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16.11.2009

UPDATE2: EADS schreibt im Drittquartal rote Zahlen

(NEU: Aussagen des Vorstands, Aktienkurs)

Von Kirsten Bienk

DOW JONES NEWSWIRES

AMSTERDAM (Dow Jones)--Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat im dritten Quartal 2009 bei einem leichten Umsatzrückgang einen hohen Verlust geschrieben. Außerdem gab der Vorstand mit Verweis auf hohe Unsicherheiten in den Großprogrammen A400M und A380 keinen Ausblick auf das EBIT im Gesamtjahr. Analysten hatten vor der Ergebnisvorlage zwar mit rückläufigen Zahlen bei EADS gerechnet. Einen Verlust hatten sie jedoch nicht erwartet.

Der Umsatz von EADS fiel im Drittquartal um 2% auf 9,528 Mrd EUR, das EBIT reduzierte sich um 77% auf 201 Mio EUR und das Ergebnis je Aktie fiel auf -0,11 (+0,84) EUR. Damit zeigten sich die Kennziffern für den Zeitraum Juli bis September schwächer als im ersten Halbjahr. Für den Neunmonatszeitraum wies EADS ein Umsatzplus von 1%, einen EBIT-Rückgang von 46% und einen Einbruch des Nettoergebnisses von 73% aus.

Der Vorstand begründete den Umsatzrückgang im Berichtsquartal bei ihrer Flugzeugsparte Airbus mit Preisrückgängen und geringeren Beiträgen des A400M-Programms. Das EBIT sei durch Wechselkurseffekte und Aufwendungen für den Militärtransporter A400M negativ beeinflusst worden.

Mit Blick auf das Gesamtjahr zeigte sich das Unternehmen vorsichtig. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit über das Ausmaß potentieller Aufwendungen für die Programme zum Bau des Militärtransporters A400M und des Großraumflugzeugs A380 im vierten Quartal ist den Angaben zufolge keine EBIT-Prognose für 2009 möglich. Ausgehend von dem wahrscheinlichsten Fall, dass das mit großen Verspätungen kämpfende A400M-Programm fortgeführt werde, bestehe für die zu erwartenden A400M-Rückstellungen eine große Bandbreite möglicher Ergebnisse, hieß es zur Begründung. Die Ergebnisse würden vom Verhandlungsverlauf abhängen und könnten künftige Abschlüsse von EADS erheblich beeinflussen.

Bisher hat EADS 2,4 Mrd EUR für die A400M rückgestellt. EADS will mit den Abnehmerländer des Militärtransporters technische Spezifikationen und den Lieferzeitpunkt neu verhandeln. Dabei steht aber auch die Fortsetzung des Programms auf dem Spiel.

Den Umsatzausblick für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand nun. Er rechnet weiterhin mit Erlösen in etwa auf Vorjahresniveau. Dieser Einschätzung liegt auch weiterhin ein USD-Kurs von 1,39 EUR zugrunde.

Das EBIT vor Einmaleffekten sieht der Vorstand 2009 im Gesamtjahr bei rund 2 Mrd EUR. Außerdem soll ein besserer Cash-Flow als angenommen erreicht werden. Der Bedarf an Kundenfinanzierungen werde geringer als erwartet ausfallen, und mit Ausnahme des A400M-Programms will der Vorstand weniger als 1 Mrd EUR des freien Cash-Flows verbrauchen. Bisher war er von rund 1 Mrd EUR ausgegangen. Für das Jahr 2010 stellte Finanzvorstand Hans Peter Ring Ausgaben in dieser Großenördnung in Aussicht.

EADS bestätigte auch die Zahl der Bruttobestellungen, die 2009 bei den Verkehrsflugzeugen rund 300 erreichen soll. Die Produktionsraten will EADS derzeit nicht verändern. Für die Auslieferungen prognostizierte der Vorstand weiterhin rund 490 (483) Einheiten.

Zurückhaltend zeigte sich der Vorstand bei seinem Ausblick auf das kommende Jahr. Derzeit erstellt er gemeinsam mit seinen Kunden eine Gesamtprognose für die Auslieferungen. Sicher scheint aber zu sein, dass ein bis zwei A380, die bereits im laufenden Jahr übergeben werden sollten, erst nach dem Jahresende den Besitzer wechseln.

"Auf dem Weg ins Jahr 2010 achtet der Konzern weiterhin aufmerksam auf seine Produktionsraten in einem fragilen Marktumfeld", sagte der Vorstand. Die Einsparungen beim Programm Power8, bessere Flugzeugpreise sowie weitere Fortschritte im Raumfahrt- und Verteidigungsgeschäft würden beeinträchtigt durch schwächere Hedge-Kurse sowie Komplexitäten in den A380- und A400M-Programmen.

