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12.03.2009

UPDATE2: Kuka stellt sich auf schwierige Zeiten ein

(NEU: Weitere Details)

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Industrieroboterhersteller Kuka stellt sich auf schwierige Zeiten ein: Nach einem Gewinnrückgang im abgelaufenen Geschäftsjahr kündigte der MDAX-Konzern am Donnerstag ein umfassendes Sparpaket an. Zudem wollen die Augsburger - die fast drei Viertel ihres Umsatzes mit Aufträgen aus der Autoindustrie generieren - ihr Exposure in die kränkelnde Branche zurückfahren und sich breiter aufstellen. Künftig soll das Engagement stärker dem Segment General Industry sowie den Bereichen Solar und Luftfahrt gelten.

Die Krise in der Autoindustrie hatte Kuka die Bilanz für das Schlussquartal und das Gesamtjahr 2008 verhagelt: Die gesunkene globale Automobilnachfrage führte zu Rückgängen bei Umsatz, Auftragseingängen und den zentralen Gewinnkennziffern. Zusätzlich meldete ein US-Geschäftspartner der Augsburger, die Getrag Manufactoring LLC, Ende 2008 Insolvenz an, was zu einem Zahlungsausfall von rund 21 Mio EUR führte.

Der Roboter- und Anlagenhersteller zieht seine Konsequenzen aus der schwierigen Situation in der Automobilbranche. Der Verwicklung in die Industrie werde "mit einem stringenten Nachverfolgen der Forderungen sowie einem regelmäßigen Exposure-Reporting entgegengewirkt", hieß es im Geschäftsbericht des MDAX-Konzerns. Außerdem wird Kuka künftig Aufträge ab einem bestimmten Auftragsvolumen nur nach Zustimmung des Vorstands und unter Berücksichtigung gewisser Sicherheiten annehmen. Qualität soll also wichtiger sein als Quantität.

Dabei denkt Kuka unter anderem an Vorkasse, Anzahlungen, monatliche Abrechnungen und Garantien. "Die Kundenexposures der sich in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen US-amerikanischen Automobilproduzenten (General Motors, Chrysler und Ford) gehören zu den größten Risiken im Kuka-Konzern und werden mit besonderer Sorgfalt regelmäßig überwacht".

Vorstandsvorsitzender Horst J. Kayser sagte: "Da wir davon ausgehen müssen, dass die Automobilindustrie auf Grund der aktuellen Absatzprobleme noch einige Zeit zurückhaltend investieren wird, werden wir das Geschäft mit der General Industry beschleunigt ausbauen". Die strategische Fokussierung auf Wachstum in diesem Segment sei eine gute Basis für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Denn Kuka-Lösungen kämen in zunehmendem Maße auch in Bereichen wie in der Medizintechnik, der Nahrungsmittel- und Kunststoffindustrie sowie in der Luftfahrt- und Solarbranche zum Einsatz. Das Management spricht davon, sich diesen Gegebenheiten anzupassen und das "integrierte Geschäftsmodell" weiterzuentwickeln.

Vor diesem Hintergrund begrüßte Kayser die Anteilsaufstockung des Familienunternehmens Grenzebach an Kuka. "Das ist uns sehr recht". Das Familienunternehmen aus Hamlar, 40 Kilometer nördlich von Augsburg, hatte am Montag überraschend angekündigt, ihre Ende 2008 erworbene Beteiligung an Kuka bis zu einer Sperrminorität von 25,1% ausbauen zu wollen. Mit der Transaktion steigt das Unternehmen für Materialfluss- und Verfahrenstechnologie zum größten Kuka-Aktionär auf. Grenzebach kooperiert bereits seit etwa einem Jahrzehnt mit Kuka, die Zusammenarbeit soll nun vor allem in den Bereichen Luftfahrt und Solar Früchte tragen.

Neben dem Ziel von Kuka, sich breiter aufzustellen und so die Abhängigkeit von der kriselnden Autoindustrie zu verringern, liegt der Fokus des Anlagen- und Industrieroboterbauers 2009 besonders auf der Steigerung der Liquidität. Zur Schonung des Barmittelbestands wird Kuka für 2008 keine Dividende zahlen. Zudem implementierten die Augsburger ein umfassendes Sparprogramm, durch das die Kosten allein 2009 um rund 50 Mio EUR sinken sollen. Gesenkt werden sollen Materialkosten, Produktionskapazitäten und die Zahl der Leiharbeiter. Außerdem will Kuka befristete Verträge beenden und hat einen Einstellungsstopp verhängt. Überstunden und Zeitkonten sollen abgebaut werden.

Sparen will der MDAX-Konzern außerdem durch eine "Anpassung der Vergütungen an die Ertragslage", eine Prüfung von Entwicklungsprojekten und eine Verringerung der Verwaltungs- und Beratungskosten. 40% bis 50% des Einsparvolumens sollen nach Aussage von Kuka-Finanzvorstand Matthias J. Rapp im Personalbereich generiert erzielt werden. Weitere 25% bis 30% sollen aus dem Ausland kommen.

Betriebsbedingte Kündigungen sind im Zuge des angekündigten Sparprogramms bislang nicht geplant und auch "flächendeckende" Kurzarbeit - zum Beispiel in Augsburg - nicht zu erwarten. Am Stammsitz in Augsburg beschäftigt Kuka rund die Hälfte der rund 6.2000 Mitarbeiter. Im Schlussquartal wurde die Zahl der Zeitarbeiter bereits um rund ein Fünftel auf unter 900 reduziert, ein weiterer Abbau ist wahrscheinlich.

Die Liquidität des Unternehmens hatte unter dem Nachfrageeinbruch nach Autos und den daraufhin sinkenden Auftragseingängen sowie der Dividendenzahlung im Vorjahr gelitten: Der Free-Cashflow lag per Ende 2008 bei minus 166,9 Mio EUR. Noch im Dezember 2007 hatte die Maßzahl bei 223,6 Mio EUR im Plus gelegen, allerdings hatte seinerzeit unter anderem der Verkauf der Verpackungstechnik-Sparte und von Grundstücken gestützt.

Einen konkreten Ausblick blieb Kuka am Donnerstag schuldig. "Wir geben keine Prognose für dieses Geschäftsjahr, weil wir auf Sicht fahren", sagte Finanzvorstand Rapp. Mit Blick auf das schwierige Marktumfeld, sei es zum jetzigen Zeitpunkt daher unmöglich, konkrete Planziele auszugeben. Allerdings wurde Rapp dann doch etwas konkreter: Kuka wolle 2009 schwarze Zahlen schreiben, also ein positives Ergebnis erzielen. Aktuell würden unterschiedliche Szenarien für die weitere Wirtschaftsentwicklung durchgerechnet. Je nach eintreffendem Szenario ist es nach Aussage des Finanzvorstands durchaus möglich, dass das Ergebnis 2009 unter dem des Vorjahres liegen wird.

Im Geschäftsbericht hatte es zum Ausblick lediglich geheißen, dass die voraussichtliche Geschäftsentwicklung einschließlich der Finanz- und Ertragslage bis 2010 "derzeit insgesamt negativ" gesehen werde.

Am Markt werden die Neuigkeiten negativ aufgenommen. Die Kuka-Aktie verliert in einem etwas leichteren Gesamtmarkt um 14.35 Uhr 6,24% an Wert auf 10,22 EUR.

Webseite: http://www.kuka-ag.de/ - Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 - (0)69 297 25 111, nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/kla Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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