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08.05.2009

UPDATE2: Krise der Autoindustrie beschert Rheinmetall Verlust

(NEU: Weitere Details, aktueller Aktienkurs.)

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die Krise in der Automobilindustrie hat der Rheinmetall AG die Bilanz im Auftaktquartal 2009 verhagelt: Aufgrund eines Umsatzeinbruchs und tiefroter Zahlen im Automotive-Segment rutschten die Düsseldorfer im Zeitraum zwischen Januar und März auch im Konzern in die Verlustzone. Sollte sich die Automobilproduktion in Jahresverlauf nicht schwächer entwickeln als vom Branchendienst CSM Worldwide prognostiziert, will der MDAX-Konzern im Gesamtjahr 2009 aber einen operativen Gewinn schreiben.

Die Einnahmen brachen im Auftaktquartal konzernweit um rund ein Viertel auf 710 Mio EUR ein. "Dieser Umsatzrückgang ist ausschließlich auf den Unternehmensbereich Automotive zurückzuführen", heißt es im Zwischenbericht des Unternehmens. Sowohl operativ als auch unter der Strich verbuchte Rheinmetall einen Verlust: Während das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf minus 23 (plus 49) Mio EUR sank, brach das Nettoergebnis sogar auf minus 30 (plus 56) Mio EUR ein.

Damit schnitt Rheinmetall schwächer ab als erwartet: Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit Einnahmen von 727 Mio EUR, einem operativen Verlust von 22 Mio EUR und einem Nettofehlbetrag von 27 Mio EUR gerechnet.

Überraschend kommen die eher schwachen Finanzkennzahlen allerdings nicht, da Rheinmetall bereits im März einen Verlust und einen deutlichen Umsatzrückgang angekündigt hatte. Die Aktie geriet nach Veröffentlichung der Quartalszahlen dennoch unter Druck und verlor bis 14.45 Uhr rund 6,5% auf 29,62 EUR. Ein Händler begründete dies mit dem höher als erwartet ausgefallenen Verlust.

"Die weiterhin deutlich positive Entwicklung des Defence-Bereichs konnte die erheblichen Umsatz- und Ergebnisrückgänge, die als Folge der weltweiten Automobilkrise im Unternehmensbereich Automotive zu verzeichnen waren, im ersten Quartal 2009 nicht ausgleichen", hieß es im Zwischenbericht der Rheinmetall AG zu den schwachen Quartalszahlen.

Das Automotive-Segment, in dem Rheinmetall bisher traditionell mehr als die Hälfte des Umsatzes generierte, brach im ersten Quartal förmlich ein: Der Umsatz schmolz - genau wie der Auftragseingang - um etwa 40% auf 340 Mio bzw 374 Mio EUR. Auf operativer Ebene fiel in dem Geschäftsbereich ein Verlust von 51 Mio EUR an, nachdem im Vorjahresquartal noch 34 Mio EUR verdient worden waren.

Dafür, dass Rheinmetall nicht noch weiter in die Verlustzone geriet, sorgte die solide Entwicklung im Defence-Segment, das sich einmal mehr als krisenresistent erwies: In dem Geschäftsbereich legten die Einnahmen im ersten Quartal um 10% zu, der Auftragseingang stieg um fast ein Drittel und der -bestand um knapp ein Fünftel. Das EBIT kletterte auf 23 (18) Mio EUR.

Auch im weiteren Jahresverlauf dürfte das Rheinmetall-Geschäft zwei Gesichter zeigen: "Die Geschäfts- und Ertragsentwicklung der beiden Unternehmensbereiche Defence und Automotive wird auf der Grundlage der Prognosen für den weltweiten Automobilmarkt und den Markt für Verteidigungsgüter unterschiedlich verlaufen", heißt es hierzu im Geschäftsbericht.

Die Rheinmetall AG rechnet damit, 2009 im Wesentlichen durch die gute Entwicklung des Defence-Bereichs getragen zu werden. In den kommenden Monaten erwartet der Konzern in diesem Segment Aufträge, die den Orderbestand auf rund 5 Mrd EUR von aktuell 3,4 Mrd EUR steigen lassen sollen. Vor diesem Hintergrund bestätigte der MDAX-Konzern den Ausblick für den Bereich und visiert weiterhin ein Umsatzwachstum auf 1,9 Mrd EUR sowie einer EBIT-Marge von 10% an.

Auf Konzernebene hält der MDAX-Konzern im laufenden Jahr ein operatives Ergebnis von 100 Mio EUR für möglich. Diese Schätzung basiert auf aktuellen Projektionen des Branchendienstes CSM Worldwide, der einen Rückgang der Fahrzeugproduktion um 29% in den Triade-Märkten - also in Westeuropa, den USA sowie Kanada und Japan - vorhersagt.

Ebenfalls basierend auf diesen Schätzungen rechnet Rheinmetall im von der Krise der Autobranche stark in Mitleidenschaft gezogenen Segment Automotive für 2009 mit einem Umsatzrückgang um rund 500 Mio EUR gegenüber dem Vorjahr. In diesem Szenario würde nach Unternehmensangaben in dem Geschäftsbereich ein operativer Verlust von 80 Mio EUR anfallen. Rheinmetall geht allerdings davon aus, dass sich die Produktionsrückgänge in der kriselnden Autobranche ab dem zweiten Quartal schrittweise entschärfen werden.

Für Kapazitätsanpassungen, Restrukturierungen und Sonderabschreibungen erwarten die Düsseldorfer Einmalkosten von bis zu 100 Mio EUR. Auch unter Berücksichtigung dieser Sonderbelastungen sollen auf Konzernebene aber schwarze Zahlen geschrieben werden.

Bereits 2008 waren die Düsseldorfer schwer von der Krise in der Autoindustrie gebeutelt worden und hatten daraufhin den Rotstift angesetzt. Im Zuge des im Frühjahr 2009 verschärften Sparprogramms kündigte Rheinmetall den Abbau von insgesamt 2.500 Stellen an und verhängte einen Investitionsstopp. Aktuell arbeiten außerdem rund 6.000 Beschäftigte kurz. Nach Angaben vom Freitag will der MDAX-Konzern 2009 alleine bei den Fixkosten mindestens 50 Mio EUR einsparen.

Webseite: http://www.rheinmetall.de - Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 - (0)69 297 25 111; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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