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13.11.2009

UPDATE: ThyssenKrupp will 2009/10 wieder Gewinne schreiben

(NEU: Zusammenfassung, Hintergrund, Analyst, Aktienkurs)

Von Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der ThyssenKrupp-Konzern hat im Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) wie befürchtet einen Milliardenverlust verbucht. Das Unternehmen will den Anteilseignern dennoch eine Dividende von 0,30 EUR je Aktie zahlen, wie die ThyssenKrupp AG am Freitag mitteilte. Im laufenden Geschäftsjahr soll bei stabilem Umsatz wieder profitabel gewirtschaftet werden, wozu die eingeleiteten Sparmaßnahmen ihren Anteil beitragen sollen.

Deutschlands größter Stahlhersteller wurde schwer von der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen. So soll die deutsche Rohstahlproduktion in diesem Jahr um 30% auf rund 32 Mio Tonnen zurückgehen, was das niedrigste Niveau seit 1963 bedeutet. Die Pkw-Produktion hierzulande soll um ein Fünftel schrumpfen.

Die schwache Nachfrage führte letztlich zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 zu einem Verlust. Die Rückgänge von fast einem Viertel beim Umsatz auf 40,6 Mrd EUR und über einem Drittel beim Auftragseingang konnten auch durch massive Einsparungen nicht aufgefangen werden. "Das Geschäftsjahr 2008/09 war das bisher schwerste in der Geschichte von ThyssenKrupp", sagte der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz.

Unter anderem mussten erhebliche Aufwendungen für die Restrukturierung, Abschreibungen und Projektkosten für die neuen Stahlwerke in den USA und Brasilien verkraftet werden. Sie summierten sich auf über 1,6 Mrd EUR. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 1,87 Mrd EUR. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 2,28 Mrd EUR ausgewiesen.

Der Konzern will dennoch eine Dividende von 0,30 EUR je Anteilsschein zahlen. Im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre mit 1,30 EUR je Aktie vom Konzerngewinn profitiert. Schulz verwies auf die angestrebte Dividendenkontinuität. In guten Jahren sei eine moderate Dividende gezahlt worden, um auch in schlechten Zeiten wie diesen eine bescheidene Ausschüttung zu ermöglichen. Diese kommt nun aus den Gewinnrücklagen.

Der Konzern hat sich einen grundlegenden Umbau und einen strikten Sparkurs verordnet. Im Geschäftsjahr 2008/09 wurden 1,8 Mrd EUR eingespart, von denen 800 Mio EUR auch in den Folgejahren auftreten sollen. Bis zum Geschäftsjahr 2010/11 soll die Kostenbasis mittels weiterer Maßnahmen um 1,5 Mrd bis 2 Mrd EUR gesenkt werden. Bislang war als Ziel ein Einsparvolumen von über 1 Mrd EUR jährlich genannt worden.

Dazu beitragen soll neben der Anpassung des Portfolios und von Kapazitäten auch die Senkung der Verwaltungskosten. Hatte ThyssenKrupp hier durch die neue Konzernstruktur zunächst den Abbau einiger hundert Stellen in der Verwaltung prognostiziert, wurde am Freitag eine Verringerung von 2.000 bis 2.500 Arbeitsplätzen genannt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Konzern die Beschäftigung bereits um 6% reduziert, was den Abbau von knapp 12.000 Stellen bedeutete. Die Zahl der Arbeitsplätze wird Schulz zufolge weiter sinken, wozu auch Unternehmensverkäufe beitragen werden. Eine konkrete Zahl wollte der Vorstandsvorsitzende nicht nennen.

So strebt ThyssenKrupp weiter den Verkauf der US-Tochter Safway an. "Wir haben eine Absichtserklärung unterzeichnet", sagte Finanzvorstand Alan Hippe in einer Analystenkonferenz. "Wir sind sehr, sehr nah an einem Verkauf von Safway", ergänzte er.

