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30.10.2008

UPDATE2: Heidelberger Druck weitet Spargrogramm aus

(NEU: Aussagen aus Telefonkonferenz, Aktienkurs)

(NEU: Aussagen aus Telefonkonferenz, Aktienkurs)

Von Alexander Becker

DOW JONES NEWSWIRES

HEIDELBERG (Dow Jones)--Die Heidelberger Druckmaschinen AG will das laufende Restrukturierungsprogramm deutlich ausweiten und bis zu 2.500 Stellen abbauen. "In Folge des verstärkten Umsatz- und Ertragsrückgangs für das laufende und das kommende Geschäftsjahr erweitert Heidelberg sein bereits bestehendes Maßnahmenpaket zur Kostensenkung um weitere Maßnahmen und beschleunigt deren Umsetzung", teilte der Druckmaschinenhersteller am Donnerstag mit.

Die kurz- und mittelfristigen Geschäftsprognosen fallen eher düster aus. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der MDAX-Konzern im Vergleich zum Vorjahr "erhebliche Umsatzeinbußen", ein hierdurch bedingt deutlich schlechteres Betriebsergebnis (EBIT) sowie ein durch die Finanzmarktkrise und momentane Zinsentwicklung ebenfalls verschlechtertes Finanzergebnis. In Summe, einschließlich Restrukturierungsaufwand, wird dies im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 zu einem deutlichen Jahresfehlbetrag führen.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (Ende März) hatte Heidelberger Druck bei einem Umsatz von 3,67 Mrd EUR einen Gewinn von 141,5 Mio EUR ausgewiesen. Entgegen der bisherigen Ankündigung wird das Unternehmen keine quantifizierte Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgeben. Grund seien die Unvorhersehbarkeiten der gegenwärtigen Finanzmarktkrise und ihrer Auswirkung auf die Investitionsentscheidungen der Heidelberger-Druck-Kunden.

Für das noch schwerer abzuschätzende folgende Geschäftsjahr 2009/2010 geht der Heidelberger-Druck-Vorstand unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklung zunächst "jedenfalls nicht von einer Verbesserung aus".

Mittelfristig rechnet das Unternehmen nicht mit einer Trendwende in der zuletzt schwächelnden Druckindustrie. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des MDAX-Konzerns, Bernhard Schreier, während einer Telefonkonferenz.

Im Ende September zu Ende gegangenen zweiten Quartal lag der Auftragseingang bei Heidelberger Druck laut Schreier etwa 25% unter dem Vorjahreswert. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen einen Auftragseingang von 932 Mio EUR ausgewiesen. Anfang Oktober hatte Heidelberger Druck bereits mitgeteilt, dass der Umsatz im zweiten Quartal bei 800 Mio bis 820 Mio EUR und damit rund 10% unter dem Vorjahr liegen wird. Das Unternehmen will seine endgültigen Zweitquartalszahlen am 6. November vorlegen.

Statt der bislang angekündigten Kostensenkungen von 75 Mio Mio EUR entfallen damit insgesamt 150 Mio bis 180 Mio EUR des Gesamtpakets schon auf das kommende Geschäftsjahr 2009/2010. Weitere Maßnahmen im Folgejahr 2010/2011 führen zu Gesamteinsparungen von rund 200 Mio EUR.

Um dieses Ziel zu erreichen, werde Heidelberg die Personalkapazität und Organisationsstrukturen in den Bereichen Produktion, Forschung und Entwicklung, in der Verwaltung sowie auch in der weltweiten Vertriebsorganisation anpassen. Kurzfristig werde zur sofortigen Kapazitätsanpassung Kurzarbeit angemeldet.

Zur "nachhaltigen Reduzierung der Kapazitäten und Strukturen" sollen weltweit bis zu 2.500 Stellen abgebaut werden. Der Stellenabbau soll sozial verträglich gestaltet werden. Dabei wird es an den deutschen Standorten voraussichtlich auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.

Mit dem Mitte Juli beschlossenen bisherigen Maßnahmenprogramm wollte das Unternehmen bis zum Geschäftsjahr 2010/2011 Einsparungen von rund 100 Mio EUR generieren. Das Programm werde - "entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung" - ausgeweitet, kündigte Heidelberger Druckmaschinen Anfang Oktober an.

Mit dem nun zusätzlich beschlossenen Restrukturierungsbedarf werden sich die Gesamtkosten des nun ausgeweiteten Maßnahmenprogramms laut Unternehmensangaben auf 130 Mio bis 150 Mio EUR erhöhen. Die Restrukturierungskosten werden voraussichtlich zum überwiegenden Teil bereits im Geschäftsjahr 2008/2009 anfallen.

Heidelberger Druck hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit schwachen Zahlen enttäuscht. Im Frühjahr belasteten zwei Gewinnwarnungen innerhalb von wenigen Wochen das Vertrauen in das Management und in der Folge auch den Aktienkurs. Für die ersten beiden Quartale des Geschäftsjahres 2008/09 musste das Unternehmen erneut unter den Erwartungen von Analysten und Investoren liegende Zahlen melden.

In der Druckindustrie gilt die Preislage nach wie vor als angespannt, und steigende Rohstoffkosten sind von den Konzernen meist nur schwer an die Kunden weiterzugeben. Anders als die zuletzt boomende Maschinenbauindustrie kämpfen die Druckmaschinenhersteller auch mit strukturellen Problemen. Der Markt in den Industrieländern gilt als beinahe gesättigt.

Die Heidelberger-Druck-Aktie reagierte auf das ausgeweitete Sparprogramm und die Prognosen zunächst mit einem deutlichen Kursverlust, erholte sich im weiteren Handelsverlauf aber wieder. Das Papier fiel nach Veröffentlichung der Mitteilung auf 6,78 EUR, nachdem es zuvor mit rund 10% im Plus ein Tageshoch bei 7,48 EUR markiert hatte. Um 14.55 Uhr notiert die Aktie 7,7% im Plus bei 7,28 EUR.

Webseite: http://www.heidelberg.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/brb/cbr

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