größenordnung nicht erwartet wurden. Die Erlöse von Solon drittelten sich. Insgesamt nahm Solon 119,4 Mio EUR ein, die von Dow Jones Newswires befragten Analysten hatten dagegen mit 145 Mio EUR deutlich mehr erwartet. Im Vorjahr betrugen die Erlöse 411 Mio EUR.

Vor Zinsen und Steuern (EBIT) entstand ein Verlust von 52,6 Mio EUR nach einem Plus von 32 Mio EUR im Vorjahr. Die Schätzungen hatten auf ein Minus von 42 Mio EUR gelautet. Solon bezifferte die Sondereffekte aus der Abwertung von Vorräten und dem Verkauf unter Herstellpreisen auf 30,3 Mio EUR. So wurde etwa der Lagerbestand um über 7 Mio EUR abgeschrieben.

Bei dem rasanten Preissturz für Solarmodule "kommt man kaum hinterher mit den Wertberichtigungen", erklärte Krupke. Er berichtete von einem Rückgang der Modulpreise um 30% bis 40% im bisherigen Jahresverlauf. Die weitere Preisentwicklung wollte Krupke nicht prognostizieren. "Eigentlich müsste der Boden erreicht sein, da man nicht dauerhaft unter den Produktionskosten verkaufen kann", kommentierte er lediglich.

Unter dem Strich ergab sich ein Fehlbetrag von 110 Mio EUR, deutlich schwächer als die von Analysten erwarteten minus 88 Mio EUR. Ein Jahr zuvor hatte Solon noch einen Gewinn von 11 Mio EUR verbucht. Mit einer Abschreibung von 52 Mio EUR auf eine Beteiligung in Frankreich wurde dabei eine hohe Sonderbelastung verzeichnet. Dazu kamen 12 Mio EUR auf eine Beteiligung in Österreich.

Für den Rest des Jahres rechnet Solon mit einer Belebung des Geschäfts, wobei die Hoffnungen des Unternehmens mehr auf dem Komponentengeschäft ruhen. Das Geschäft mit Kraftwerkstechnik leide weiter unter der eingeschränkten Verfügbarkeit von Krediten zur Finanzierung großer Solarprojekte. Wegen des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes werde weiter auf das Formulieren einer konkreten Prognose verzichtet.

Als Antwort auf die schwache Geschäftsentwicklung will Solon nun Kosten sparen. Unter anderem sollen die Produktions- und Vertriebsaktivitäten auf die Kernmärkte Deutschland, Italien und USA fokussiert werden sowie Kurzarbeit an mehreren Konzernstandorten eingeführt werden. Im kommenden Jahr sollen somit Kosteneinsparungen in Höhe von rund 15 Mio EUR erzielt werden.

Anfang August sei zum Beispiel am Stammsitz in Berlin Kurzarbeit eingeführt worden, sagte Krupke, ohne den Umfang der Maßnahmen näher zu beziffern. Anfang des Jahres hatte Solon dort in der Produktion 148 Mitarbeiter. Insgesamt war das Unternehmen mit 943 Mitarbeitern in das Jahr gestartet und hat seitdem 25 Beschäftigte abgebaut. "Wir gehen dabei mit Augenmaß vor", sagte Krupke.

Die Analysten hatten im Vorfeld der Halbjahreszahlen auch die angespannte Liquiditätslage im Blick. Operativ flossen Solon im zweiten Quartal 29,3 Mio EUR zu, der Barmittelbestand erhöhte sich auf 26,7 Mio EUR nach 8,5 Mio EUR Ende März.

Dennoch drückten die Schulden. Das Unternehmen hatte zum 30. Juni langfristige Verbindlichkeiten von 218 Mio EUR. Die kurzfristigen Schulden summierten sich auf 325 Mio EUR, davon 241 Mio EUR an Kreditinstitute. Die Eigenkapitalquote sank im zweiten Quartal von 39,7% auf 33,0%.

Deshalb spricht Solon derzeit mit den Banken über eine neue mittelfristige Finanzierung. Er strebe eine Einigung mit den Kreditinstituten im zweiten Halbjahr an, sagte Krupke. Kurzfristig stünden ausreichend Kreditlinien zur Verfügung.

Währenddessen wurde eine Investition vorerst gestoppt. Der Bau des geplanten Siliziumwerks in Italien sei wegen der noch nicht abgeschlossenen Finanzierung bisher nicht begonnen worden, sagte Krupke. Das Projekt mit einer Investitionssumme von rund 400 Mio EUR stehe "on hold", bis bessere Finanzierungsbedingungen herrschten, erklärte er. Der ursprünglich anvisierte Produktionsbeginn Ende nächsten Jahres sei somit nicht zu schaffen. Wann mit dem Baubeginn zu rechnen ist und wann die Produktion beginnen könnte, wollte Krupke nicht sagen.

Solon hatte die italienische Estelux srl, die das Werk errichten will, im vergangenen Dezember komplett übernommen. Mit einer Jahreskapazität von 4.000 Tonnen Solarsilizium sollte die eigene Rohstoffbasis verbreitert und langfristig Zugang zu dem Material gesichert werden. Auch das Projekt in Frankreich, auf das Solon 52 Mio EUR abschreiben musste, sollte Silizium herstellen, musste aber Insolvenz anmelden.

Nach Einschätzung von UniCredit-Analyst Michael Tappeiner sind die Zahlen von Solon schwächer als erwartet ausgefallen. "Sie bestätigen, dass das Unternehmen Marktanteile verliert", schreibt Tappeiner in einer ersten Analyse. Das Kernthema bleibe allerdings die angespannte Bilanzsituation. Bis 11.15 Uhr verlieren Solon-Aktien über 2,6% auf 9,21 EUR, nachdem sie schon am Vortag rund 7% abgegeben hatten.

Webseite: www.solon.com -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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