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01.04.2010

UPDATE: ThyssenKrupp-Arbeitnehmer wehren sich gegen Eisenerzpreise

(NEU: Zusammenfassung, weitere Aussagen Segeraths, Hintergrund)

Von Martin Rapp DOW JONES NEWSWIRES

DUISBURG (Dow Jones)--Die Bergbaukonzerne fordern bei den Verhandlungen über Eisenerzlieferungen von ThyssenKrupp laut Arbeitnehmervertretung kürzere Laufzeiten bei mehr als doppelt so hohen Preisen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der ThyssenKrupp Steel Europe AG, Wilhelm Segerath, sieht Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Gefahr und forderte am Donnerstag die Politik zum Handeln auf.

Für die von dem Stahlkonzern hauptsächlich verwandten stark eisenhaltigen Eisenerzpellets werde ein Preisaufschlag von 130% verlangt, sagte Segerath. Für Stückerz soll die in Duisburg und Essen ansässige ThyssenKrupp AG demnach 105% mehr zahlen, für Feinerz 85%, fügte er hinzu. Zudem bestehe seitens der Minenbetreiber keine Bereitschaft mehr, Jahresverträge zu schließen, sondern maximal für ein Quartal, erklärte Segerather. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich zum Stand und zu Einzelheiten der Verhandlungen nicht äußern.

Laut Segerath würden die von ihm genannten Preisforderungen von den drei großen Bergbaukonzernen BHP Billiton, Rio Tinto und Vale gleichlautend erhoben. Er erhob den Vorwurf der Preisabsprache gegen die Unternehmen, die bei Eisenerz über 70% des Weltmarkts beherrschen. Am Dienstag hatten der australische Bergbaukonzern BHP Billiton und der brasilianische Minenbetreiber Vale mit asiatischen Kunden kurzfristigere Verträge mit deutlich höheren Preisen vereinbart.

Segerath warnte wegen der drohenden Preissteigerungen vor Arbeitsplatzverlusten. Dem Konjunkturaufschwung drohe ein Rückschlag, wenn die Eisenerzproduzenten ihre Forderungen durchsetzten, sagte er. "Dann wären Zehntausende von Arbeitsplätzen allein in der Stahlindustrie massiv gefährdet", warnte der Arbeitnehmervertreter.

Doch nicht nur bei den Stahlherstellern drohe Arbeitsplatzabbau, die ganze industrielle Wertschöpfungskette in Europa sei in Gefahr, erklärte Segerath. "In der gesamten stahlverarbeitenden Industrie in Europa sind mehrere hundertausend Stellen gefährdet", sagte er.

Das Problem liegt dem Betriebsrat zufolge nicht nur in der Marktmacht der Bergbaukonzerne, sondern auch in Spekulationen am Rohstoffmarkt. Dort haben sich die Preise für die kurzfristige Beschaffung für Eisenerz binnen Jahresfrist verdoppelt. Segerath hält dagegen nur eine 10-prozentige Steigerung für "realistisch" und den Rest für spekulationsgetrieben.

Segerath forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, sich für den Arbeitsplatzerhalt in Europa nachhaltig einzusetzen. Sie sollen sich für ein konsequentes Vorgehen gegen Rohstoffkartelle einsetzen und spekulative Geschäfte am Rohstoffmarkt verbieten.

"Wir werden nicht zulassen, dass unsere Arbeitsplätze auf dem Spotmarkt verzockt werden", drohte Segerath. Wenn national oder auf europäischer Ebene nichts getan werde, sei man bereit, richtig Druck zu erzeugen.

Der sogenannte "Duisburger Appell" bildet laut Segerath den Auftakt zu einer koordinierten Aktion europäischer Arbeitnehmer. Den Aufruf hätten unter anderem die Betriebsratsvorsitzenden von Opel, Mercedes, BMW, Ford und Volkswagen bereits unterschrieben. Noch im April sei ein kontinentaler Aktionstag mit Schwerpunkt Brüssel geplant, kündigte er an.

Am gleichen Tag hat sich auch der Weltverband der Stahlhersteller gegen die Pläne der Bergbaukonzerne gewandt und die Wettbewerbshüter zum Handeln aufgefordert. Die Pläne von BHP und Rio Tinto zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Eisenerzabbau verzögern sich indes zunächst. Das Bundeskartellamt, das das Vorhaben wie die EU derzeit prüft, hat die Frist auf Bitten der Unternehmen bis Ende Juli verlängert.

Webseite: www.thyssenkrupp.com - Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/bam Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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