Außerdem verwies der Vorstand auf die Bedeutung der US-Währung. "Die langfristige Entwicklung des Dollars ist ein wichtiger Faktor für die Ertragskraft des Konzerns in den kommenden Jahren", hieß es. Die anhaltende Abwertung des US-Dollars sei zwar kurzfristig keine unmittelbare Bedrohung. Sie würde aufgefangen von langfristigen Hedging-Maßnahmen und Kostensenkungsprogrammen. Dennoch stelle die Abwertung aufgrund des über die Zeit schwächer werdenden Hedge-Buches "eine Herausforderung" für die Performance des Unternehmens dar.

Ebenso wichtig sind die Flugzeugprogramme A380 und A400M. "Die neuen Programme erfordern unsere volle Aufmerksamkeit", sagte Vorstandsvorsitzender Louis Gallois. Beim A400M arbeitet er gemeinsam mit den Kunden an einer für alle Seiten akzeptablen Lösung, um das Programm auf eine dauerhafte und tragfähige Grundlage zu stellen. Bei der A380 nimmt Gallois derzeit eine industrielle und finanzielle Bestandsaufnahme vor. Den Fortschritt im A380-Programm bezeichnete er als langsamer als erwartet. Instabilitäten bei der Produktion und Kundenanfragen mit der Bitte um spätere Auslieferungen würden sich negativ im laufenden Jahr auswirken.

Im A400M-Programm bricht seinen Angaben zufolge in den laufenden Verhandlungen mit der Vertriebsorganisation OCCAR und den Erstkundennationen die schwierige letzte Phase an. Die aktuelle Verhandlungsphase biete allen Beteiligten Parteien die Möglichkeit, das Programm neu auszurichten und eine realistische, für alle Seiten akzeptable Vertragsgrundlage zu schaffen.

Das volle Ausmaß der finanziellen Konsequenzen der Verzögerungen stehe aber erst nach Abschluss der Verhandlungen fest, hieß es. Fortschritte sieht der Konzern allerdings in technischer Hinsicht. Der Erstflug des A400M wird "um den Jahreswechsel" erwartet.

Wegen des anhaltend hohen Grades an Ungewissheit in diesem Programm wendet EADS weiterhin die Methode der Bilanzierung in der frühen Phase eines Auftrags an. Dies habe in den ersten neun Monaten zu einer EBIT-Belastung von 224 Mio EUR geführt. Je nach Entwicklungsfortschritt und Verhandlungsausgang werde das A400M-Programm in den kommenden Perioden möglicherweise noch wesentliche Ergebnisbelastungen nach sich ziehen, hieß es weiter. Wie sich der Rückzug der südafrikanischen Regierung aus diesem Projekt auswirkt, wird noch ermittelt.

Der Aktienmarkt reagierte trotz der enttäuschenden Quartalszahlen mit Kursaufschlägen. EADS-Papiere stiegen bis 13 Uhr um 2,65% auf 13,60 EUR. Einige Bankhäuser rieten zum Kauf der Aktie und verwiesen auf den Aktienkurs. So empfiehlt Analyst Heino Ruland von Ruland Research die Aktie zum Kauf und prognostiziert ein Kursziel von 17 EUR. Die Zahlen des dritten Quartals bezeichnete er indes als schwach und nannte dabei vor allem das bereinigte EBIT. "A-380 und A400M belasten", betonte er.

Allerdings seien die Probleme bekannt. Aus diesem Grund sollten Anleger die Zahlen abhaken. Die Zukunft sei aussichtsreich, sagte Ruland. Dies würden auch die getroffenen positiven Aussagen von der Dubai Air Show zeigten. "Die Aussagen für die Branche werden überwiegend als sehr bullisch dargestellt", sagte der Analyst. Boeing sehe 2010 als Jahr der Erholung. Der Airbus-Großkunde Emirates bewerte den Markt "als sehr positiv". Das könnte EADS stützen, sagte Ruland.

"Enttäuschende Zahlen und wackeliger Ausblick", kommentierte Bankhaus-Lampe-Analyst Sebastian Hein den Bericht. Im Kerngeschäft "Airbus" sei der Luft- und Raumfahrtkonzern zwar gut aufgestellt, allerdings verhagelten die "vielen Baustellen" angefangen vom A380 über den A400M bis hin zu den Wechselkursproblemen die Bilanz.

Besonders sauer stößt Hein darüber hinaus der negative freie Cashflow auf. Hier hätten niedrigere Anzahlungen von Kunden sowie der Aufbau von Vorräten zu einer enttäuschenden Entwicklung geführt. Hein stuft die EADS-Aktien gegenwärtig mit "Verkaufen" ein, als Kursziel sieht er 12 EUR.

Webseite: www.eads.com - Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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