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19.03.2009

UPDATE: ThyssenKrupp sieht Verlust in 2Q und will schlanker werden

(NEU: Details, Analysteneinschätzung, Marktreaktion)

(NEU: Details, Analysteneinschätzung, Marktreaktion)

Von Olaf Ridder

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Wegen des anhaltenden Einbruchs der Stahlnachfrage hat die ThyssenKrupp AG für das laufende zweite Geschäftsquartal überraschend einen Verlust auf operativer Ebene angekündigt. Zur Senkung der Kosten kündigte der Stahl- und Technologiekonzern am Donnerstag eine drastische Verschlankung der Strukturen an. So sollen die fünf Segmente Steel, Stainless, Technologies, Elevator und Services ab dem neuen Geschäftsjahr in zwei Divisions gebündelt sein. Davon verspricht sich der DAX-Konzern Einsparungen von 500 Mio EUR jährlich.

Die ThyssenKrupp-Aktie reagierte auf die Verlustankündigung mit einem Kurseinbruch von zunächst 5,3%. Analyst Heino Ruland von Ruland Research sagte, viele Beobachter hätten mit einem Vorsteuergewinn von rund 240 Mio EUR im laufenden Quartal gerechnet und müssten jetzt ihre Schätzungen zurücknehmen. Bislang hatte ThyssenKrupp erklärt, das Geschäft dieses Quartal werde schwieriger, ab April dürfte es sich aber auf dem Niveau einer normalen Rezession entwickeln.

Jetzt erklärte der DAX-Konzern, die wirtschaftliche Lage habe sich in nahezu allen Ländern und Branchen "mit großer Geschwindigkeit noch stärker verschlechtert als erwartet". Insgesamt befinde sich die Weltwirtschaft in einer tiefen Rezession. Das erste Quartal 2008/09 hatte ThyssenKrupp bei 6% Umsatzrückgang noch mit einem Konzerngewinn vor Steuern von 240 Mio EUR abgeschlossen.

ThyssenKrupp machte keine Angaben dazu,wie hoch der operative Verlust im zweiten Quartal ausfallen wird, der sich ohne Sonderposten versteht. Für das erste Halbjahr traut sich der Konzern aber zumindest noch einen leichten Gewinn zu.

Schwarze Zahlen auf operativer Ebene und vor Sonderposten im Gesamtjahr seien möglich, aber nur wenn die Konjunkturprogramme greifen und sich die wirtschaftliche Situation im zweiten Halbjahr bessert, schränkte der Konzern ein.

Sollte die Nachfrage also nicht anziehen, bedeute das Verlust, schlussfolgerte Analyst Christian Obst von der HVB. Und selbst wenn nicht, könnten Restrukturierungen dem Konzern noch einen Fehlbetrag bescheren, warnte er.

Zur Höhe etwaiger Restrukturierungskosten im Zuge der Verschlankung des Konzerns machte ThyssenKrupp noch keine Angaben. Neben Vorlaufkosten für neue Stahlwerke und Wertberichtigungen werde das Gesamtjahr aber vom Restrukturierungsaufwand geprägt sein, "unter anderem für Personalanpassungen", heißt es in der Mitteilung.

Konkret ist geplant, dass die Segmente Steel, Stainless und Services in der neuen Division Materials und die Segmente Technologies und Elevator in der neuen Division Technologies zusammengefasst werden, sofern der Aufsichtsrat das Vorhaben auf einer Sondersitzung am 27. März billigt. Als Folge des Umbaus werden kurzfristig drei Konzernvorstände eingespart.

Jürgen Fechter und Karl-Ulrich Köhler sollen schon Ende März einvernehmlich ausscheiden, während das Ressort von Wolfram Mörsdorf nach Auslaufen seines Vertrags am 14. April nicht neu besetzt wird. Umgesetzt werden soll die neue Konzernstruktur bis zum 1. Oktober vom bisherigen Finanzvorstand Ulrich Middelmann, der sein Amt am 1. April Alan Hippe übergibt.

"Mit dieser strukturellen und personellen Neuausrichtung wird ThyssenKrupp marktnäher agieren und strategische Maßnahmen effizienter umsetzen können", erklärte Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz.

Belastet wird der größte deutsche Stahlkonzern aktuell stark von einem "drastischen Nachfrageeinbruch bei Stahl, Edelstahl und in der internationalen Werkstoffdienstleistung". Im Automobilzuliefergeschäft und im zivilen Schiffbau verbucht der Konzern eine unerwartet schlechte Ergebnisentwicklung, während das Aufzugsgeschäft voll im Rahmen der Erwartungen liegt.

Im Quartal bis Ende März schlagen eine starke Unterauslastung und der Preisdruck erheblich zu Buche. ThyssenKrupp geht auch von weiteren Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen aus. In den Monaten Oktober bis Dezember hatte der Konzern seine Wertansätze bereits um rund 250 Mio EUR nach unten korrigiert.

Um 12.59 Uhr zeigt sich die ThyssenKrupp-Aktie mit einem Abschlag von 4,7% bei 13,79 EUR und ist damit schwächster Wert im Deutschen Aktienindex DAX, der mit 2,6% im Plus liegt.

Webseite: http://www.thyssenkrupp.com/ -Von Olaf Ridder, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, unternehmen.de@dowjones.com DJG/rio/jhe Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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