Auch das Gemeinschaftsunternehmen beim Überwasser-Marineschiffbau mit Abu Dhabi MAR und der Mehrheitsverkauf der Hamburger Werft Blohm + Voss an die Araber steht weiter auf der Agenda. Hier hat laut Hippe die Prüfung der Bücher noch nicht begonnen, ein Abschluss des Geschäfts erwartet er im Lauf des kommenden Jahres.

Durch die Sparmaßnahmen und die Reduzierung von im Umlaufvermögen gebundenem Kapital wurde der Barmittelzufluss im abgelaufenen Geschäftsjahr gesichert. Die Nettoverschuldung stieg innerhalb eines Jahres bis Ende September somit nur auf 2,06 Mrd von 1,58 Mrd EUR.

Die im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchten Restrukturierungsaufwendungen von knapp 900 Mio EUR bezeichnete Schulz als "Vorsorge zur Krisenbewältigung". Damit soll sich das Geschäft im aktuellen Geschäftsjahr 2009/10 wieder verbessern. ThyssenKrupp geht dafür von einer Stabilisierung des Umsatzes aus, auch wenn das Schulz zufolge kein Selbstläufer wird. "Wir werden uns anstrengen müssen, um auf die 40,6 Mrd EUR zu kommen", sagte er.

Ergebnisseitig sollen die Sparmaßnahmen Wirkung zeigen. Der Konzern erwartet 2009/10 wieder ein positives Ergebnis. Das bereinigte Vorsteuerergebnis, das 2008/09 bei minus 734 Mio EUR lag, wird demnach im niedrigen dreistelligen Mio-EUR-Bereich erwartet. Darin werden laut Prognose Projektkosten und Anlaufverluste für die neuen Stahlwerke in Übersee im mittleren dreistelligen Mio-EUR-Bereich enthalten sein, die in diesem Jahr noch als Sondereffekte verbucht wurden.

Zur Ergebnisverbesserung wird auch ein niedrigeres Investitionsvolumen beitragen. Der Konzern plant Hippe zufolge für 2009/10, zwischen 3 Mrd und 3,5 Mrd EUR zu investieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte ThyssenKrupp 4,2 Mrd EUR investiert. Das waren 1,6 Mrd EUR weniger als geplant.

Im aktuellen Geschäftsjahr "kommen wir aus dem Loch heraus und bekommen die Nase wieder über Wasser", sagte Schulz voraus. "Das Schlimmste haben wir hinter uns."

Im Jahr darauf, also im Geschäftsjahr 2010/11, rechnet das Management mit einer Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds. Mit dem weiteren Fortschritt der Kostensenkungsprogramme soll sich eine entsprechende Auswirkung auf Umsatz und Ergebnis ergeben, prognostizierte der Konzern. "Wir wollen an die Entwicklung der letzten fünf Jahre vor dem Geschäftsjahr 2008/09 anschließen", sagte Schulz.

Analyst Dirk Nettling bezeichnete die vorgelegten Zahlen von ThyssenKrupp als "gemischt". Das bereinigte Vorsteuerergebnis sei besser als befürchtet ausgefallen, während das berichtete Ergebnis schwächer als erwartet eintraf, sagte der Analyst der Commerzbank. Die erhöhten Aufwendungen für Sparmaßnahmen hätten sich dabei ausgewirkt. Den Schuldenabbau betrachtet Nettling ebenfalls als positiv. Der Ausblick für 2009/10 dagegen liegt deutlich unter seinen Erwartungen.

An der Börse zeigten die Anleger eine freundliche Reaktion auf die Ergebnisse und die Zukunftspläne von ThyssenKrupp. Die Aktie ging mit einem Plus von 1,2% und einem Kurs von 23,84 EUR aus dem Handel, während der Leitindex DAX nur um 0,4% zulegte.

Webseite: www.thyssenkrupp.com -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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