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UPDATE: ThyssenKrupp findet in Abu Dhabi Partner für Schiffbau

15.10.2009

(NEU: Details, Hintergrund, Analyst, Aktienkurs)

Von Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die ThyssenKrupp AG baut ihre kriselnde Schiffbausparte massiv um und konzentriert sich noch mehr auf den militärischen Bereich. Mit der Abu Dhabi MAR Group ist ein Gemeinschaftsunternehmen beim Überwasser-Marineschiffbau geplant, zudem soll die Schiffbaugruppe aus dem Emirat die Mehrheit an den Yachtbauaktivitäten der Hamburger Werft Blohm + Voss übernehmen.

Zu diesem Zweck sei eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden, teilte die zuständige Tochter ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) am Donnerstag mit. Auf deren Basis sollen weitere Gespräche und Verhandlungen mit allen Beteiligten stattfinden. Die Transaktion benötigt noch die Zustimmung der Aufsichtsgremien sowie der Kartellbehörden. Zudem muss die Regierung in Berlin ihr Einverständnis erklären, da mit dem Marinebereich Rüstungsgüter betroffen sind.

Abu Dhabi MAR will den Angaben zufolge jeweils 80% an den Gesellschaften Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair und Blohm + Voss Industries erwerben. Dort sind knapp 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. Gut 300 Mitarbeiter in Hamburg sind den Angaben zufolge für das militärische Gemeinschaftsunternehmen vorgesehen.

Weitere 300 Mitarbeiter werden in Emden für den Bereich arbeiten. Dort war im September eine Vereinbarung mit der SIAG Schaaf Industrie AG getroffen worden, wonach von den zuletzt knapp 1.200 Mitarbeitern künftig über 700 für SIAG in der Herstellung von Komponenten für Windkraftanlagen tätig werden.

Mit dem Einstieg von Abu Dhabi MAR, hinter der mit Scheich Hamdan bin Sajed al-Nahjan ein Mitglied der Herrscherfamilie Abu Dhabis steht, bewahrheiten sich Spekulationen verschiedener Medien. Das Unternehmen hatte ThyssenKrupp schon im Juli einen Teil der Problemsparte abgenommen. Damals war die Nobiskrug Werft in Rendsburg veräußert worden.

Ein Sprecher von Abu Dhabi MAR bezeichnete die Vereinbarung als "Transaktion, die ganz klar auf Wachstum ausgerichtet ist". Mit den zusätzlichen Markteintrittsmöglichkeiten komme man dem Ziel näher, sich als weltweit führendes Schiffbauunternehmen für Marineschiffe und Megayachten zu positionieren.

ThyssenKrupp teilte mit, am dritten deutschen Werftstandort Kiel wolle der in Essen und Duisburg ansässige Industriekonzern zudem die U-Boot-Aktivitäten der Howaldtswerke-Deutsche Werft mit dem Containerschiffbau HDW-Gaarden zusammenlegen. Die Stahlschiffbau-Kapazitäten sollen im Zuge dessen dort reduziert werden. Damit verbunden sei der Abbau von 180 Arbeitsplätzen. Im September waren dort über 2.300 Menschen beschäftigt.

Eigentlich sollte die mittelständische Heinrich-Rönner-Gruppe HDW-Gaarden übernehmen. Doch der Verkauf wurde Ende September zunächst abgeblasen, wobei es damals hieß, es werde weiter nach einem Partner gesucht. Mit der Konzentration auf den U-Boot-Bau in Kiel scheint dieses Vorhaben ad acta gelegt worden zu sein.

Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte die Pläne. "Damit steigt ThyssenKrupp endgültig aus dem zivilen Schiffbau aus", sagte Eckard Scholz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hamburg. "Wir sehen darin eine große Gefahr für die Beschäftigten". Scholz begründete die Skepsis damit, dass sich Auslastungslücken im militärischen Bereich künftig nicht mehr mit zivilen Aufträgen ausgleichen ließen.

Die Arbeitnehmer fordern, dass TKMS den Minderheitsanteil an Blohm + Voss langfristig hält. Ein Jahr sei nicht genug, hieß es von Gewerkschaftsseite, die verlangte, bei den weiteren Verhandlungen miteinbezogen zu werden. Auch die Politik müsse beteiligt werden.

Ein Analyst wertete die Vereinbarung dagegen als positiv. "Unter dem Strich hat ThyssenKrupp damit all seine Probleme im Schiffbau auf einen Schlag gelöst", sagte er. Das verlustträchtige Geschäft mit Mega-Yachten gehe an die Araber und müsse bei ThyssenKrupp künftig nicht mehr bilanziert werden. Das Fregatten-Geschäft werde gemeinsam betrieben und dürfte dank der Kontakte Saudi-Arabiens vor allem von Aufträgen aus der Region profitieren. Die neuen Aufträge dürften die Werftauslastung sichern, sagte der Beobachter.

Und schließlich bleibe offensichtlich das in Kiel ansässige, hochprofitable Geschäft mit U-Booten bei ThyssenKrupp. Von einer Zustimmung der Bundesregierung zu der Vereinbarung sei auszugehen. "Denn bevor ThyssenKrupp einen solchen Deal veröffentlicht, dürften sie die dafür notwendigen Sondierungen in Berlin vorgenommen haben", vermutet der Analyst.

Bei einem mit 0,5% im Minus notierenden Leitindex DAX gewinnen ThyssenKrupp-Aktien am frühen Nachmittag 1,1% auf 25,64 EUR.

Webseiten: www.thyssenkrupp.com www.thyssenkrupp-marinesystems.de www.abudhabimar.com -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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