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04.08.2009

UPDATE2: Kuka verbucht Sparerfolge und plant Kapitalerhöhung

(NEU: Geplante Kapitalerhöhung, Manageraussagen, Aktienkurs)

(NEU: Geplante Kapitalerhöhung, Manageraussagen, Aktienkurs)

Von Nico Schmidt und Hans Seidenstücker

DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Industrieroboter- und Anlagenbauer Kuka hat im ersten Halbjahr erste Effekte aus seinem umfassenden Sparprogramm realisiert. Bei Vorlage der Zwischenbilanz am Dienstag kündigte die Kuka AG aber weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an. Unter anderem werden die Augsburger Arbeitsplätze abbauen. Zugleich räumte der MDAX-Konzern ein, im zurückliegenden Quartal gegen eine Klausel des Konsortialkreditvertrages verstoßen zu haben. Die Banken drängen deshalb auf eine Kapitalerhöhung, wie in der Telefonkonferenz deutlich wurde.

Den Vertragsbruch beim 305 Mio EUR schweren Konsortialkredit vermerkte das Unternehmen im Zweitquartalsbericht als im schlimmsten Fall bestandsgefährdendes Risiko, doch sieht Vorstandsvorsitzende Horst J. Kayser aktuell keinen Grund zur Besorgnis. Die Banken verzichteten wie erforderlich monatlich auf die Fälligstellung der Kreditlinien, sagte Kayser Journalisten am Telefon.

Bislang habe noch keine der Gläubigerbanken gefordert, die ausstehenden Kreditlinien fällig zu stellen. Auch könne keine einzelne Bank den Kredit fällig stellen. Nötig dafür wäre nach Kaysers Worten eine Mehrheitsentscheidung.

Die Kosten für den Verzicht der Banken auf ihre Rechte konnte Kayser nicht beziffern. Dies lasse sich nicht abschließend beurteilen. Dies hänge von der gesamten Refinanzierung ab. "Entscheidend sind die zukünftigen Zinskosten", erklärte der Vorstandsvorsitzende. Er sei optimistisch, dass die Refinanzierungsgespräche im Herbst abgeschlossen werden könnten.

Im Rahmen dieser Gespräche drängen die Banken offenbar auf eine Kapitalerhöhung. "Eigenkapitalmaßnahmen sind Bestandteil der Verhandlungen", bestätigte Kayser. Zur Höhe und weiteren Details einer Kapitalerhöhung wollte sich der Vorstandsvorsitzende allerdings nicht äußern. Er verwies lediglich darauf, dass die Wettbewerber eine Eigenkapitalquote von 30% aufwiesen; die von Kuka lag im zweiten Quartal bei 22%.

Der Aufsichtsrat habe in seiner letzten Sitzung seine Unterstützung für eine Kapitalerhöhung nochmals bekräftigt, führte Kayser aus. Auch der Großaktionär Grenzebach habe sich dazu positiv geäußert. Ob sich Grenzebach jedoch an der Kapitalerhöhung beteilige, werde von den Details abhängen.

In den vergangenen Wochen waren Differenzen zwischen dem Kuka-Management und den Großaktionären Grenzebach und Guy Wyser-Pratte bekannt geworden. Dem schwäbischen Maschinenbauer und dem US-Investor, die gemeinsam rund 40% an der Kuka AG halten, kam der Strategiewechsel zu langsam voran, mit dem die Augsburger ihre Abhängigkeit von der Automobilindustrie verringern wollen. Wie Dow Jones Newswires Ende Juli aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, standen zuletzt einige Aufsichtsratsvertreter dem Management sehr kritisch gegenüber.

Auch vor diesem Hintergrund will Kuka den Rotstift noch stärker ansetzen: Neben den bereits getroffenen Maßnahmen werde sich das Unternehmen für die Jahre 2010 bis 2012 nachhaltig aufstellen. "Strukturen, Prozesse, Kapazitäten und Produkte müssen an die dramatisch veränderten Rahmenbedingungen und an die neuen Märkte angepasst werden", heißt es im Halbjahresbericht.

Es werde ein "systematischer Transformationsprozess" eingeleitet, der dann auch mit einem Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen werde. "Dieser Prozess soll vor allem mit sozialverträglichen Lösungen umgesetzt werden". Details will das Unternehmen erst im dritten Quartal nennen; derzeit erarbeiteten Arbeitsgruppen die einzelnen Maßnahmen, sagte Kayser.

Mit der Wirkung der bereits eingeleiteten Kurzfristmaßnahmen zeigte sich das Management zufrieden. Per Ende Juni hat Kuka rund 23 Mio EUR eingespart. "Der Großteil der zu erwartenden Einsparungen ist jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu erwarten, da etliche Maßnahmen erst im Laufe des ersten Halbjahres 2009 begonnen haben", heißt es im Zwischenbericht.

Bereits Ende 2008 hatte das Unternehmen auf die Krise in der Autoindustrie, der wichtigsten Abnehmerbranche, reagiert und ein umfassendes Kostensenkungsprogramm gestartet. Im April forcierte Kuka den Sparkurs dann, unter anderem wurde die Zahl der Zeitarbeiter deutlich reduziert. Inzwischen seien Maßnahmen zum Abbau von weiteren 250 Mitarbeitern eingeleitet, sagte der Vorstandsvorsitzende am Dienstag.

Insgesamt sollen mit den bisher eingeleiteten Maßnahmen etwa 70 Mio EUR eingespart werden. "Wir gehen davon aus, dass wir 2009 Einsparungen von 50 Mio EUR solide erreichen können", sagte Finanzvorstand Matthias J. Rapp. Damit seien in diesem Jahr Restrukturierungskosten von insgesamt 20 Mio EUR verbunden, von denen bereits 13 Mio EUR im zweiten Quartal verbucht wurden.

Die neuerliche Verschärfung des Sparprogramms kommt kaum überraschend. Vorstandsvorsitzender Horst J. Kayser hat bereits vor Monaten erklärt, dass die bis dato ergriffenen Maßnahmen wohl nicht ausreichen, um die Auswirkungen der Wirtschaftsflaute abzufedern. Kayser hatte noch im Frühjahr betont, bei allen Sparbemühungen seien Kündigungen und Standortschließungen das letzte aller Mittel.

Kayser bekräftigte, dass es in diesem Jahr in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Der Manager machte zugleich aber deutlich, dass betriebsbedingte Kündigungen für 2010 nicht mehr ausgeschlossen werden können. Die Augsburger beschäftigten per Ende Juni rund 5.900 Mitarbeiter.

Die Flaute in der kriselnden Autobranche, mit der Kuka rund 70% seiner Einnahmen macht, hat dem Anlagen- und Roboterbauer in den vergangenen Monaten schwer zu schaffen gemacht. Im ersten Halbjahr 2009 brachen die Einnahmen um knapp ein Viertel ein, sowohl operativ als auch netto schlug ein deutlicher Verlust zu Buche. Auch in den Auftragsbüchern hinterließ die Krise tiefe Spuren: Die Neuaufträge sanken um mehr als ein Drittel.

Auf Sicht ist kaum Besserung zu erwarten: Für 2009 rechnet Kuka angesichts der Wirtschaftsflaute und hohen Restrukturierungskosten mit operativ roten Zahlen. Für 2009 und 2010 stelle sich Kuka auf einen nachhaltigen Rückgang der Kundeninvestitionen ein, sagte Kayser. Das Auftragsniveau werde wohl auch 2010 rund 20% unter dem Niveau von 2008 bleiben.

Die Kuka-Aktie reagierte mit einem deutlichen Kursrückgang. Bis gegen 12.53 Uhr verlor der Anteilsschein rund 7% auf 10,30 EUR, während der MDAX nur 1,1% auf 6.290 Punkte verlor.

Webseite: www.kuka-ag.de -Von Nico Schmidt und Hans Seidenstücker, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 114; unternehmen.de@dowjones.com DJG/ncs/has/rio Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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